Frappierend einfach
Wettbewerb für Justizzentrum Bochum entschieden
Bochum, neben der traditionsreichen Brauerei Moritz Fiege: Dort, wo heute noch das denkmalgeschützte Gebäude des Gymnasiums am Ostring inmitten von Brachflächen steht, sollen künftig ein neues Justizzentrum und verwandte Büronutzungen entstehen. Die Nutzer des Justizzentrums werden das Amtsgericht, das Landgericht, das Arbeitsgericht, die Staatsanwaltschaft sowie der ambulante soziale Dienst sein. Das Schulgebäude soll umgenutzt und einbezogen werden. – Hierzu wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, dessen Jury unter Vorsitz von Wolfgang Döring am Freitag, 28. November, folgende Preisträger kürte:
1. Preis: Hascher + Jehle Planungsgesellschaft mbH, Berlin
2. Preis: Gerber Architekten, Prof. Eckhard Gerber, Dortmund
3. Preis: von Gerkan, Marg und Partner, Prof. Meinhard von Gerkan, Nikolaus Goetze, Hamburg
4. Preis: Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten, Edzard Schultz, Berlin
5. Preis: APB. Architekten BDA Wilkens Grossmann-Hensel Schneider, Günter Wilkens, Hamburg
6. Preis: pbr Planungsbüro Rohling AG, Heinz Eustrup, Osnabrück, mit
Karin Meyer Architekten BDA, Braunschweig
Ankauf: HPP Hentrich - Petschnigg & Partner, Joachim H. Faust, Düsseldorf
Aus dem Juryprotokoll zum ersten Preis: „Frappierend einfach integriert der Entwurf das bestehende Schulgebäude in eine zweibündige Mäanderfigur, die eine schlüssige Raumbildung um ein gläsernes Atrium mit den Gerichtssälen und einen großzügigen grünen Hof schafft.
Hierbei entsteht eine gute Zugängigkeit und Ablesbarkeit für den öffentlichen Gerichtsteil um das Atrium und die anschließenden höhengestaffelten Gebäude der Gerichte. Auch in der Höhenlage des Eingangsbereiches wird der Bedeutung des Gerichtes grundsätzlich Rechnung getragen. Die interne Funktionalität ist gut gegeben, die Orientierung für Besucher und Mitarbeiter ist einfach und plausibel.
Etwas schematisch ist der Fassadenausdruck gestaltet, der in seiner Gebäudekörperrhythmisierung aber eine hohe Qualität verspricht.
Durch den sparsamen Flächenverbrauch für das Justizzentrum bleibt eine große Fläche für Zusatznutzungen, die richtig im rückwärtigen Grundstücksbereich platziert sind. So zeigt sich das Gericht mit seinem Hauptgebäude präsent zur Stadt und bildet ein selbstbewusstes Pendant zum Schulgebäude, das zwar solitär stehen bleibt, aber dennoch in das Gesamtgefüge integriert wird.
Insgesamt gelingt dem Beitrag ein sowohl sparsamer als räumlich anspruchsvoller und funktional gut gelöster Beitrag zur Umsetzung des neuen Justizzentrums in Bochum.“
Die Arbeiten sind noch bis zum 15. Dezember, täglich 14-18 Uhr, in der Hochschule Bochum, Blue Box, Lennershofstraße 62, 44801 Bochum, zu sehen.
Kuben über Kuben. Fassaden zum Verwechseln ähnlich. Belanglosigkeit in Beton und Glas. Genuis Loci ade. Diese Entwürfe könnten überall stehen. In Berlin, Hamburg oder Wanne-Eikel. Traurig, traurig! Himmelb(l)aus Pamphlet war nie so aktuell wie heute. >Architektur muss brennen<
es ist wirklich nicht leicht, die "entwürfe" auseinanderzuhalten. nur gut, dass beim schlosswettbewerb die fassade vorgegeben war. die eine seite sieht zwar so ähnlich aus, aber damit kann der "altbau" leben. diese projekte zeigen wieder einmal sehr gut, was passiert "wenn die modernen architekten ihre visionen verwirklichen".
nicht nur die liste der (prämierten) teilnehmer zeigt, das wir am ende des deutschen wettbewerbswesens angekommen sind: landesweit laufen bewerbungs- und verhandlungsverfahren, schön könnte man meinen. im rahmen der teilnehmerauswahl entscheiden aber ausschließlich rankingpunkte, gebaute referenzen und die zahl der büromitarbeiter über eine mögliche teilnahme. die qualität der ergebnisse zeigt durchgehend kalkulierte belanglosigkeit - gab es denn im rahmen der ausschreibung eine vorgabe schießschartenartige fassaden in allen gebäudeteilen zu gestalten? die entwürfe bewegen sich in einem leblosen, einheitlichen gestaltkanon, was die aufteilung der fassaden, wie auch deren visualisierungen angeht. im "offenen" berliner schlosswettbewerb war die fassadengestaltung gleich eine klare vorgabe und diese tatsache wurde von unzähligen "modernen" architekten beklagt. in diesem wettbewerbsergebnis sieht man die frappierende fantasielosigkeit der gleichen kollegen, die für sich eine freie fassadengestaltung beanspruchen. gibt es einen ausweg aus dieser gestaltungskrise?