274 Entwürfe, sechs Gewinner
Wettbewerb für Wien Museum Neu entschieden
Wien will bauen: Vergangene Woche wurde der Wettbewerb für die Erweiterung des denkmalgeschützten Wien Museums von Oswald Haerdtl entschieden. 2007 hatte die akute Raumnot im 1959 eröffneten Museumsgebäude zu einer ersten Machbarkeitsstudie für eine mögliche Erweiterung geführt – die Entscheidung, dass Wien Museum am Karlsplatz durch einen Neubau zu erweitern, fiel 2013.
Die Jury, in der neben dem Juryvorsitzenden Emmanuel Christ unter anderen die Architekten Bernardo Bader, Elke Delugan-Meissl und Günter Zamp-Kelp saßen, vergab an sechs der 14 Entwürfe aus der zweiten Phase für das „Wien Museum Neu“ drei Preise und drei Anerkennungen. Gewonnen hat ein österreichisches Team, der zweite Preis geht an Berliner Architekten, die Pyramide eines Zürcher Büros erhielt einen dritten Preis und zwei Büros aus Wien und eins aus Zürich bekamen eine Anerkennung:
- 1. Preis: Winkler + Ruck Architekten, Klagenfurt, mit Ferdinand Certov, Graz
- 2. Preis: Kim Nalleweg Architekten, Berlin
- 3. Preis: Ilg Santer Architekten, Zürich
- Anerkennung: Juri Troy Architects, Wien
- Anerkennung: Fiechter & Salzmann Architekten, Zürich
- Anerkennung: Querkraft Architekten, Wien
Der Siegerentwurf habe das große Potential, „durch feinfühlige Detaillösungen eine insgesamt selbstbewusste Haltung für das Wien Museum am Karlsplatz zu schaffen“, lobt das Preisgericht. Winkler + Ruck Architekten und Ferdinand Certov wollen einen klassisch modernen Pavillon mit geschlossener Fassade auf das Dach des Haerdtl-Pavillons setzen. Nach Einschätzung der Jury sei die Proportionierung gelungen gelöst und schaffe ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bestand und Neubau. Der Zwischenraum soll als transparente Fuge inszeniert werden.
„Die Idee ist einfach und einprägsam – und überzeugend gelöst“, meint Jurypräsident Emanuel Christ. „In einer zeitlichen ,Stapelung’ wird der denkmalgeschützte Baukörper des Haerdtl-Gebäudes um eine ,lichte Stirn’ ergänzt. Von dort aus, von der Terrasse des Wien-Raums, die wie eine transparente Fuge zwischen Alt und Neu inszeniert ist, hat man einen Panoramablick über den Karlsplatz und über weite Teile der Stadt. Als Besucher nimmt man unweigerlich eine Perspektive in der Schwebe ein und kann auf alles, was man vom Wien Museum aus erblickt, zurückblicken. Das Wien Museum tritt buchstäblich in einen offenen Dialog mit der Stadt. Eine so schöne wie funktionell sinnvolle gestalterische Geste.“
Bei dem Wettbewerb für das „Wien Museum Neu“ hatten in der ersten Phase 274 Büros aus 26 Ländern teilgenommen, darunter u.a. internationale Büros wie Foster + Partners, Zaha Hadid Architects, Sou Fujimoto, Kengo Kuma, Snøhetta, Plasma Studio, ALA Architects aus Helsinki, die Wiener Büros ARTEC, heri&salli, Wolfgang Tschapeller, PPAG, pool und Caramel Architekten, Dietrich | Untertrifaller Architekten aus Bregenz. 117 Wettbewerbseinreichungen kamen aus Österreich, 50 aus Deutschland: u.a. von Kuehn Malvezzi, Gerber Architekten, Hascher Jehle, Bez + Kock Architekten und Stephan Braunfels.
Unter die 14 Büros der zweiten Phase schafften es u.a. Heine Mildner Architekten aus Dresden, die Zürcher Büros gus wüstemann architects und burkhalter sumi architekten, TREUSCH architecture aus Wien und CUKROWICZ NACHBAUR ARCHITEKTEN aus Bregenz.
Spatenstich soll 2017 sein, die Eröffnung des Museum ist für 2020 geplant.
Für Modellfans: Eine Ausstellung zeigt noch bis zum 7. Februar 2016 alle 274 eingereichten Entwürfe im Wien Museum am Karlsplatz – der Eintritt ist frei.
Alle 274 Entwürfe finden Sie auch online unter: www.phase1.de
es sieht aus, als könnten sie nicht schwimmen und kämen ab und an kurz nochmal hoch zum luftschnappen
glückwunsch, max! gruß aus hamburg
bezeichnend, dass so etwas in einer stadt wie wien mit einer in teilen immer noch sehr lebendigen planungskultur passiert. möglicherweise waren auch die auslobungsbedingungen besser formuliert und weiterhin hat man wohl gut daran getan, nicht wieder die üblichen verdächtigen von vorneherein als gesetzt teilnehmer festzulegen... ferner wurde augenscheinlich schon am anfang auf qualität und heterogenität gesetzt, nämlich beim auswählen der jury. an diesem ganzen wettbewerb hier so scheint es, kann sich jede halbwegs prominente auslobung in deutschland mal ein beispiel nehmen und im speziellen bei prominenten öffentlichen aufgaben wie einem museum (wofür sich zwischen ahrenshoop, berlin, münster, hohenschwangau oder dresden aus unerfindlichen gründen hierzulande ohne überragende qualität oder kreativität zu beweisen immer übliche verdächtige durchsetzen, was dann vielleicht nie schlecht aber auch leider selten gut ist). nachdem es neulich ein manifest in der bauwelt zur reform des wettbewerbswesens gab (s. bauwelt 34/2015), das einige brauchbare ansätze enthielt, zeigt sich an so einem ergebnis hier, dass es das solche reformen nur in teilen bräuchte, wenn es eine vernünftige jury gibt. man möge sich die besetzungen aus den letzten jahren in deutschland wie z.b. beim verfahren zur sanierung der hedwigskathedrale in berlin aus dem letzten jahr ansehen und kann sich - miserable auslobungsbedingungen hin oder her - auch so denken, worin ein kern des übels im wettbewerbswesen liegt...