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03.03.2016

Grüne Kacheln gründen tief

Wohnhaus in Lissabon umgebaut


Die Wertschätzung alter Bauten muss keine Verkitschung vergangener Zeiten bedeuten – ihr Erhalt ist nicht immer Nostalgie. Im Lissaboner Stadtteil Belém haben Guilherme Bivar und Marta Pavão von Colectivo CAIS (Lissabon) ein Wohnhaus für eine Familie fertiggestellt, das gleich zwei Bestandsbauten in seine Architektur integriert. Ein eingeschossiges Geschäftshaus, das in einen engen Straßenblock gefügt ist, und die Ruine eines Lagerhauses im Hinterhof waren die Ausgangslage dieses Umbaus. Sehr klar setzen Bivar und Pavão Bestand und Neubau in Kontrast, betonen traditionelle Elemente, schützen Substanzen und verknüpfen sie zugleich mit einem ganz neuen, eigenständigen Wohnraum.

Die Topografie des Grundstücks ist kompliziert: Es steigt zwischen dem Vorderhaus und den hinteren Überresten des Lagerhauses an. Die Architekten entschieden sich, das Vorderhaus zum Hof zu erweitern und um eine Etage aufzustocken. Schräg wie ein Satteldach steigt das neue Geschoss außen an der Straßenfront an. Seine klassische Ziegelverkleidung harmoniert mit der restaurierten Fassade, die in Lissaboner Tradition mit Keramikkacheln verkleidet ist, tiefgrünen Kacheln. Zum Hof hingegen bleibt das Dach flach, wo sich der Neubau zeitgenössisch und als weiß verputzter Kubus mit großen Fensterausschnitten ausbildet.

Das Besondere dieses Umbaus von Bivar und Pavão ist der Innenraum. Diesen haben sie längs in zwei Bereiche gesplittet: In dem einen zieht sich über die ganze Länge und neue Höhe des Baus ein offenes Wohnzimmer, in dem anderen organisierten die Architekten hintereinander Küche, Bad und Eingangsbereich. Das großzügige Wohnzimmer mit seinen doppelgeschossigen Fenstern und einer angehobenen Ebene zum Garten ist zudem der Erschließungsraum. Von ihm aus führen eine freie Treppe und eine Galerie zu den Schlafzimmern für Eltern und Kinder im oberen Stockwerk. Die Formate der podestartigen Anhebung im Wohnzimmer spiegelnd, ragen Wand und Boden eines der oberen Schlafzimmer wie ein herausbrechender Quader in den zweigeschossigen Salon hinein.

Schon im Innenraum ist das Podest aus Beton, außen setzt es sich als betonierte Terrasse visuell fort. Die Ruine des alten Lagerhauses haben Bivar und Pavão  gestärkt und als freie Struktur im Garten inszeniert. Das ruft den Vergleich mit dem englischen Landschaftsgarten wach: Was einst die romantischen Tempelfragmente in angelegten Parkanlagen waren, sind jetzt wohl die Überreste eines Industriebaus in der innerstädtischen Hofstruktur. Dieser nostalgische Schwenk sei den Architekten bei dem gelungenen Projekt verziehen. (sj)

Fotos: Francisco Nogueira


Zum Thema:

Weiterbauen: Vom neuen Bauen im Bestand handelt die Baunetzwoche#439



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