Staab Architekten erweitern Haus der Wannsee-Konferenz
Wettbewerb in Berlin entschieden
Es ist ein besonderer Ort, ein „einzigartiger“ vielleicht sogar. Als solchen bezeichnet ihn zumindest das Museumsportal Berlin. Die Villencolonie Alsen am Großen Wannsee entstand von 1870 bis ca. 1914 – hier ließ sich das Großbürgertum Berlins in kostspieligen Residenzen nieder. Doch trägt die Colonie auch ein düsteres Erbe. In einem ihrer Bauten fand am 20. Januar 1942 die Wannseekonferenz statt, jene Zusammenkunft hochrangiger Vertreter des NS-Regimes, bei der die Deportation und Ermordung der europäischen Juden entschieden wurde. Seit 1992 ist die Villa Marlier als Haus der Wannsee-Konferenz eine Gedenk- und Bildungsstätte.
Im Frühjahr dieses Jahres lobte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt einen Wettbewerb zur Erweiterung des Hauses der Wannsee-Konferenz aus. Für ihr Bildungsangebot benötigt die Gedenkstätte mit stetig steigender Besucherzahl neue Räumlichkeiten.
Sieben Büros aus Spanien, Deutschland und Österreich – von einem Auswahlgremium aus 183 Bewerbern zur Teilnahme am Wettbewerb ausgewählt – wurden schließlich mit der schwierigen Aufgabe betraut, für diesen denkmalgeschützten Ort mit dunkler Geschichte ein ästhetisch angemessenes Gebäude zu entwerfen. Eigenständig sollte der Neubau mit einer Nutzfläche von ca. 390 Quadratmetern werden und sich zugleich mit seinem Umfeld auseinandersetzen.
Die Jury unter Vorsitz von Florian Nagler vergab schließlich folgende Platzierungen:
- 1. Preis: Staab Architekten, Berlin
- 2. Preis: Brückner & Brückner Architekten GmbH, Tirschenreuth
- 3. Preis: Marte.Marte Architekten ZT GmbH, Weiler (Österreich)
Wie auch ihre Wettbewerbskonkurrenten Brückner & Brückner schlagen Staab Architekten in ihrem Gewinnerentwurf für die Erweiterung der Gedenkstätte einen niedrigen Pavillonbau vor. In ihrer Materialwahl bleiben sie schlicht. Sie beschränken sich auf Sichtbeton und Glas. Auf der Gartenseite plant das Berliner Büro eine durchfensterte Galerie, über die sich ein geschwungenes Dach legt. Die ebenerdige Galerie soll zugleich der Erschließungsweg für die Seminarräume sein.
Staabs Entwurf „ordnet sich der Höhenentwicklung der Bestandsgebäude unter und nimmt sich durch seine liegende Proportion zurück“, lobt die Jury. „In seiner Dimensionierung“ ist er zudem „wohl gelungen“. Das Preiskomitee empfiehlt, den Siegerentwurf zu realisieren. Baubeginn soll nächstes Jahr sein. (sj)
Der Umstand, dass die Finalisten in Helsinki nicht unbedingt überzeugten, liegt nicht am Verfahren sondern an der Jury. Bei einer so großen Teilnehmerzahl kann man davon ausgehen, dass beinahe jede erdenkliche Möglichkeit eingereicht wurde. Wenn dann diese Finalisten ausgewählt wurden, so spiegelt sich in der Wahl die Vorstellung der Jury von guter Architektur und nicht unbedingt die Qualität aller Beiträge. Diese Entscheidung, auch wenn sie nicht jedermanns Sache ist, gilt es ersteinmal zu respektieren, da sie einen demokratischen Prozess abbildet. Daraus abzuleiten, dass ein beschränkter Wettbewerb zu "besseren" Ergebnissen führen würde, ist genauso vermessen wie anmaßend und zeugt von einer fatalistischen Geisteshaltung, die letztlich von der Einsicht geprägt ist, dass man es selbst nicht besser machen könnte.
Zu den vorgesellten Arbeiten: Ich glaube (wie auch Lars) nicht, dass einen hier ein Höllenschlund anblicken muss. Wem, spätestens, beim Besuch des Ortes nicht auch so bewusst wird, um was es hier geht, ist kaum zu helfen. Ferner habe ich mit gebauten „Schlünden“; so meine Probleme, sie verleiten nämlich dazu das Böse zu mystifizieren und als etwas externes, bestialisches zu verklären. Fakt ist aber, dass Täter keine Dämonen der Hölle waren, sondern durchschnittliche (Eichmann) oder teilweise auch „kultivierte“ (Heydrich) Männer gewesen sind. Auf die großbürgerliche Villa mit einem ruhigen Entwurf zu reagieren ist hier angebracht. Die Happy-Family-Renderings von Marte.Marte fand ich in der Tat auch schwierig, den Entwurf an sich sehe ich jedoch ganz klar auf dem ersten Platz, die einfache, ruhige Form sitzt gut an ihrem Platz und die Proportionen scheinen auch zu stimmen. Was ich bei den Skandal-Schreiern hier nicht so recht verstehe ist allerdings, dass niemand hier das Wort gegen den zweitplatzierten Entwurf erhebt. Wenn man hier einen Skandal ausrufen wollen würde, dann wäre es jener zweite Platz. Einen Ruhmestempel irgendwo zwischen Walhalla und Münchener Ehrentempel https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/99/Bundesarchiv_Bild_183-S22310%2C_M%C3%BCnchen%2C_K%C3%B6nigsplatz%2C_Ehrentempel.jpg Vorzuschlagen ist bestenfalls geschichtsvergessen. Dass dieser Entwurf auch noch auf dem zweiten Platz landet ist ein weiteres Zeichen, für den um sich greifenden Konservativismus in unserem Land; der ausbleibende Furor scheinbar auch. Traurig.
Ich kann auch bei Brückner+Brückner und MarteMarte nun wirklich nicht erkennen, dass hier nur die üblichen Verdächtigen eingeladen wurden. Natürlich wäre es wünschenswert, dass hier auch noch drei völlig Unbekannte zusätzlich die Chance bekommen, sich mit überzeugenden Ideen durchzusetzen - so wie Herr Staab damals den Wettbewerb in Nürnberg gewonnen und danach sein Büro gegründet hat. Aber vor allem: die Qualität der Entwürfe und des Verfahrens ließe sich ja diskutieren, wenn nicht die Qualität der Kommentare hier einmal mehr keine Grenzen (nach unten) kennt. 1. Ist es eklig, den Teilnehmern vorzuwerfen sie würden den ort nicht kennen, hätten die Ausstellung noch nie besucht etc. etc. Es ist völlig unvorstellbar, dass irgend ein Architekt bei einem solchen WB sich nicht zuvor mit der Sache auseinander setzt. Die Vorwürfe hier im Forum sind ebenso unsachlich wie unbewiesen und dazu noch wenig originell. 2. Die Diskussion, wie eine Gedenkstätte aussehen könnte, ist zum Glück um Längen weiter als man es hier im Forum denken könnte. Belehrend pädagogische Architektur bei der sich ein "Höllenschlund" auftun soll, damit nur ja kein Besucher auf die Idee kommen könnte sich seine eigenen Gedanken zu machen, gehört (ein Glück) der VErgangenheit an. Zwar wird noch immer vor allem knirschender Kies, rostender Stahl und brutaler Beton verwendet, aber meistens doch für kluge, nachdenkliche und relativ neutrale Gebäude wie im KZ Dachau (Nagler), Bergen-Belsen (KSP), oder auch beim Stasi-Knast Hohenschönhausen (HG Merz) --- da kann ich den Staab-Entwurf hier durchaus in derselben Reihe sehen. Klagen über das Budget sollten sich dagegen nie an den Architekten richten, wie die Forumsmitglieder hier ja wissen sollten. Also bitte: vor dem Jammern über die Ungerechtigkeit der WElt und die Qualität der Kollegen, einmal kurz über die eigene Qualität nachdenken. Dann würden die Diskussionen hier vielleicht Spaß machen.