Museum der Bayrischen Geschichte
Wettbewerb in Regensburg entschieden
Der Eröffnungstermin steht bereits: Am 27. Mai 2018 – pünktlich zum 100. Jahrestag der Bayerischen Verfassung – soll das Museum der Bayrischen Geschichte in Regensburg eröffnet werden. Jetzt steht auch fest, wie der Neubau am Donaumarkt aussehen wird: Ende April wurde nach der dritten Jurysitzung der offene Wettbewerb entschieden; vergangenen Mittwoch gab der Auslober das Ergebnis bekannt: Die Jury, in der u.a. die Architekten Elke Delugan-Meissl, Volker Staab und Josef Peter Meier-Scupin (Vorsitz) saßen, wählte aus 254 eingereichten Arbeiten fünf Preise und vier Anerkennungen:
- 1. Preis: woernerundpartner planungsgesellschaft, Frankfurt am Main
- 2. Preis: Architekten Pernthaler, Graz
- 3. Preis: Reinhard Bauer Architekten, München
- 4. Preis: BUBE / Daniela Bergmann, Rotterdam / Vukoja Goldfinger Architekten, Zürich / Dotter + Payer Architekten, Regensburg
- 5. Preis: Gerber Architekten GmbH, Dortmund
Anerkennungen:
- Mauro Turin Architectes, Lausanne
- Florian Krieger – Architektur und Städtebau, Darmstadt
- Architekturbüro 1, Linz
- Pichler & Traupmann Architekten, Wien
Einen Museumsneubau an prominenter Stelle am Donauufer innerhalb des UNESCO-Weltkulturerbes Altstadt Regensburg zu entwerfen, war eine keine leichte Wettbewerbsaufgabe – und für die Jury auch keine leichte Entscheidung. Das Preisgericht lobt den Siegerentwurf von woernerundpartner vor allem für sein städtebauliches Konzept, die ehemalige Lage des Hunnenplatzes und der Eschergasse im Gebäude wieder aufleben zu lassen. „Das gebäudehohe Foyer verbindet als innenliegender ‚Hunnenplatz‘ durch seine transparente Gestaltung die Altstadt- mit der Donauseite und nimmt klar ordnend die vertikale und horizontale Erschließung des Gebäudekomplexes auf.“
Sehr gut gelungen sei außerdem der Zugang von der Donauseite: „Durch die eingezogene Fassade werden Innen- und Außenraum gut miteinander verwoben.“ Besonders positiv wird die Hinwendung zur Donau gesehen „mit der Möglichkeit, den Außenbereich in die Museumsnutzung einzubeziehen“.
Die Höhenentwicklung orientiert sich am Maßstab der donauseitigen Bebauung – „der kreative Umgang mit dem Thema ‚geneigtes Dach‘ bewirkt eine differenzierte und spannungsreiche, jedoch unaufgeregte Dachlandschaft“, so die Jury. Insgesamt habe der Beitrag die hohen Qualitäten aus Städtebau und Architektur auch in der Überarbeitungsphase bestätigt. Das Preisgericht ist der Auffassung, dass unter Beibehaltung der kontextuellen Qualitäten des Entwurfs eine stärkere Prägnanz im Stadtbild zu erreichen ist.
Hans Schaidinger, Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. „Für uns waren drei Aspekte wichtig: Der Entwurf musste ein überzeugendes Museumskonzept widerspiegeln, ein qualitätsvolles Gebäude zeigen und deutlich machen, dass sich das Museum städtebaulich in die Umgebung einfügt.“ Da alle Kriterien erfüllt seien, räumt Schaidinger dem Entwurf hohe Realisierungschancen ein.
Alle Wettbewerbsbeiträge sind noch bis zum 24. Mai 2013 im ehemaligen Möbelhaus Wagner, Benzstraße 1, Regensburg, zu sehen.
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Diese Arroganz vieler moderner Architekten ist zugegebenermaßen nur möglich, weil sich kurzsichtige Provinzpolitiker und Verwaltungsrepräsentanten von ihnen blenden lassen, um ihrerseits den Anschein zu erwecken auf der Höhe der Zeit zu sein. Dass man sich 'aufgrund der gelungenen Auseinandersetzung mit dem städtebaulichen Kontext der Stadt Regensburg' für diesen belanglosen Kasten entschieden hat, klingt geradezu zynisch! Meines Erachtens ein Fall für die Aberkennung des Welterbestatus...
unter allen preisträgern befindet sich im grunde nicht eine arbeit, die städtebaulich noch kleinteiliger auf die umgebung reagiert. das hätte eine virtuose dachlandschaft sein können (zum beispiel a la Nieto Sobejano). der erste preis scheint dies versucht zu haben, jedoch letztendlich ist auch hier für meine Begriffe das zusammenhängende volumen recht gross. Den 2. Preis kann ich erst gar nicht nachvollziehen, der scheint mit näheren umgebung nichts gemein zu haben. Den 3. Preis fand ich spontan städtebaulich (solitär) am besten von allen entwürfen (jedoch missfällt mir die weitere formensprache komplett). der 4. Preis ist EINDEUTIG ein Verweis auf das Kolumba Museum, da kann man diskutieren wie man will (man achte auf die Texturen, die bündigen Fenster etc pp); Der 5. preis ist - obwohl man den versuch mit der dachlandschaft erkennt - zu grossteilig. Von den Anerkennungen sticht für mich noch der Entwurf von Florian Krüger heraus, alle anderen sind städtebaulich fast nicht tragbar, weil eben der Maßstab nicht zu stimmen scheint. Ergo: schade, dass ich nicht die ausstellung gesehen habe. mich hätte wahrlich interessiert, ob da nicht SENSIBLERE entwürfe zu sehen waren. Schaut man sich einfach die ganze situation auf google earth an, spricht sehr sehr viel für eine diverse dachlandschaft; jedoch wenig für ein flachdach..............
Ich habe gehört, daß, wenn man oft bei fastfoodketten isst, sich die geschmacksnerven darauf einstellen und man verlernt, subtile nuancen bei gewürzen wahrzunehmen. dies scheint sich bei der bewertung von entwürfen in diesem forum ähnliich zu verhalten.