Anbau an Barock
Wohnhausumbau in Oppenheim
Von außen betrachtet steht hier zunächst ein schlichter Neubau neben einem barocken Wohnhaus, im Inneren denkt man an Pfefferminzbonbons. Der Frankfurter Architekt Dirk Miguel Schluppkotten hat in der Stadt Oppenheim ein denkmalgeschütztes barockes Gartenhaus umgebaut und erweitert.
Der Bestand hat Geschichte. Ursprünglich als Gartenhaus des kurpfälzischen Landschreibers vor den Mauern der Stadt errichtet, wurde der Bau erst Anfang des 20. Jahrhundert von der Siedlungsentwicklung eingeholt. „Dieses barocke Kleinod hat im Lauf der Zeit eine ganze Reihe unterschiedlicher Nutzungen und umfangreiche bauliche Veränderungen erfahren“, erzählt der Architekt. „Ausgehend von der punktsymmetrischen Anlage des Ursprungsbaus aus der Zeit nach 1772 überführt eine erste Erweiterung zu Wohnzwecken das Gebäude um 1920 elegant in eine axialsymmetrische Komposition. Nach dem zweiten Weltkrieg aber erfolgt eine weitaus weniger subtile Umnutzung des Anwesens zur Küferei“.
Dieser nachträglich errichtete direkte Anbau von Sanitärräumen, Küche und Eingang auf der Nordseite negiere die Grundstruktur des Bestands völlig und störe dessen Lesbarkeit, meint der Architekt. Außerdem haben weitere Umnutzungen und fehlende Instandhaltung das Gebäude in den folgenden Jahrzehnten mehr und mehr verfallen lassen, so Schluppkotten. Seine Bauherren wollten deshalb einerseits den barocken Gebäudeteil bei gleichzeitiger Nutzung der gesamten Anlage zu Wohnzwecken wiederherstellen, andererseits die Anbauten aus den 1950er Jahren rückbauen. Die Denkmalpflege unterstütze das Vorhaben.
Durch eine sogenannte „Verschlankung des grenzständigen Volumens“ hat Schluppkotten den Erweiterungsbau überformt und vereinheitlicht – es sollte „ein neutraler Hintergrund für den Protagonisten“ werden. Raumfolgen, Material und Details bestimmen das Innere, die pastellige Farbpalette passt sich unaufgeregt an die Fassade des barocken „Schlösschens“ an. Durch gezielt platzierte Öffnungen setzt der Architekt Altbau, Garten sowie die gegenüberliegende, unter Ensembleschutz stehende Häuserreihe in Szene.
Für seinen Umbau wurde Dirk Miguel Schluppkotten mit einer Anerkennung beim BDA Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2015 ausgezeichnet.
Fotos: Stefan Müller
mit so einem so großen bauvolumen umzugehen, ohne den bestand zu erschlagen ist sicherlich nicht einfach. der respekt vor dem altbau war wohl zu groß...schade!
Ein wenig zu viel Reduktion? Ich schließe mich "Akki" an. Manchmal ist weniger nicht mehr sondern eben nichts. Man kann es lange drehen und verakademisieren. Aus meiner Sicht ist der Kaiser nackt.
wem`s gefällt, bitteschön. Nur manchmal ist weniger eben gar nicht mehr, sondern einfach nur weniger. Die flächenbündigen Fenster in der grauen Wärmedämmverbundverfassade sehen einfach nur billig aus. Selbst das barocke Gebäude ist -zumindest äusserlich- einer Misgestaltung hinsichtlich der überarbeiteten Farben und Flächen zum Opfer gefallen. Natürlich kennen wir die üblichen Arch-Argumente bis zum abwinken hinsichtlich Reduktion, Respekt vor dem Bestand, "unaufgeregtes" Einfügen, blablabla... Schön wäre doch in so einem Fall eine Erweiterung im eigentlichen Wortsinne, im Sinne einer stimmigen Gesamtanlage. Respekt ist für mich, eine Gestaltung fortzuführen, meinetwegen mit leichten modernen Anklängen. Dieses hier ist jedoch ein mislungener Versuch moderne Architektur zu zeigen. Das hätte jeder xy-Bauträger auch nicht wesentlich schlimmer gemacht. Mag sein, dass dies hier "zeitgemäss" ist und unsere heutige Kultur ausdrückt, nur, insbesondere im Angesicht der barocken Nachbarschaft, welche Kultur ist uns da noch geblieben ??? In Holland und Italien geht man inzwischen wesentlich lockerer mit solchen Themen um...
Gut erkannt! https://www.pinterest.com/pin/422423640023138638/