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09.04.2015

Camouflage

Zoo von Tschumi in Paris


Zoos sind ein ethisches Debattierfeld, auch in der Architektur. Mensch und Tier kommen hier zusammen. Doch es ist der Mensch, der für das Tier eine künstliche Umgebung schafft und sich gleichsam von ihm distanziert. Bernard Tschumi meint, dass eine Trennung zwischen den zwei Sphären nicht sein darf. Für den Parc Zoologique in Paris hat er eine Architektur entworfen, die beide verbinden soll. 



Schon 1934, als dieser Pariser Tiergarten gegründet wurde, war er innovativ. Die Tiere sollten nicht in Käfigen hausen, sondern in artgerechten Gehegen. Und die Exotik ihrer Herkunft wurde mit künstlichen Felsen aus Beton auch in die Architektur umgesetzt. Bernard Tschumi hat mit Véronique Descharrieres nun für den Pariser Zoo ein großes Tropenhaus, den Eingangsbereich, eine Anzahl an kleinen Volièren und zwei große Tiergehege gebaut. 



Bretterwände schlägt Tschumi als verbindende Architektur zwischen Tieren und Besuchern vor – eine simple Lösung für ein recht hoch gegriffenes Ideal. Die dynamisch komponierten Holzstrukturen ziehen sich über das gesamte Gelände des Zoos. Auf ein schmiedeeisernes Stahlgerüst sind die einzelnen Holzlatten in unregelmäßigen Abständen appliziert. Das verleiht ihnen eine improvisierte, primitivistische Ästhetik. 



Diese Bretter, die sowohl als Verkleidung von Gebäuden – dem Giraffenhaus etwa – wie auch als Umzäunung der Gehege und Wegweiser eingesetzt werden, bezeichnet Tschumi als „Camouflage“. Sie sind unabhängig von den Kernvolumen der Gehege, die Tschumi im Falle des Giraffenhauses etwa aus einem isolierten Wellblech konstruiert hat.

Tetraederförmige Pavillone aus Leichtmetall und Maschendrahtzaun sind über den Parc Zoologique verteilt. Erneut wird die gleiche Architektur für Besucher und Tier verwandt: Einige Pavillone bieten Logis fürs Publikum, andere sind Volièren oder Gehegeumfriedungen. Wer hier schließlich im Käfig sitzt, bleibt unklar.

Auch den Eingangsbereich des Zoos entwarfen Tschumi Architects aus dieser simplen Konstruktion. Gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Atelier Jacqueline Osty et Associes hat das Büro diese Metallkonstruktionen bepflanzt. Dichte Ranken sollen sie in Zukunft überwuchern. 

Einzig das Tropenhaus fällt aus der Reihe, weder Pflanze noch Holzverschlag, sondern eine große, glatte Glaskuppel, getragen von Stahlträgern und Pfetten aus Aluminium. Die Verbindung von Mensch und Tier hat schließlich auch ihre Grenzen. (sj)

Fotos: Iwan Baan, Véronique Descharrières (Bernard Tschumi Architects)


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