Crystal Talk
WORK Architecture CompanyWORK Architecture Company

Architektur ist für Amale Andraos und Dan Wood keine Fassadenmalerei. Mit ihrem New Yorker Büro WORKac wollen sie Raum für urbane Experimente schaffen, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Sie entwerfen schwebende Beete, essbare Schulhöfe bis hin zu nachhaltigen Bühnen für politische Wettkämpfe. Ihre Stärke liegt in passgenauen, konzeptionellen Lösungen, bei denen der entscheidende Funke Utopie nicht fehlen darf. Mit ihrer offenen wie interdisziplinären Haltung bringen Amale Andraos und Dan Wood das Selbstverständnis einer neuen Architektengeneration in den USA auf den Punkt.

Hirsch Bedner Associates/HBAHirsch Bedner Associates/HBA

Inge Moore erklärt anonymen Bettenburgen den Krieg. Ein Hotel ist für die gebürtige Südafrikanerin keine schnöde Box, in der man nachts auf Reisen einkehrt, sondern ein temporäres Zuhause. Als Chefdesignerin des Londoner Büros Hirsch Bedner Associates (HBA) gestaltet sie Interieurs von Hotels, Spas und Restaurants, die den Gästen in Erinnerung bleiben. Ihr Erfolgsrezept: Sie entwickelt maßgeschneiderte Räume, die lokale Einflüsse zu einem atmosphärischen Stilmix miteinander vermischen.

FAR Frohn&RojasFAR Frohn&Rojas

FAR wie „fern“ heißt das Büro von Mario Toledo Rojas und Marc Frohn, das sie von Santiago de Chile, Berlin und Los Angeles aus betreiben. Mit dem Wall House sind sie vor sechs Jahren international bekannt geworden, kürzlich haben sie Räume für das Goethe-Institut in Santiago eingerichtet. Doch Bauen ist für sie nur ein Grund, sich mit Architektur zu beschäftigen.

NL ArchitectsNL Architects

Ein Basketballplatz auf dem Dach eines Cafés, Kletterwände an der Fassade oder eine Blumenvase mit drei Öffnungen, die man auch auf den Kopf stellen kann – NL Architects verstehen ihre Arbeit als einen Remix der Realität und beweisen dabei viel Phantasie. Für ihre überraschenden Gebäude wurden Pieter Bannenberg, Walter van Dijk und Kamiel Klaasse bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter auch der renommierte der Mies-van-der-Rohe Nachwuchspreis für die BasketBar in Utrecht. Wir haben die Architekten in ihrem Büro in Amsterdam besucht.

Manuelle GautrandManuelle Gautrand

Sie verwandelt Autohäuser in Juwelen, erweckt Operettentheater aus dem Dornröschenschlaf und baut eindrucksvolle Türme, die ganz und gar nichts mit autistischen Verhaltensmustern gemeinsam haben. Manuelle Gautrand ist derzeit nicht nur Frankreichs spannendster Architekturexport. Die Pariser Architektin und Ritterin der Ehrenlegion bringt eine sinnliche Plastizität ins Bauen, von der nicht nur ihre männlichen Kollegen einiges lernen können.

SuperpoolSuperpool

Vor fünf Jahren haben Selva Gürdoğan und Gregers Tang Thomsen in Istanbul Superpool gegründet. Inzwischen zählen die Türkin und der Däne, die sich im Büro von Rem Koolhaas kennengelernt haben, zu den Hoffnungsträgern der jungen türkischen Architektenszene. Weniger weil sie bauen, sondern weil sie die Stadt sichtbar machen.

OFFICE Kersten Geers David Van SeverenOFFICE Kersten Geers David Van Severen

Seit 2005 sind die beiden Belgier Kersten Geers und David van Severen „Office“. In ihren faszinierenden Collagen, in ihren trockenen Zeichnungen und Axonometrien und in ihrer Architektur knüpfen sie auf faszinierende Weise einen Bogen von den Perspektiven der italienischen Renaissance bis zur Pop-Art eines David Hockney oder den Collagen eines Rem Koolhaas – „des frühen Rem Koolhaas“, wie Kersten Geers im Interview betont. Genau wie bei ihrer Architektur sind sie auch bei dem, was sie sagen, vor allem eines: sehr präzise.

AFFAFF

Sie sind Sammler von seltsamen Dingen, die Brüder Martin und Sven Fröhlich. Seit 1999 arbeiten sie als AFF, mittlerweile in Berlin und Chemnitz. Sie fotografieren auch, erstellen ganze Bilderreihen mit exzentrischen Themen: Stromverteilerkästen, verschneite Autos, Blumenkübel. Ihren Häusern sieht man das an. Es sind starke Charaktere: für Schüler, für Steine, für ganz normale Bewohner. Für sich selbst haben sie einen Ferienhaus-Bunker gebaut, ein überraschend vernünftiges Statement zur Debatte über 'grüne Architektur' und gegen den Dämm-Wahn in Deutschland.

CaramelCaramel

Die Wahlwiener Caramel Architekten haben vor knapp zehn Jahren mit Designstudien und intelligenten Low-Budget Projekten auf sich aufmerksam gemacht. Heute können sie auf eine Reihe stattlicher Realisierungen zurückblicken. Bauteil für Bauteil wächst gerade der Sciencepark in Linz nach ihrem Masterplan zu einem wegweisenden Universitätsprojekt.

muf architecture / artmuf architecture / art

Die Auseinandersetzung mit dem Ort steht für das Londoner Büro „muf“ am Anfang aller Überlegungen und ist das Herzstück einer jeden Arbeit. Das kann so weit gehen, dass den Bauherren schon mal vom Bauen abgeraten wird oder am Ende eines Projektes Schafe inmitten eines Wohngebiets grasen – man möchte fast sagen, alles ist möglich bei muf!

Wir haben muf auf der Architekturbiennale in Venedig getroffen, wo sie aktuell die Kuratoren des britischen Pavillons sind, und mit ihnen über ihre Projekte und ihre außergewöhnliche Arbeitsweise gesprochen.

François Roche - R&Sie(n) ArchitectsFrançois Roche - R&Sie(n) Architects

Die Gebäude von R&Sie(n) haben viele Facetten – aber nicht immer Fassaden. Sie sind mitunter leicht wie Textil, versetzen Parkhäuser in dynamische Schwingungen oder wirken so fremdartig wie eine Bakterie, die unter dem Elektronenmikroskop millionenfach vergrößert wurde. Alles Zufall? Nicht ganz. Denn die Architekturen, die François Roche und Stéphanie Lavaux mit ihrem Pariser Büro seit über zwanzig Jahren entwickeln, entpuppen sich als intelligente Überschneidung aus lokalen Ressourcen und hoch entwickelter Technologie. Für Verwirrung sorgt derweil nicht nur ihr kryptischer Namen. Auch ihre Gesichter verbergen die Gründer von R&Sie(n) hinter einem computergenerierten Fantasiebild.

Atelier Kempe ThillAtelier Kempe Thill

Seit zehn Jahren führen André Kempe und Oliver Thill ein Büro in Rotterdam. Für ihre preisgünstigen, klar strukturierten Bauten sind die beiden deutschen Architekten ebenso bekannt wie für ihre Beharrlichkeit bei der Suche nach außergewöhnlichen Detaillösungen und unkonventionellen Materialien. 2009 wurden sie als niederländische Architekten des Jahres ausgezeichnet.

dekleva gregorič arhitektidekleva gregorič arhitekti

dekleva gregorič arhitekti sind Teil einer jungen Architektengeneration in Slowenien, die auf internationaler Ebene bereits große Beachtung fand. Die vielfach ausgezeichneten Projekte finden sich in ihrer Heimat, aber auch in Italien, Portugal und auf Hawaii.

Tina Gregorič und Aljoša Dekleva stehen für einen forschenden, analytischen Entwurfszugang und zugleich für die Lust am Experiment. Ihre Devise: Challenging the obvious!

Kraus Schönberg ArchitektenKraus Schönberg Architekten

Sie haben 2009 den Deutschen Holzbaupreis gewonnen, wurden von der F.A.Z. gefeiert und zählten in Großbritannien zu den "Young Architect of the Year": Tobias Kraus und Timm Schönberg. Mit dem "Holzkristall" eines Wohnhauses in Hamburg haben sie sich weit hinauf katapultiert in der internationalen Architekturszene, was sie jedoch nicht daran hindert, in Sichtweite zur aktuellen Baustelle ihr Büro aufzuschlagen, um gemeinsam mit den Bauleuten das optimale Ergebnis zu erzielen.

Sie pendeln zwischen London und Konstanz, sind jedoch skeptisch, was die britische Baukultur betrifft. Ihr Sinn dafür, mit räumlichen Experimenten das Zusammenleben von Bewohnern neu zu formen, ist stärker entwickelt als ihr Bedürfnis, fetzig designte Hüllen zu entwerfen.

Diller Scofidio + RenfroDiller Scofidio + Renfro

Elizabeth Diller, Ricardo Scofidio und Charles Renfro wollen sich nicht zwischen Kunst und Architektur entscheiden – sie sind Forscher, ihr Büro ist ein Laboratorium für alternative Baukonzepte und gleichzeitig Experimentierfeld der Medienkunst.

Aktuell gestalten die drei Baukünstler vor allem öffentliche Großprojekte wie das Institute of Contemporary Art (ICA) in Boston, den Umbau des Lincoln Center for the Performing Arts in New York sowie den High Line Park in Chelsea.

Ziegert | Roswag | SeilerZiegert | Roswag | Seiler

In Abu Dhabi planen sie ein Museum aus Lehm, in Bangladesch eine Schule mit Bambusgeschoss, im brandenburgischen Neuseddin ein Feuerwehrhaus in Holz. ökologisches Bauen ist für das Berliner Büro Ziegert Roswag Seiler Architekten Ingenieure eine Mischung aus ingenieurtechnischem Wissen, handwerklichem Feingefühl und guter Kommunikation.
Preise und Aufträge vor allem aus dem Ausland honorieren diese Haltung.

querkraftquerkraft

Querdenken und Aufgabenstellungen hinterfragen: das steht bei der Wiener Architektengruppe querkraft am Beginn eines Entwurfs, eines Arbeitsprozesses. Der Name ist Programm, ob bei Bauaufgaben in der Größenordnung eines Großkonzernhauptquartiers, wie dem Adidas Brand Center, oder zuletzt beim Museum für die ansehnliche Gegenwartskunstsammlung des Industriellen Herbert W. Liaunig im Kärntner Neuhaus.

Ben van Berkel / UNStudioBen van Berkel / UNStudio

Seit über 20 Jahren schaffen Caroline Bos und Ben van Berkel erstaunliche Architektur, seit knapp über zehn Jahren nennen sie sich dabei UNStudio – was sowohl als "United Network" als auch "Un-Studio" gelesen werden kann. Eine neue Art von Architekturstudio also, dass stark auf das Vernetzen mittels des Computers setzt. Dabei werden in der Entwurfsarbeit die dreidimensionalen Funktionsdiagramme per Computer in komplexe räumliche Zusammenhänge übersetzt, ebenso wird aber auch die gesamte innere und externe Kommunikation per Computer organisiert. Dadurch entsteht ein Bauprozess am und mit dem 3D-Modell, der vieldeutige Bauwerke wie die Erasmusbrücke und das Möbius-Haus hervorgebracht hat.

An den jüngsten Bauten – dem Mercedes-Benz-Museum, dem Agora-Theater in Lelystad oder dem Musiktheater in Graz – erkennt man eine neue Stufe des Funktionalismus, dem stilistische Merkmale von "Blob" oder "Box" egal sind. Bei UNStudio sitzt der Blob in der Box.

Plasma StudioPlasma Studio

Es gibt nicht viele Architekturbüros, die mit ihren ersten Projekten so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben wie Plasma Studio. Man könnte fast sagen, dass sie mit ihren Entwürfen nicht nur eine völlig neue Raumwahrnehmung fordern, sondern jegliche Konventionen auf den Kopf stellen.

Hani Rashid / AsymptoteHani Rashid / Asymptote

Dass Architektur weit mehr sein kann als physische Präsenz, haben Hani Rashid und Lise Anne Couture mit ihren Projekten bereits früh gezeigt. Im beruflichen wie im privaten Leben ein Paar, arbeiten sie und ihr New Yorker Büro Asymptote an der überschneidung von realem und virtuellem Raum. Waren ihre Entwürfe anfangs noch weit von einer konkreten Bauaufgabe entfernt, planen sie derzeit eine Vielzahl von Großprojekten rund um den Globus. Der Sprung vom Maßstab eines Wolkenkratzers auf den einer Armbanduhr gelingt ihnen dabei mühelos.

Kuehn MalvezziKuehn Malvezzi

Sie sind in der Kunstszene bekannter als unter Architekten. Kein Wunder, denn sie denken wie Künstler: Johannes Kuehn, Wilfried Kuehn und Simona Malvezzi. Die Reihe ihrer Kunst-Umbauten umfasst das Foyer der Schirn in Frankfurt, Räume für die Manifesta im italienischen Trento, ein Schaudepot in Wien, Galerien, Kunsthallen, Ausstellungen. Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie die Größe haben, sich zurückzunehmen, sie sind unaufgeregt und präzise.

Piero LissoniPiero Lissoni

Klare Linien, zurückhaltende Formen und ein ausgeprägter Sinn für besondere Materialien umgeben Piero Lissonis Entwürfe mit einer raffinierten Einfachheit.
Seit über 20 Jahren arbeitet der Mailänder Architekt dabei an der Schnittstelle zwischen Architektur und Design und entwirft neben neuen Produkten zugleich ganze Hotels, Apartmentblöcke, Firmenzentralen oder Segelyachten - von der Fassade bis hin zum Wasserhahn.

realities:unitedrealities:united

Mit dem Namen realities:united verbinden sich vor allem die Medienfassaden am Potsdamer Platz und des Kunsthauses Graz. Dabei ist es gerade die klassische Medienarchitektur, für die sich die Brüder Jan und Tim Edler so gar nicht interessieren...

Delugan Meissl Associated ArchitectsDelugan Meissl Associated Architects

Schnittig, fliegend und weiß sind die Bauten von Delugan Meissl. Aber so einfach lassen sich die Wiener nicht in eine Ecke stellen: Dynamik ja, aber nicht ausschließlich. Sie sei "das Sahnehäubchen obendrauf".

knerer und langknerer und lang

Wer in Dresden nach guten Architekten sucht, kommt an Knerer Lang kaum vorbei. Und wer durch die Innenstadt läuft auch nicht an ihrer Architektur. Zwischen barocken Schwüngen und Nachkriegsbebauung fällt sie ins Auge: mit wenigen Elementen, glatten Flächen und überraschenden Farben.

Florian Nagler ArchitektenFlorian Nagler Architekten

Ein Haus aus Plastik, eine steinerne Kirche, ein Büro aus Beton. Florian Nagler kann alles, nur keine Häuser von der Stange. Wer das Werk des gerade 40-Jährigen Münchners ansieht, stößt auf alles, was Architekten immer schon bauen wollten. Eigentlich fehlt nur noch das Museum ...

Preise über Preise und kein bisschen eitel. Nagler eilt von Erfolg zu Erfolg. Dabei sah es einmal recht düster aus. Ganz am Anfang. Da hatte er den Wettbewerb zum Deutschen Pavillon der EXPO 2000 gewonnen und stieg trotzdem aus.

J. MAYER H. ArchitektenJ. MAYER H. Architekten

Vor sechs langen Jahren eröffnete der Erstling des Berliner Architekten Jürgen Mayer H., das Stadthaus im Scharnhauser Park bei Stuttgart. Mit der soeben fertig gestellten Mensa in Karlsruhe ist nun der Beweis erbracht: Das war kein "one-hit-wonder"!

Fünf weitere Projekte werden 2007 noch folgen. Was passiert an der Schwelle vom Newcomer zum etablierten Büro? Welche Rolle spielt dabei seine Arbeit als Künstler, Designer und seine Lehrtätigkeit in den USA? Höchste Zeit, einmal nachzufragen...

GRAFTGRAFT

Berlin, Peking und Los Angeles sind Partnerstädte. Das ist Zufall. Kein Zufall ist, dass Graft in diesen drei Metropolen ihre drei Büros haben. Diese Orte sind im Umbruch, sagen sie.

Drei Braunschweiger Absolventen gehen nach dem Studium nach L.A., bauen erst Garagen um und dann das Haus eines Hollywood-Stars. Heute bauen sie auf fast allen Kontinenten, gemeinsam mit der Weltliga. Abgesehen vom ständigen Jet-Lag sind sie trotzdem ganz normal geblieben. Wir haben Graft in ihrem Berliner Büro besucht.

Lederer + Ragnarsdóttir + OeiLederer + Ragnarsdóttir + Oei

Im deutschen Südwesten, dem Land der leichten Bauweisen und minimierten Tragwerke, haben sie sich mit einer Architektur einen Namen gemacht, die eine ganz andere Sprache spricht: Kraftvolle Volumen und massive Wände prägen die Bauwerke von LRO Architekten.

Bei Kollegen, in Landratsämtern oder auf Vorstandsetagen stößt das Trio damit manchmal noch auf Befremden. Aber der Erfolg gibt den Stuttgartern Recht, nicht nur bei Wettbewerben...

Hoyer Schindele HirschmüllerHoyer Schindele Hirschmüller

Mit Nischenarchitektur zur Biennale in Venedig - Hoyer Schindele Hirschmüller überprüfen ihre räumlichen Ideen direkt vor Ort: Als "Case Studies" bezeichnen sie ihre Projekte, in denen Leerstellen besetzt werden, die außer ihnen kaum jemand sieht. Und weil ihre Bauherren immer nur im Berliner Osten bauen wollten, hat es für sie etwas länger gedauert, bis auch sie "rübermachen" durften...

bogevischs bürobogevischs büro

bogevischs buero - das klingt nach Böhmen, Donaumonarchie und Franz Kafka. Irgendwie bekannt jedenfalls. Dabei handelt es sich weder um eine Prager Detektei noch ein Brünner Handelshaus, sondern um ein aufstrebendes Architekturbüro aus München. Dessen Werdegang liest sich wie eine Erfolgsgeschichte aus den heydays der new economy: Wann hatten Sie zuletzt die Verantwortung für 20 Millionen Euro Bausumme? Für Rainer Hofmann und Ritz Ritzer war es das erste gemeinsame Projekt...

Staab ArchitektenStaab Architekten

Viele Architekten wären beleidigt, hielte man sie für "nicht so richtig angesagt". Die eigentlich durch und durch positiven Attribute "nett, normal, ernsthaft" lägen für sie in der Nähe von Rufschädigung. Schließlich haben sie diese kostspieligen Kurse besucht und Ratgeber studiert, in denen Ihnen zur Selbstinszenierung geraten wird, zur Kultivierung von möglichst aufregenden Alleinstellungsmerkmalen und einem vermarktbaren Image.

Bei Staab Architekten ist die Sache irgendwie anders gelagert. Sie mussten nie "groß im Kommen" sein — sie sind einfach da. Sollte man dem Büro spontan eine Eigenschaft zusprechen, dann wäre es wohl ungewöhnliche Entspanntheit. Die Chefs sind das glatte Gegenteil von Salonlöwen. Hier wird kein Sprachschaum geschlagen, kein Lärm um Nichts gemacht. Stattdessen wenig Aufhebens um umso mehr Substanz.

Knapkiewicz + FickertKnapkiewicz + Fickert

Kaschka Knapkiewicz und Axel Fickert sind jenseits der fünfzig und zählen dennoch zu den "jüngsten" Architekten der Schweiz. Als Spätstarter, Querschläger, Vorreiter brechen sie regelmäßig mit den strengen Konventionen der eidgenössischen Architektenschaft und pflegen konsequent ihren Eklektizismus: mal schräg, mal altmodisch, mal Kult, mal Trash. Trotzdem haben ihre Räume nahezu klassische Qualitäten. Widersprüchlich? Genau!

Mitte der achtziger Jahre fielen die komplexen Wohnungsschnitte der beiden Architekten bei den damaligen Wettbewerbs-Jurys glatt durch. Heute sind sie Modell für eine ganze Generation junger Schweizer Architekten und Inspiration für erstplatzierte Entwürfe. Knapkiewicz + Fickert selbst mussten lange warten, bis sich der Wohnungsmarkt mit ihren Vorstellungen anfreunden konnte. Umso lustvoller bauen sie heute und überraschen dabei mit jedem Projekt aufs Neue.

Allmann Sattler WappnerAllmann Sattler Wappner

4 Personen, 500 qm Grundfläche, 200 qm Nutzfläche, 250 000 Euro. Diese Formel machte das Münchner Büro Allmann Sattler Wappner quasi über Nacht berühmt. Ihr "Haus der Gegenwart" ist wohl das populärste Stück Neuer Architektur in Deutschland. Seit 2005 steht ihr hochgelobter Siegerentwurf zu einem Ideenwettbewerb des SZ-Magazins zum Anfassen auf dem BUGA-Gelände in München-Riem.

Aber auch die anderen Projekte von Allmann Sattler Wappner sind "populär" im besten Sinne, reflektieren ihr Umfeld, polarisieren. Gesellschaftliche Relevanz ihrer Gebäude ist überhaupt ein erklärtes Ziel des Büros, das sich stets neu auf die Suche nach dem Wesen, der Eigenart der gestellten Aufgabe begibt. Die Pflege eines bestimmten Stils ist ihnen suspekt - stattdessen überraschen Allmann Sattler Wappner mit immer wieder neuen Lösungen. In der Sache ernst, in der Ausführung aber humorvoll und zuweilen gar verschmitzt. Typisch bayrisch, irgendwie.

Grüntuch Ernst ArchitektenGrüntuch Ernst Architekten

Zwei junge Architekten treffen Ende der achtziger Jahre in London aufeinander und werden privat und beruflich ein Paar. 1991 eröffnen sie in Berlin ihr gemeinsames Büro. Bis ihr Haus am Hackeschen Markt, das erstaunliche Wunder der Berliner Glas-Architektur an einem steinernen Ort, im Jahre 2000 endlich als gebaute architektonische Referenz vorzeigbar ist, machen sie Umbauten, Gutachten und viele, viele Wettbewerbe.

Seitdem ging es kontinierlich bergauf. "Geht nicht, gibt's nicht", könnte das Motto des Büros sein. Vor jedem Projekt wird geprüft, ob man es auch anders als gewohnt lösen könnte. Diese Haltung wurde nicht nur durch gebaute Erfolge belohnt, sondern Grüntuch Ernst sind jetzt auch ausgewählt worden, den deutschen Beitrag für die Architektur-Biennale in Venedig 2006 zu gestalten. Anlass genug, mit den Architekten Grüntuch und Ernst intensiv zu reden.

InnocadInnocad

Innocad aus Graz hat unter den jungen österreichischen Architekturbüros die wahrscheinlich ungewöhnlichste Geschichte. Seit der Gründung im Jahr 1999 arbeiten die vier Partner nicht allein als Architekten, sondern treten zugleich als Projektentwickler und Bauherren auf. Ihr aktuellstes Gebäude, das "Golden Nugget", entstand ebenfalls auf eigenes Risiko und zeigt, dass gute Architektur auch unter knallhart kalkulierten Bedingungen ein Erfolgsrezept ist.

Architektur und Lifestyle sind nicht zu trennen. Häuser von Innocad sind keine neutralen Hüllen, sie bieten den Bewohnern eine jeweils sehr spezifische Atmosphäre. Zwischen regelrecht "trashig" und edel, aber immer als Antwort auf die Rahmenbedingungen, zu denen auch eine hohe städtebauliche Verantwortung zählt. Nur auf eines werden die alle im Jahr 1972 geborenen Partner des Büros Innocad auch in Zukunft gerne verzichten: Starkult in jeder Form ist ihnen suspekt. Darin liegt die Brücke zu vielen anderen österreichischen Architekten der jüngeren Generation, die sich von Prix, Domenig & Co emanzipieren, indem sie darauf verzichten, mit dem Kopf voran durch die Wand gehen zu wollen.