A-Z
Mein BauNetz
RSS NEWSLETTER

http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Abriss_an_der_Topographie_des_Terrors_in_Berlin_-_mit_Kommentar_der_Redaktion_18377.html

27.10.2004

Mangel an Mühe

Abriss an der Topographie des Terrors in Berlin - mit Kommentar der Redaktion


Am 28. Oktober 2004 wird in Berlin mit dem Abriss der Treppentürme von Peter Zumthors (Graubünden) „Topographie des Terrors“ begonnen (BauNetz-Meldung von 26. 5. 2004). Die Abrissarbeiten werden voraussichtlich vier Wochen dauern.
Der Berliner Senat hat im Einvernehmen mit dem Architekten eine Aufhebung seines Vertrages formuliert, die dieser noch unterzeichnen will.

Am 26. Oktober 2004 bot die Akademie der Künste Berlin (AdK) ihrem Mitglied Zumthor Gelegenheit, zum Entwurf und dem Abriss Stellung zu nehmen (BauNetz-Meldung vom 8. 10. 2004). Die Veranstaltung, an deren Anfang der Autor und Künstler Urs Jaeggi für einen „Hungerstreik vor dem Bundeskanzleramt für die Rettung des Zumthor-Entwurfs“ warb, vermittelte den Teilnehmern einen lebendigen Eindruck von dem elfjährigen Ringen um das Projekt.


Kommentar der BauNetz-Redaktion:

Man mag vom Entwurf Peter Zumthors für das Gebäude der Topographie des Terrors zu Recht begeistert sein - nach der Veranstaltung mit dem Architekten in der AdK kann man den Beschluss des Bauherrn, sich von Peter Zumthor zu trennen, dennoch verstehen: Der Architekt erwies sich - wie seine Präsentation verdeutlichte - als nicht in der Lage, in angemessener Zeit eine baubare Planung seines eigenen Entwurfs zu entwickeln.

Zumthor hatte jahrelang an einer Konstruktion seines „Stabwerks“ festgehalten, die nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch überdimensioniert und klobig war: Hunderte Vierendeel-Träger mit steifen Knotenverbindungen sollten die Decken des Gebäudes tragen. Erst nach Jahren und auf stetiges Drängen der Bauherren fand der Architekt in Zusammenarbeit mit einem Statiker eine verblüffend einfache - und ästhetisch auch ihn selbst viel überzeugendere - Lösung: die Verbindung der Stäbe über einen simplen Stahlbetonbalken (BauNetz-Meldung vom 20. 8. 2003).

Ein anderes wichtiges Leitdetail - Einsatz und Verbindung der Glasscheiben mit dem Stabwerk - wurde letztlich gar nicht von Zumthor selbst, sondern - ebenfalls erst nach Jahren - von „einem Fassadenplaner“ (Zumthor) gelöst, an den der Architekt die Planung schließlich weitergegeben hatte.

Der im Frühjahr 2004 zurückgetretene Vorsitzende der Stiftung Topographie des Terrors, Reinhard Rürup, der sich bis zuletzt für den Entwurf Zumthors eingesetzt hatte (BauNetz-Meldung vom 8. 5. 2000), machte auch darauf aufmerksam, dass die von Zumthor als „Gefängnis- oder Folterzellen“ bezeichneten Kellerräume, die außerhalb des Gebäudes markiert werden sollten, gar keine solchen Zellen waren: „Gefoltert wurde in den Obergeschossen“ (Rürup).
Das ist für einen Ort verheerend, an dem es um Authentizität geht - wie gerade Zumthor immer wieder betont (sein Konzept steht hauptsächlich für die „Erinnerung mittels der Dinge“, über die Materie, in denen Geschichte gespeichert ist) - und um Aufklärung, wie die Stiftung es fordert.

Dem Zuhörer der Veranstaltung drängte sich der Eindruck einer gewissen Nachlässigkeit des Architekten auf, eines „Mangels an Mühe“, der sich in solchen „Ungenauigkeiten“ widerspiegelt.
Es scheint so, dass es für den Architekten von Anfang an nicht so wichtig gewesen sei, seinen Entwurf so gut, so kostengünstig und so schnell wie möglich bauen zu können. Am wichtigsten schien Zumthor vielmehr immer der Hinweis darauf zu sein, dass Berlin etwas verliere, wenn „ein Zumthor“ hier nicht errichtet wird - auch wenn er selbst das nie so direkt aussprechen würde.

Cordula Vielhauer


Kommentare:
Meldung kommentieren



Zumthors Entwurf für Berlin

Zumthors Entwurf für Berlin





Architektenprofile
Junk & Reich Architekten
Rechtsprechung
Alles was Recht ist
Designlines
Schattenspiele
Campus Masters
Die Neuen sind da!
BauNetz Wissen
Lernen hinter Verblendern