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08.03.2016

Erstarrter Flügelschlag

Über Calatravas Station am Ground Zero


Als Santiago Calatrava (New York, Doha, Zürich) 2004 seinen Entwurf für die Haupthalle eines U-Bahnhofes am leeren Ground Zero vorstellte, fiel Lob von allen Seiten auf ihn herab. An eine Taube sollte die Konstruktion erinnern – an eine, die soeben aus den Händen eines Kindes davonfliegt und die Flügel weit aufschlägt. Diese reichlich kitschige Metapher schien bei den New Yorkern damals genau richtig, um die Leere nach dem elften September am Ground Zero mit einem Symbol der Hoffnung zu füllen. Der Entwurf reflektiere die „höchsten Bestrebungen der Nation“, lautete damals das hochtrabende Urteil von New York Times-Architekturkritiker Michael Kimmelman. 

Nun, über zehn Jahre später, steht die Taube tatsächlich. Vergangene Woche ist der skulpturale Bau, dessen Flügel aus Stahlrippen bis 51 Meter in die Höhe schlagen, eröffnet worden. Allerdings mussten der Taube die Flügel etwas gekappt werden und auch sonst soll Calatrava zu einigen Abstrichen gezwungen gewesen sein, denn die World Trade Center PATH-Station war durch die Kostenexplosion von zwei auf letztlich fast vier Milliarden Dollar und die langjährige Bauverzögerung in die Kritik geraten. Dennoch erstreckt sich der kühne, für Calatrava so typisch sphärische Bau an der Church Street. Er ist eine Bahnstation, öffentlicher Platz und ein Einkaufszentrum zugleich. Mehrere U-Bahnlinien und die Port Authority Trans-Hudson-Bahn kreuzen sich hier.

Die freistehende Struktur bildet im Zentrum eine gebogene, elliptische Form – den Oculus. Er ist auf Straßenebene 100 Meter lang und 35 Meter breit, bei einer Höhe bis zu 30 Metern und über zwei Zugänge im Osten und Westen erreichbar. Von einer Eingangshalle führen Glaszylinder-Fahrstühle in ein niedriges Geschoss, das Upper Concourse Level, in dem der elliptische Innenraum seine vollen Maße von ungefähr 120 Meter Länge und 65 Metern Breite erreicht.

Darunter befindet sich der Concourse Level. Dies ist das wichtigste Stockwerk mit Geschäftszeilen und Zugängen zur Bahn und zum anliegenden Brookfield Place. In dieser unteren Halle inszeniert Calatrava einen besonders effektvollen, säulenfreien Blick auf einen Lichtspalt in der 48 Meter hohen Decke. An keinen geringeren Motiven als dem Pantheon oder den Flügeln eines Cherubim will sich Calatrava bei dieser Deckenkonstruktion orientiert haben. Nachts sollen durch diese Öffnung Lichtsäulen in Manhattans Himmel projiziert werden. Man muss schon sagen: In Calatravas gefühlsduseliger Spektakelhaftigkeit steckt auch Mut. (sj)

Fotos: Port Authority of New York and New Jersey


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