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09.03.2017

Asymmetrie und Höflichkeit

Wohnhaus von Avenier Cornejo in Paris


Mehr als 30 Jahre lang beherbergte die Nummer 179 in der Pariser Rue Saint-Maur die im Viertel allseits bekannte „Nine Billiards“-Bar – bis das Gebäude schließlich aufgrund seines desolaten Zustandes abgerissen wurde. Die so entstandene Lücke füllt nun ein Wohnhaus von Avenier Cornejo Architectes (Paris), die mit ihrem Entwurf den 2011 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus ausgeschriebenen Wettbewerb gewannen.

Die Rue Saint-Maur – eine direkte Verbindung zwischen dem populären Canal Saint-Martin im 10. Arrondissement und dem nicht minder beliebten Viertel Belleville im 11. Arrondissement – weist das für Paris typische Gepräge des Faubourgs, der historischen Vorstadt, auf. Ihre bauliche Zusammensetzung gleicht einem urbanen Flickenteppich, dicht an dicht und in bunter Mischung bevölkern Gebäude unterschiedlichster Erscheinung und Bauhöhe die enge und lebhafte Straße.

Avenier Cornejo haben ihren kompakten, sechsgeschossigen Neubau auf elegante und  – wie sie selbst sagen – „höfliche“ Weise in dieses Gefüge integriert. Die minimalistisch schlichte Front aus dezent eingefärbtem Beton verhält sich ihrer Umgebung gegenüber tatsächlich sehr zurückhaltend. Zugleich sticht der Baukörper mit seiner außergewöhnlichen, asymmetrischen Silhouette subtil aus dem Straßenbild hervor – ein Bezug auf die für die Pariser Altbauten typische,  leicht schräge Dachgeschossform, die hier auf originelle Weise neu interpretiert wurde: Zwei diagonale Linien durchschneiden die Fassade und teilen sie so in verschieden gewinkelte und farblich changierende Abschnitte. Darüber hinaus stellen sie eine optische Verbindung zwischen den Dächern der beiden sehr unterschiedlichen Nachbargebäude her und vermitteln auf diese Weise zwischen diesen: ein Fünfgeschosser in der klassischen Bauweise des Faubourgs und ein zweigeschossiges, pittoreskes Stadthaus. Dieses wird von der Nordwestfassade des Neubaus weit überragt. Hier setzt sich dessen Asymmetrie mit unterschiedlich großen, frei verspringenden Fenstern fort.


Auch das Innere der 14 Wohnungen, die als Sozialwohnungen vergeben werden, überrascht mit Details wie gekurvten Wänden, kleinen quadratischen und großen schaukastenartigen Fenstern (eines davon sogar über Eck angelegt), einer Loggia mit Oberlicht im Dachgeschoss und faltbaren Fensterläden aus Holz an der Südfassade. Ungewöhnlich ist jedoch vor allem die Entscheidung, die Küchen und Wohnzimmer zum ruhigen, begrünten Innenhof, die Schlafzimmer dagegen zur quirligen Straße hin anzuordnen. Der Grund dafür bleibt unklar, aber auf diese Weise gehen die gartenseitigen Loggien, über die alle Apartments verfügen, direkt von der Küche ab. Hier entstanden intime Rückzugsorte mit Blick ins Grüne, die sich bestens dafür eignen, den morgendlichen Kaffee in aller Ruhe einzunehmen – und das ist in Paris vielleicht wichtiger als eine ungestörte Nachtruhe. (da)

Fotos: Schnepp Renou


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