Lernlandschaft in Skelettstruktur
Wettbewerb in Berlin entschieden
Die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher weiß, was sie in ihrer Rolle zu sagen hat. Eine „mutige und zukunftsweisende Entscheidung" habe die Jury getroffen. Grund der bekundeten Begeisterung ist das Ergebnis eines nichtoffenen Wettbewerbs, den die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt um den Neubau einer Berufsfachschule für Sozialwesen in Berlin-Charlottenburg ausgelobt hat. Die Jury unter dem Vorsitz von Bettina Götz entschied sich dafür, den Entwurf eines Solitär zu prämieren, eingereicht von den Berliner Architekten Bruno Fioretti Marquez.
Folgende Preise wurden vergeben:
Auszeichnungen:
- 1. Preis: Bruno Fioretti Marquez Architekten (Berlin)
- 2. Preis: rüdenauer-architektur (Stuttgart)
- 3. Preis: Behnisch Architekten (Stuttgart)
- 4. Preis: Numrich Albrecht Klumpp (Berlin)
- Glass Kramer Löbbert (Berlin)
- AFF Architekten (Berlin)
Wegen ihrer ungeeigneten Grundrisse und dem schlechten Zustand ihrer baulichen Substanz sollen die Bestandsbauten auf dem Grundstück am Halemweg – ein Gebäudekomplex aus Anna-Freud-Schule und der Poelchau-Oberschule von 1978 – sukzessive abgerissen werden. Teil der Ausschreibung war daher auch eine Restrukturierung des Grundstücks sowie eine städtebauliche Eingliederung des Neubaus in die moderne Stadtstruktur der umliegenden 1960er Jahre Wohnbauten. Nach der Tabula rasa-artig Beseitigung der Bestandsbauten, sollen auf dem Grundstück neben der neuen Schule zukünftig auch eine Dreifachsporthalle mit Außenanlagen und kommunale Wohnungsbauten realisiert werden, die es bei dem Entwurf zu berücksichtigen galt.
Bruno Fioretti Marquez konzipieren nun einen Solitär, der städtebaulich und strukturell die Charakteristika des seriellen, standardisierten Wohnungsbau der Umgebung – und letztendlich auch des Bestandsbaus – referenziert. Mit einer radikalen Reduktion auf ein rationales Raumgerüst, in dessen rigiden Rahmen der Bau eine größtmögliche Flexibilität verspricht, konnten sich die Architekten gegen 15 weitere Entwürfe im Wettbewerb durchsetzen.
Die fünfgeschossige Stahlbetonskelettstruktur mit ihren offenen Galerien und transparenten Trennwänden – eine Raumkonfiguration, die laut Jurybericht eine „einladende, transparente, kommunikative Atmosphäre“ ausstrahlt – birgt durch ihre Rohbauhaftigkeit Möglichkeiten der Aneignung. „Offene Lernlandschaften“ – der Bestseller im zeitgenössischen Schulbau – wurden auch im Bau von Bruno Fioretti Marquez vom Preisgericht gelobt. Grundrisse sind innerhalb der Struktur zukünftig leicht zu modifizieren, sich in den nächsten Jahrzehnten verändernde Arbeitsweisen der Schüler und Lehrer können so leicht adaptiert werden. (df)
Ich bin gespannt, wieviel Licht noch im Foyer ankommt. Über die zu erwartende Akustik mag auch kein Sichtbeton hinwegtäuschen. Was das von Fink und Jocher entliehene Brüstungsdetail mit dem Maschendrahtzaun angeht, wäre ich als Schüler etwas genervt, immer dagegen schauen zu müssen. Aber die anderen Entwürfe sind in der Tat auch nicht besser, stadträumlich vielleicht am Ehesten noch Behnisch, durch das Geschwubbel mag er dann doch nicht überzeugen.
Gratulation an eine mutige Jury, die eben nicht den Einheitsbrei mit Klinkerfassade und Fensterbändern oder die hippen schrägen Wände gewürdigt hat, sondern das strukturell beste Konzept mit der dazu passenden Architektursprache. Und das auch noch in Berlin. Es geht voran...
Toll der erste Preis! Radikale Einfachheit. Auch diejenigen haben es irgendwie geschafft, heute an einem nichtoffenem Wettbewerb mitzumachen ;) Warum sollte man auch für eine Lernlandschaft einen riesen Papierkramm veranstalten und 1000 Vorschläge bekommen? Papierkramm gibt es genug.
Und schaut was da rauskommt. Die alte Box mit Atrium. Leider heist es überall das bei WBs die Fassade keine Rolle spielt, es geht nur um eine städtebauliche Lösung die funktional nachgewiesen werden muss. Ja und so sieht das dann auch aus, die alten Schul-Streifenfassaden werden dann einfach rumgewickelt und das wars.
Kann mir das mal jemand erklären?