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20.06.2011

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Das sicherste Archiv Europas

Wettbewerb für Stadtarchiv in Köln entschieden


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Bereits sechs Monate nach dem tragischen Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009 hatte der Stadtrat beschlossen, für 86 Millionen Euro einen Neubau am Eifelwall in der südlichen Neustadt zu errichten und in diesem das Historische Archiv mit der Kunst- und Museumsbibliothek zusammenzufassen. Insgesamt soll an dem neuen Standort also ein Gebäude mit etwa 30.000 Quadratmetern BGF entstehen, etwa zwei Drittel der davon entfällt auf das Archiv und ein Drittel auf die Bibliotheken – eine Tiefgarage sollte optional vorgesehen werden.

Gestern hat die Jury unter Vorsitz von Carlo Weber (weitere Preisrichter: Vittorio Lampugnani, HG Merz, Jan Störmer, Eberhard Wimmer u.a.) nun das Ergebnis bekannt gegeben. Unter 40 eingereichten Arbeiten wurden fünf Preise und fünf Anerkennungen vergeben:


Fünf Anerkennungen (je 10.000 Euro) gingen an Gottfried Böhm (Köln), Stanton Williams (London), Paul Bretz (Luxemburg), Max Dudler (Berlin) und gmp Generalplanungsgesellschaft (Aachen).

Gesucht wurde laut Ausschreibung ein „einladendes, offenes und gleichzeitig hochfunktionales Haus im Niedrigenergiestandard“. Gleichzeitig hatte sich die Stadt aber auch zum Ziel gesetzt, so Oberbürgermeister Roters am gestrigen Sonntag, „das sicherste und modernste Archiv Europas zu errichten. Ich bin zuversichtlich, dass wir dies jetzt auch erreichen werden.“

Aus der Erläuterung der Architekten: „In der Mitte des Neubaus befindet sich als ‚Schatzhaus‘, in der Höhe hervorgehoben, das große mehrgeschossige Magazin des Kölner Stadtarchivs. In der deutlich niedrigeren, umfassenden Bebauung sind Werkstätten und Verwaltungsräume des Archivs und der Bibliotheken untergebracht.
Das lichtdurchflutete Foyer des Hauses öffnet sich großzügig zum Vorplatz an der Luxemburger Straße. Über eine einladende Treppenrampe sind von hier über eine mehrgeschossige Halle die Lesesäle des historischen Archivs und der Kunst- und Museumsbibliothek im 1. OG zu erreichen. Weitere Publikumsräume, Ausstellungsflächen und ein Vortragssaal liegen zwischen der Innenhalle und dem baumbestandenen Innenhof. Ein weiterer kleinerer Innenhof befindet sich westlich des Magazinkerns.

Die vorgeschlagene edle Baubronze als Fassadenmaterial unterstreicht die besonderen Werte, die sich im Gebäude befinden. Gegenüber der Wohnbebauung am Eifelwall wird ein wohlproportionierter Straßenraum geschaffen, der insbesondere davon profitiert, dass die Traufhöhe der gegenüberliegenden Bebauung nicht überschritten wird.“

Es sind wohl vor allem die funktionalen Vorzüge und die geschickte Anordnung des Raumprogramms gewesen, die den Ausschlag zugunsten der Erstplatzierten gegeben haben; die Stadt hatte ausdrücklich gefordert, dass die verschiedenen Nutzungen jeweils eigenständig zu nutzen sind, aber dennoch eine gemeinsame „Adresse“ formulieren. „Höchste Anforderungen“ hätten zudem die baulichen und klimatischen Ansprüche gestellt – denn die 90 Prozent der Archivmaterialien, die aus den Trümmern des alten Gebäudes gerettet werden konnten, sollen nun in besonders sicheren Regalen und Planschränken vor „Umwelteinflüssen, Vandalismus, Diebstahl und Naturkatastrophen“ bewahrt werden, was zu einem „beträchtlichen Gewicht“ der Magazinflächen führt.

Bis 2015 soll der Neubau fertig gestellt sein.

Ausstellung mit allen Wettbewerbsarbeiten: 21. Juni bis 5. Juli 2011, Mo+Mi 8-16 Uhr, Di+Fr 8-18 Uhr, Do 8-20 Uhr sowie Sa+So 11-18 Uhr
Ort: Kölner Rathaus, Lichthof im Spanischen Bau, Rathausplatz 1, 50667 Köln

Diskussion: Montag, 27. Juni 2011, 19.30-21.30 Uhr
Das BDA-Montagsgespräch widmet sich dem Wettbewerbsergebnis. Baudezernent Bernd Streitberger wird die Aufgabenstellung erläutern und die Preisträger präsentieren. Anschließend findet eine Diskussion mit Streitberger, den künftigen Nutzern sowie Jurypräsident Carlo Weber statt.
Ort: Domforum, Domkloster 3, 50667 Köln


Zum Thema:

www.bda-koeln.de

www.stadt-koeln.de


Kommentare

11

Andrea Palladio| 22.06.2011 13:23 Uhr

@Lars

Interessant finde ich hier den Vergleich mit Bjarke Ingels als Gegenentwurf. Ich glaube nämlich, dass dieser Wettbewerbsgewinner und BIG gar nicht so weit voneinander entfernt liegen. Die Methodik von BIG liegt doch gerade darin, beim möglichst Naheliegendsten anzufangen und dieses dann nach – mehr oder weniger – nachvollziehbaren Kriterien zu verändern, ob das jetzt Sonneneinwurf, Höhenbeschränkungen, Nutzerwünsche oder Ähnliches wäre. So gesehen würde BIG vielleicht einfach nur einen Schritt weiter gehen, aber an der grundsätzlichen Haltung, einen Körper als möglichst eigenständiges Objekt zu behandeln, nichts ändern.

Das Problem beginnt doch darin, ob man einen Bau als ein einzelnes Objekt oder als Zusammenfügung mehrerer Volumen, also als Komposition begreift. Leider scheint es mir so, als ob die 1. Methode nur für Bauten einer gewissen Grösse anwendbar ist. Das Auge ist eben nicht in der Lage, bei zu grossen Häusern noch das – eigentlich gewollte – Objekt zu erkennen. Und so verliert es sich in endlosen, monotonen Fassadenfluchten.

Wohlgemerkt: dieser Vorschlag ist nicht per se langweilig. Es kann vielleicht sogar, wohl ausfeführt, eine gewisse Qualität haben. Aber er vollzieht, wie praktisch alle Einsender, ein grandioses Missverständnis in der Behandlung des Masstabes.

10

lars| 21.06.2011 20:39 Uhr

auffälligkeit kann auch beliebig sein

wie mans macht, macht mans falsch. auffällige selbstdarsteller ala bjarke ingels kriegen hier immer aufs loch, weil sie sich nicht auf den kontext einlassen und alle aufmerksamkeit nur für sich haben wollen. biedere unauffällige wie dieser hier (was NICHT synonym ist für schlechte architektur, liebe bild-fassaden-fetischisten!) kriegen dann genauso aufs dach, weil sie eben angeblich zu unauffällig seien. gute architektur kann auch auf den zweiten blick erst gut sein. ich glaube überhaupt nicht, dass sich hier niemand für den inhalt begeistern kann, ihc kann auch keine scheußlichkeiten entdecken. im gegenteil. wenn dieser entwurf gut oder besser: sehr gut ausgeführt wird, dann kann das ein starker, funktionaler, räumlich überzeugendes gebäude werden. die innenraumperspektive ist recht vielversprechend, die positionierung der innenhöfe gefällt mir ausgesprochen gut – sie bricht das volumen von innen her angenehm auf. vielleicht so etwas wie chipperfields folkwang? auf gehts!

9

Lamaa| 21.06.2011 18:52 Uhr

klarer Entwurf

Ach, ich finde den Entwurf gar nicht so schlecht.
Klarer Entwurfsgedanke, bodenständige Fassade und eine Kostenexplosionen muss man auch nicht fürchten.
Auf die Umsetzung bin ich gespannt, ohne vernünftige Details ist jedes Gebäude nur halb so interessant.
Zum Komentar 8 möchte ich noch etwas hinzufügen.
Beschränkte Wettbewerbe, egal in welcher Form finde ich nicht gut und unehrlich. Bei Wettbewerben sollte jeder mitmachen dürfen, wer möchte. Ob jung oder alt, groß oder klein, letzt endlich sollte die beste Idee gewinnen.

Allen Lesern noch einen schönen Abend,
Grüße vom Lamaa

8

staunmeier| 21.06.2011 13:59 Uhr

U40

wie sähe es denn mal aus mit ´nem wettbewerb für nur junge büros. U40! und das büro darf nicht mehr als zwei mitarbeiter haben. dann säh das alles hier ganz anders aus. oder die jury U40. aber auf sowas kommt ja keiner, weil alle ihre besitzstände waren wollen. armes wettbewerbswesen.

7

richarch| 21.06.2011 12:10 Uhr

kreativität

da fehlt mir die kreativität und der bezug zur vergangenen geschichte des Stadtarchivs. Wo sind all die Ideen hin, der Studenten, die sich die letzten Jahre mit diesem Thema beschäftigt haben?! Untergegangen in einem eher unscheinbaren Gebäude. Die Vergangenheit ruhen lassen und kein Aufsehen erregen.

6

d. baumeister| 21.06.2011 11:33 Uhr

wettbewerbe erzeugen anscheinend doch meist mittelmäßigkeit

Und wieder einmal wird da ein potthässlicher Klotz in die Landschaft gesetzt. Haben heutige Architekten eigentlich zu viele Quadrate, rechte Winkel und "Baubronze" zum Frühstück gegessen?

Die Folge wird sein (meine Vorhersage): niemand interessiert sich für das häßliche Gebäude, geschweige denn seinen Inhalt -> Ziel verfehlt.

Warum müssen solche Bauwerke immer geradezu um einen Preis in größtmöglicher Scheußlichkeit ringen???

5

Hein Mück| 21.06.2011 10:55 Uhr

zum Kommentar 3

vielen Dank für diesen Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Andererseits ist man schon froh, daß mal andere Preisträger in Erscheinung treten, als
die ansonsten üblichen Verdächtigen.

4

copypaste| 21.06.2011 10:33 Uhr

...alles nur geklaut...

Der Waechter-Entwurf gleicht bis ins Detail dem Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf aus den 70er-Jahren, ein Entwurf des Staatshochbauamtes Düsseldorf. Muss ja nicht schlecht sein, aber neu und einzigartig eben auch nicht. Als Architekt wäre mir die Gleichheit eher peinlich. Und Jurymitglieder sollten in einem zu bewertenden Typus so informiert sein, dass sie die Gleichheit erkennen.

3

Ex-Kölner| 20.06.2011 17:03 Uhr

Och Nööö!

Noch langweiliger geht's ja wohl nicht. Diese faden, einförmigen Entwürfe haben wir doch alle schon zig-mal gesehen, bei allen möglichen x-beliebigen Wettbewerben.
Irgendwelche Qualitäten mögen die sicherlich haben, aber irgendwie scheint es absurd, dass immer der gleiche Mist bei solchen Wettbewerben rauskommt. Mutlosigkeit scheint hier das leitende Motto zu sein.
Bester Beweis dass Wettbewerbe keine Qualität fördern sondern nur dämliches Mittelmass.

2

captain ahab| 20.06.2011 17:01 Uhr

neue staatsanwaltschaft köln

lieber carlo, einladend und offen ist doch irgendwie anders...solide sieht das ding schon aus...wie ´ne staaatsanwaltschaft oder so... von den gezeigten beiträgen m. e. der beste, die architekten der gezeigten beiträge haben teilweise wirklich mit kreativität gegeizt, na dann

1

port| 20.06.2011 15:48 Uhr

findet

sieht so aus als hätte der solideste gewonnen.
haut mich zwar nicht vom hocker, überzeugt aber deutlich mehr als die anderen preisträger!

hätte da nicht noch etwas mehr kommen können?

 
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