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01.11.2017

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Glaskoloss hinterm Ostbahnhof

Wettbewerb Konzerthaus München – mit Kommentar


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Von Gregor Harbusch


Der wichtigste deutsche Wettbewerb des Jahres ist entschieden. Das neue Konzerthaus München am Ostbahnhof sollen Cukrowicz Nachbaur aus Bregenz bauen. Vergangenen Freitag kürte das Preisgericht den Entwurf eines vergleichsweise kleinen und jungen Büros, das mit dem Vorarlberger Landesmuseum bekannt wurde. Zur Entscheidung kann man der bayerischen Landeshauptstadt, die nicht unbedingt für gewagte Architektur bekannt ist, aus mehreren Gründen gratulieren.
 
31 Büros hatten am Wettbewerb teilgenommen. Sechs internationale Schwergewichte – von denen keines einen Preis errang – waren gesetzt. Die anderen 25 Büros waren durch einen Teilnehmerwettbewerb gefunden worden, bei dem vier Plätze für „Berufsanfänger und kleinere Büros“ reserviert waren. Als Auslober fungiert das Staatliche Bauamt München 1. Die Jurysitzung war um fünf Monate verzögert worden, da StephanBraunfels nicht zugelassen worden war, wogegen dieser sich – letztlich erfolglos – vor Gericht wehrte. 

Aufgabe war der Entwurf eines Konzerthauses mit einer Nutzfläche von circa 9.500 Quadratmetern. Ein großer Saal mit 1.800 Sitzplätzen und ein kleiner mit 600 Plätzen bilden den Kern des Raumprogramms. Hinzu kommen Räume für die Hochschule für Musik und das Theater München, darunter ein Aufführungsort, die sogenannte Werkstatt, mit Platz für ungefähr 200 Zuschauer.

Das 25-köpfige Preisgericht unter Vorsitz von Arno Lederer (Stuttgart) war prominent besetzt. Fachpreisrichter waren unter anderem Markus Allmann (München), BIG-Partner Kai-Uwe Bergmann (New York/Kopenhagen), Finn Geipel (Paris), Harry Gugger (Basel) und Ulrike Lauber (München) sowie Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Sie vergaben fünf Preise und vier Anerkennungen.

  • 1. Preis: Cukrowicz Nachbaur Architekten (Bregenz)

  • 2. Preis: PFP Planungs GmbH (Hamburg)

  • 3. Preis: David Chipperfield Architects (Berlin)

  • 4. Preis: 3XN AS (Kopenhagen)

  • 5. Preis: Staab Architekten (Berlin)

  • Anerkennung: Henning Larsen Architects (Kopenhagen)

  • Anerkennung: Zaha Hadid Architects (London)

  • Anerkennung: Mecanoo (Delft)

  • Anerkennung: Christ & Gantenbein (Basel)

Der siegreiche Entwurf stehe „in fast archaischer Gebäudeform kraftvoll und prägnant im heterogenen Umfeld“, urteilte die Jury. Das Haus habe „nur Vorderseiten“ und könne nachts zu einem „schimmernden Leuchtkörper“ werden, der weit in den Stadtraum hinausstrahlt. Dies liegt auch daran, dass Cukrowicz Nachbaur die Baumasse 45 Meter hoch auftürmten – 19 Meter mehr als der Bebauungsplan erlaubt. Durch das „Zurückweichen der Baumasse“ sei dies jedoch kein Problem, ist sich die Jury sicher. Die Fassade ist als „Ganzglas-Vorhangfassade als zweite Haut mit einer dahinterliegenden ganz einfachen, wärmegedämmten Stahlbetonkonstruktion“ konzipiert.

Auch die innere Organisation überzeugte die Jury. Die klare Zonierung, die „sehr einladenden und attraktiven“ Foyerbereiche auf allen Ebenen sowie die gleichwertige Behandlung von öffentlicher Zone und Backstagebereich wurden gelobt. Den Besuchern ist der nach Nordwesten orientierte Bereich vor den zentral angeordneten Sälen vorbehalten, Musiker und Verwaltung haben ihre Räume hinter den Sälen. Der kleine Saal im Erdgeschoss ist als Schuhschachtel konzipiert, der große Saal liegt darüber und erstreckt sich bis in das siebte Obergeschoss. Er ist als „weichgeformte Schachtel“ mit drei Rängen geplant und hat ein „sehr hohes akustisches Potential“.

Kuben, Zikkurat, Tuch, Plenarbereich

Am Projekt von PFP (2. Preis) gefiel der Jury die „skulpturale Expressivität“, die sich aus der Anordnung der Funktionen ergibt: „Gestaffelte Einzelkuben unterschiedlicher Größe und geschossübergreifende Lufträume verschmelzen Innen- und Außenräume und gewährleisten attraktive Blickverbindungen.“ Ein Clou des Projekts – an dem vor allem die „Dimensionierung und Funktionalität“ des großen Saals bemängelt wurde – ist die Anordnung von kleinem Saal und Werkstatt. Beide öffnen sich mit doppelt gedämmten Fenstern nach außen.

Einen architektonisch geradezu konträren Weg schlugen David Chipperfield Architects ein (3. Preis). Sie entwarfen eine langgestreckte Zikkurat mit langen Außenrampen, die ein Flanieren der Besucher vom Vorplatz bis zum obersten Geschoss ermöglicht hätten. Der kleine Saal ganz oben ist laut Jury ein „Schmankerl“ mit „Rundumblick“. Die Fassaden sind als eng stehende, hohe Stützenreihen in Beton konzipiert. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem „umgestülpten Ding“ und seiner „irgendwie doch einladenden“ Begehbarkeit und verstand den Entwurf als Versprechen zukünftiger Urbanität. Die Brauchbarkeit des großen Saals stellte sie aber „nachdrücklich in Frage“.

Eine Fassade, die wie ein „geworfenes Tuch“ wirkt, bescheinigte die Jury dem Entwurf von 3XN AS (4. Preis). Das „einzigartige Erlebnis“ der Fassade werde durch den interessanten Haupteingang verstärkt. Doch im Inneren begannen für die Preisrichter die Probleme. Durch die grundsätzlich sinnvolle Anordnung der drei Spielstätten auf einer Ebene würden „gravierende Schwierigkeiten“ im Foyerbereich entstehen, wo mit einer „extremen Ballung“ der Besucherströme zu rechnen sei. Als Manko wurde außerdem die Anordnung des Haupteingangs gesehen, der sich Wohnbauten und einer Schule zuwendet.

Das Projekt von Staab Architekten (5. Preis) orientiert sich in Form und Struktur an der industriellen Geschichte der Umgebung und verarbeitet diese ästhetisch. Die Jury konstatierte dem Projekt „Zurückhaltung“ und einen „aus den konstruktiven Absichten resultierenden Ausdruck“. Von der städtebaulichen Setzung des vergleichsweise schmalen Baukörpers waren die Preisrichter überzeugt, doch die Schlankheit hat ihren Preis im Inneren, wo die Jury in funktionaler Hinsicht „erhebliche Einschränkungen“ ausmachte. Die Idee der Architekten, den großen Saal auf der Erdgeschossebene durch Glasflächen mit dem Foyer zu verbinden, wurde kontrovers diskutiert, die „rationale  Anmutung“ des Saals erinnerte die Preisrichter an einen „Plenarbereich“.

Wo bauen?

15 Jahre lang war darüber gestritten worden, ob München ein neues Konzerthaus benötigt, das in erster Linie als Sitz des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks fungieren wird – und wo dieses neue Haus stehen soll, ob in repräsentativer Innenstadtlage oder als städtebaulicher Impulsgeber. Das BR-Symphonieorchester zählt zu den 20 besten Orchestern der Welt, besitzt aber bis heute kein eigenes Haus, das seinem künstlerischen Rang entspricht. Bisherige Spielstätten sind der Herkulessaal in der Residenz und der Gasteig, ein wuchtiger Klotz aus den Achtzigerjahren, der es trotz seiner architektonischen Originalität momentan sehr schwer hat in der Münchner Stadtöffentlichkeit. Sogar über einen Abriss des multifunktionalen Kulturzentrums wurde eine Zeit lang fabuliert, nun wird es aber doch saniert.
 
Gegen Ende drehte sich der Streit vor allem um den künftigen Standort im sogenannten Werksviertel hinter dem Ostbahnhof. Das Wörtchen „hinter“ deutet einen der Kritikpunkte an, denn jenseits des Ostbahnhofes fängt selbst für alteingesessene Münchner ein gesichtsloses Niemandsland an. Mit der Einrichtung des Kunstparks Ost in den Neunzigerjahren rückten die ehemaligen Produktionsanlagen erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit. Clubs, Bars, Ateliers und Flohmärkte lockten auf das Gelände. In der Wahrnehmung blieb das Areal ein Ort der Alternativkultur: nett, interessant, doch durch die Gleisanlagen des Ostbahnhofs sauber abgerückt von der gründerzeitlichen Stadtstruktur.
 
Gottfried Knapp bringt es in der Süddeutschen Zeitung polemisch auf den Punkt, wenn er schreibt, dass das neue Haus nur „über enge Tunnel erreichbar, also psychologisch weiterhin brutal von der Stadt abgehängt“ ist. Dieser Ist-Zustand ist richtig, aber mit dem Neubau verbindet sich eben die große Hoffnung, dass sich dies ändern wird. Er soll ein echter Leuchtturm werden und dem umliegenden Areal – das momentan mit dem üblichen Nutzungsmix aus Wohnen und Arbeiten entwickelt wird – großstädtischen Glanz verleihen.

Keine Frage: Mit ihrem gläsernen Koloss haben Cukrowicz Nachbaur einen echten Coup gelandet. Mit 45 Metern ist das Haus 19 Meter höher als es der Bebauungsplan erlaubt. Doch der Entwurf reckt sich nicht nur in die Höhe, er bietet auch fast 50 Prozent mehr Bruttogeschossfläche als vorgesehen. Für die Jury war beides kein Problem, denn ein städtebaulicher Akzent war mehr als gewünscht und die zusätzlich angebotenen Flächen überzeugten die Preisrichter in jeder Hinsicht.
 
In planungsrechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht ist die Sache kniffliger, wie Christian Krügel in der Süddeutschen Zeitung detailliert darlegt. Die verantwortlichen Lokalpolitiker hatten bereits in der Jury klargemacht, dass eine Ausnahmegenehmigung wegen der Höhe machbar sein sollte. Schwieriger wurde es bei der BGF, denn dieser Aspekt verweist direkt auf eine finanzpolitische Crux. Das Konzerthaus entsteht auf privatem Grund. Der Erbpachtvertrag sieht eine jährliche Pacht von happigen 600.000 Euro pro Jahr vor, die durch die zusätzlichen Flächen noch weiter gestiegen wäre. Grundbesitzer Werner Eckart erklärte sich allerdings noch während der Jurysitzung dazu bereit, die Pachtkosten zu deckeln.

Kommentar

Indem sie die Planungsparameter radikal überschritten, zeigt sich das richtige Gespür der Vorarlberger für den gewünschten Leuchtturmcharakter des Neubaus. Und die Politker in der Jury haben sich mit ihrer Entscheidung ganz offensichtlich bereit erklärt, planungspolitisch den Weg zu ebnen. Fast lehrbuchartig kommen politischer und architektonischer Gestaltungswille in der ungewöhnlichen Form des Hauses auf sinnfällige Weise zur Deckung.

Der Entwurf ist einerseits eine prägnante Großform, andererseits frei von spektakulären Gesten. Eine originelle Grundform, voll verglast, auf einen dunklen Sockel gesetzt – mehr braucht es nicht. Gerade deshalb wird der Entwurf nicht nur für Laien zur Projektionsfläche. Die Form changiert zwischen Vertrautem und Fremdem, zwischen Abstraktion und Bildhaftigkeit. Ist es ein Schiff, eine Kathedrale, ein Gewächshaus oder eine Scheune, wie Gottfried Knapp in der Süddeutschen mit Blick auf Herzog & de Meurons Entwurf für das Museum des 20. Jahrhunderts am Berliner Kulturforum assoziiert? Auf jeden Fall ist es, wie auch beim Berliner Wettbewerb, eine einfach lesbare architektonische Primärform, die städtischen Raum neu deuten beziehungsweise erschließen soll.

Neben der Akustik der Säle – für die ein eigener Wettbewerb ausgeschrieben werden soll – wird die Transparenz der Glasfassade den weiteren Planungsverlauf herausfordern. Das ist auch der Jury bewusst, die von einem „Versprechen auf Offenheit, Leichtigkeit und Transparenz“ spricht und explizit die Frage in den Raum stellt, ob dieses „so eingelöst werden kann“. Unklar sei erstens, ob die doppelte Fassade wirklich als offen wahrgenommen werde und zweitens, inwiefern die Nachtwirkung tatsächlich zu überzeugen weiß. Hier sei noch viel zu tun, denn die „viel zu reduzierte Darstellung ohne jede Andeutung von Haptik und Anmutung“ sei bisher nicht ausreichend. Es wäre mehr als bedauerlich, wenn sich in einigen Jahren bei der Eröffnung des vielversprechenden Hauses zeigen würde, dass es doch nur ein Image war, das die Jury verführt hat.


Zum Thema:

Alle Wettbewerbsarbeiten werden bis Sonntag, 26. November 2017 in der White Box in der Atelierstraße 18 gezeigt Die Ausstellung ist täglich 10–18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Informationen zu allen Arbeiten finden sich auf der Webseite zum Bauprojekt Konzerthaus München.


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Kommentare

18

Eva H | 06.11.2017 10:49 Uhr

Kommunikation ist alles

Der Wettbewerb ist ein Lehrstück für die Macht der Bilder. Klickt man die immer gleichen Bilder in den zahlreichen Veröffentlichungen durch, entsteht tatsächlich der Eindruck, dass nur diese eine Lösung akzeptabel für den Standort und das gewünschte Stück Stadtreparatur ist. Keine Frage, ich halte den Entwurf von cukrowicz+nachbaur für einen verdienten ersten Preis, weil die Idee stimmig und das Büro so herrlich unaufgeregt ist.
Es empfiehlt sich trotzdem, die laufende Ausstellung zu besuchen. Zum Einen weil diese direkt neben dem Baugrundstück liegt und man sofort die gequetschte Lage zwischen Pseudo-Industriedenkmälern, Grundschule und Lebensmittelgroßmarkt erkennt und dem mutigen Vorstoß von Herzog de Meuron, einen neuen Zugang zum Ostbahnhof unter Abriss zweier bestehende Bauten (eines davon gesichtslose Architektur im Bau und ein 80er Jahre Postmoderne-Verschnitt, der eh leer zu stehen scheint) zu schaffen, sofort zustimmen muss...
Und zum Anderen, weil die Betrachtung der 35 Arbeiten eine weit größere Vielfalt zeigt, als in den Medien zu sehen. Es gibt ganze 3 Pyramiden, auch mehrere gestapelte Konzertsäle usw. die Unterschiede in der Qualität der Ausarbeitung liegen erschreckend weit auseinander, bei vielen Arbeiten fragt man sich, ob die Entwerfer jemals persönlich vor Ort waren?
Auch die gesteuerte Auswahl der Bilder, die den Medien zur Verfügung gestellt wurden, erschreckt. David Chipperfields vielfach zitiertes Säulengewitter bei Nacht zeigt die unglückliche Hand bei der Auswahl - die Qualität des Entwurfs wird erst durch das Modell und die vielen feinen weiteren farbig sehr dezenten Perspektiven sichtbar. So sieht es auch bei vielen anderen Entwürfen aus. Aber das ist in der Kurzfassung schwer zu vermitteln und das politische Ergebnis ist bei diesem Wettbewerb wohl höher anzusetzen als die Architekturqualität.

17

uha | 04.11.2017 00:13 Uhr

Preisträger und Preisentwicklung

1. Ich halte den Beitrag von Cukrowicz / Nachbaur für den verdienten Gewinner des Architektenwettbewerbes zum Konzerthaus.

2. Ich ärgere mich über das Gebaren des Auftraggebers und halte ein langwieriges Gezerre um die Baukosten für vorprogrammiert.
Das liebe Geld und das allgegenwärtige Phänomen der Diskrepanz zwischen realistischer Kostenkalkulation und politischen Kostenwerten.
Der Auftraggeber gibt als Budget den Preis für einen Kleinwagen an.
Dann sieht er die Vorzüge aus dem oberen Preissegment und will diese - weil es politisch geboten ist - zum gleichen Preis erwerben.
Das kann nur Verlierer geben.

Allein die Steigerung der Baukostenparameter im prämierten Entwurf:
Flächen - ca 30 % Zuwachs bei der Geschossfläche
Raumvolumen - keine Angaben auffindbar, aber statt 26 m Gebäudehöhe nun 45 m
Das läßt vermuten, dass der formulierte Kostenrahmen von zwischen 150 und 300 Mio € nicht mehr zur Bestellung passt.
Bauherren, die in der "Von - bis" Spanne des Kostenrahmens eine 100% ige Steigerung hinterlegen sind selten.

Aus der Erfahrung vorangegangener Kulturbauten in München, wäre überdies zu prüfen,
ob die 150 - 300 Mio € als Kostenrahmen überhaupt realistisch sind, auch ohne die Steigerung bei Flächen und Volumen.
Wären die Werte belastbar, müßten sie ob des Flächenzuwachses allerdings bereits um 30% erhöht werden, das ergäbe als Kostenrahmen 195 - 390 Mio €.

Die Ankündigung von Joachim Herrmann " eine permanente harte Kostenkontrolle" zu installieren (ein Projektbeauftragter mit Vollzeitstelle), ist politische Folklore.
Die harte Kostenkontrolle hat es bei der Projektentwicklung bislang offenbar nicht gegeben.
Sie nachträglich aufzupropfen erscheint hinsichtlich der Erfolgsaussichten mehr bemüht als fundiert.

Ich drücke den Kollegen die Daumen und hoffe, dass die Auftraggeberseite das Rückgrat hat, realistische und gesicherte Kosten zu vertreten.

16

a_C | 03.11.2017 14:45 Uhr

Keine Panik

Der Preisträger schafft meiner Meinung nach sowohl einen zu jeder Seite hin guten weil verbesserten Stadtraum als auch sinnvolle Raumverknüpfungen und -beziehungen im Innern des Gebäudes. Wenn man den Baunetz-Artikel liest, erkennt man, dass hier ein Ort nicht nur für Liebhaber der Klassischen Musik entsteht, sondern für ein sehr vielfältiges Programm:

"Ein großer Saal mit 1.800 Sitzplätzen und ein kleiner mit 600 Plätzen bilden den Kern des Raumprogramms. Hinzu kommen Räume für die Hochschule für Musik und das Theater München, darunter ein Aufführungsort, die sogenannte Werkstatt, mit Platz für ungefähr 200 Zuschauer."

Das sind in der Anzahl genügende und in ihrer Nutzbarkeit flexible Räume für Klassische und moderne Musik, für Theater, Tanz, Lesungen etc. Wie das Konzerthaus später konkret bespielt wird, kommt allerdings sehr auf dessen Intendanz an...

15

Musikliebhaber | 03.11.2017 09:33 Uhr

Worum geht es hier eigenlich, um Stadtreperatur oder um einen Aufführungsort?

Kein Preisträger schafft es die Nutzung des Gebäudes - das spannende Erlebnis eines Konzertabends - nach außen zu transportieren. Die Gebäude könnte man von außen als Museen, Kongresszentren oder sonst was lesen. Dafür sind die Architekten verantwortlich.

Der Auslober ist dafür verantwortlich, dass man in Deutschland nun den x-ten klassischen Konzertsaal errichtet, wie seit Hunderten von Jahren schon. Die Musik, die von heute lebenden Komponisten und Künstlern erfunden wird aber braucht andere Räume! Es geht um Interaktion, um die Möglichkeit Raumerlebnisse verändern zu können. Es geht darum übergreifende Möglichkeiten zu schaffen für Musik, Theater, Tanz, bildende Kunst....Die Gedanken zum Beispiel von Walter Gropius und Erwin Piscator um eine Raumbühne, um veränderbare Aufführungsorte werden einfach nicht weitergeführt.

Bald wird die Diskussion um die optimale Akustik beginnen, um Beethoven, Mahler, Bruckner und die anderen üblichen Verdächtigen möglichst ideal zum Hundertausendstenmale aufzuführen. Sicher wird man Star-Akustiker Yasuhisa Toyota aus Japan einfliegen, so dass bald alle Konzertsäle der Welt gleich klingen mit dem gleichem Repertoire.

Wie langweilig!

14

a_C | 02.11.2017 17:43 Uhr

Nachtrag zum Thema "Visualisierungen"

Es ist schon auffällig, wie viele Büros sich dazu entschlossen haben, ihr Gebäude in einer nächtlichen Situation darzustellen. Da lässt es sich einfach besser schummeln und nachts sieht jede 08/15-Bürokiste einigermaßen gefällig aus.

Daher mal eine provokannte These:

Man sollte erwägen, nächtliche Visualisierungen entweder nur ergänzend zu einer Tageslicht-Visualisierung zuzulassen oder gänzlich auszuschließen!

13

a_C | 02.11.2017 15:05 Uhr

Zum Ort...

Wer sich über die Standortwahl (immer noch) beschwert, ist unfähig sich die Zukunft vorzustellen. Einem Laien mag man das nachsehen, ein Architekt sollte aber dazu imstande sein.

Das Werksviertel ist noch ganz am Anfang seines Entstehens - in den nächsten Jahren wird hier viel passieren und ein sehr dichtes, gemischtes Quartier entstehen. Da ist das Konzerthaus ein tolles Leuchtturm-Projekt, das einen Mehrwert für das gesamte Umfeld bieten wird, aber umgekehrt auch von der Infrastruktur in seiner Umgebung (Straßen- und ÖV-Netz, Bars, Restaurants, temporäre Ergänzungsflächen, ...) profitieren kann.

Es gilt jetzt nach vorne zu schauen, den Ort und die Herausforderung der Bauaufgabe anzunehmen und sich weder durch kleinliche Beschwerden aus den sozialen Netzwerken noch durch Kommentare geschmähter Spekulanten anderer Standorte beirren zu lassen. Ort und Wettbewerbsergebnis sind gleichermaßen mutig, visionär und im Endeffekt richtig. Weitermachen!

12

schlawuki | 02.11.2017 12:07 Uhr

passt ned.....

wer die gegend kennt, der weiss das das grundproblem in der wahl des baugrundstücks liegt.

oder möchtest du, lieber konzertbesucher, der ja auch noch ein paar euro für die karten und gegebenenfalls für das abendkleid der gattin ausgegeben hat, durch münchens abgefucktestes viertel latschen?
bleibt da nur zu hoffen das keiner der entwürfe realisiert wird.......

11

a_C | 02.11.2017 12:01 Uhr

Licht & Schatten...

Der 1. Preis ist ein einfacher aber eleganter Beitrag, der den Auftrag meiner Meinung nach verdient hat. Kompliment an die Jury zu dieser Wahl. Natürlich gilt (leider) auch hier wie so oft: Was in der Visualisierung versprochen wurde, wird nur mit sehr sehr viel Arbeit einzulösen sein.

Die leichte, fast schon schwebende Erscheinung mit hauchdünnen Geschossebenen... Die Fassade als luftiger Schleier... Wenn man dann die Grundrisse (Bild 9, 10) begutachtet, sieht man allerdings, dass sehr viele kleinteilige Nutzungen - auch Nebenfunktionen wie WCs - bis an die Fassade herandringen. Eine Hauptaufgabe der Architekten wird daher in meinen Augen sein, die homogene Erscheinung der Fassade auch hier zu sichern und sie nicht zu schließen. Das schaffen nur wenige Büros (bspw. HdM). Ich bin gespannt, wie das diesem eher unbekannten Büro gelingen wird.

Die anderen Beiträge sind Licht und Schatten:

Der 2. Preis hat eine schöne Form (Bild 20) und den interessanten Ansatz, die verschiedenen Nutzungen von außen lesbar zu stapeln. Die Bullaugen-Fassade ist allerdings nicht zeitgemäß und trübt das Bild.

Der Rampengewitter vom Büro Chipperfield kann nicht wirklich ernst gemeint sein oder will man die Besucher einen Marathon laufen lassen? Das sieht wirklich nur auf den ersten Blick gut aus und entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Chimäre.

Die Idee des 4. Preisträgers, dem Gebäude durch Einkerbungen eine Rhythmik zu geben, ist sehr schön. Allerdings ist das darübergestülpte Baströckchen unnötige und teure Effekthascherei.

Volker Staab zitiert auf eine äußerst langweilige Art und Weise die frühere (industrielle) Nutzung des Orts und bietet mit seiner Konzertsaalvisualisierung mit Fenstern (!) die mit Abstand schlechteste Idee sich von der Konkurrenz abzuheben. Eine Enttäuschung des sonst so stilsicheren Büros.

Da ist der Ansatz vom Büro Hadid mit seinen verschmolzenen Silos deutlich interessanter, auch wenn der Konzertsaal selber so noch nicht überzeugt und etwas mehr Ausarbeitung verdient hätte.

Der Beitrag von Mecanoo (Bild 40) gefällt mir dagegen wieder äußerst gut! Ein schönes, elegantes und durch seine Staffelung zurückhaltendes Gebäude. Dass sich dieser Entwurf nicht weiter vorne platzieren konnte, kann ich mir nur durch die Visualisierung des Konzertsaals erklären, der gleichzeitig leblos und durch die Streifen nervtötend rüberkommt. Schade.

Alles in allem einige interessante Beiträge mit einem würdigen 1. Preisträger. Kompliment nach München!

Für das Verfahren habe ich Verständnis, denn es gab vorher einen Teilnahmewettbewerb, auch wenn einige Büros tatsächlich gesetzt waren. Am Gewinner sieht man ja, dass nicht zwangsläufig einer der großen und bekannten Platzhirsche zum Zuge kommt, sondern auch kleinere und unbekannte Büros sich durchsetzen können.

Ich bin gespannt, wie schnell nun die Bauarbeiten losgehen werden und ob Bayern - wie so oft und lautstark betont - es tatsächlich besser machen kann als Hamburg mit der Elbphilharmonie.

10

ja genau | 02.11.2017 10:50 Uhr

Stromabschalten!!!

toller Kommentar!!! Danke staubmeier!!!

9

staubmeier | 02.11.2017 09:27 Uhr

wie ...


... fürchterlich die zuhörerroboter in d. perspektiven.

stimmige innenraüme sind leider fehlanzeige.

man sollte in den büros mal den strom abschalten.

während der wettbewerbsbearbeitungsphase.

oder in den zulieferungsbetrieben.



8

Chris Schriner | 02.11.2017 09:01 Uhr

Verfahren

@Kritiker: In Nürnberg wird es ja glücklicherweise jetzt anders gemacht…2-phasig offen…man kann leider nicht jeder Ausloberin die Angst nehmen

7

auch ein | 02.11.2017 08:53 Uhr

architekt

oha, zaha dreht sich im grab um.
was sollen diese röhren ? ok zum modellbauen ist es praktisch......

und wie kann es sein dass jemand 19m ! über den B-Plan drüberbaut ?
Das sollte man sich mal trauen..........

6

peter | 01.11.2017 19:23 Uhr

kolosse

@jan: ja, sehr offensichtlich, musste ich auch gleich dran denken. Die dänische Kirche ist aber geometrisch fast noch etwas konsequenter gelöst (natürlich auch insgesamt einfachere bauaufgabe).

die innenrenderings der preise 1 und 3 wirken, als hätte sie derselbe visualisierer erstellt, zuerst dachte ich sogar, es wäre derselbe raum aus einer anderen perspektive.

von außen her: wieder eine scheune! nach hdms berliner museum der moderne und thomas krögers hamburger schule scheint sich langsam ein entsprechender trend für die gestaltung größerer profanbauten zu etablieren.

5

Kritiker | 01.11.2017 19:12 Uhr

Ergebnis hui - Verfahren pfui

Auch wenn das Ergebnis meiner Ansicht nach erfreulich ist, kann man nicht oft genug betonen, dass bei der Auswahl des Verfahrens ordentlich ins Klo gegriffen wurde.

Wie kann man einen Wettbewerb von solcher Relevanz als geschlossenen Wettbewerb abhalten? Ein zweiphasiger Wettbewerb mit überschaubaren Leistungen in der ersten Phase und Bearbeitungshonoraren in der zweiten Phase wäre angesichts der Aufgabe deutlich angemessener gewesen. Zum einen hätten dann auch junge Büros eine reelle Chance gehabt, sich ins Verfahren einzubringen, zum anderen hätte niemand einen Vorentwurf für ein Konzerthaus (!!!) umsonst erarbeiten müssen. So sind nach Adam Riese jetzt 22 Bearbeiter komplett leer ausgegangen (auch wenn sie natürlich niemand gezwungen hat, am Verfahren teilzunehmen)...Dass die Architektenkammer solche Verfahren überhaupt duldet, finde ich an sich schon eine Unverschämtheit!

4

jan | 01.11.2017 16:41 Uhr

3. preis?

https://www.b.dk/nationalt/her-er-koebenhavns-nye-kirke-plads-til-at-haenge-ud-hele-doegnet

3

Freud | 01.11.2017 16:00 Uhr

Form Follows Function

Ich finde es interessant dass bei keiner der Preisträger eine Beziehung zwischen aussere Gestalt und der Form des Konzertsaales im Interieur zu erkennen ist. Ist keine Kritik, nur eine Beobachtung.

2

Michael P | 01.11.2017 15:54 Uhr

Konzept

Elbphilharmonie + Museum des 21. Jahrhunderts = Konzerthaus München?

1

Superarchitekt | 01.11.2017 15:43 Uhr

Schon ok

Der erste Preis ist annehmar, finde ich. Der Eingang ist vielleicht etwas mauselochartig geraten.
Chips Beitrag ist von außen auch ganz hübsch.

Hab aber eh keine Ahnung von dem Ort, also was solls.
Ich komm lieber morgen wieder und labe mich an den Kommentaren.

 
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1. Preis: Cukrowicz Nachbaur Architekten (Bregenz)

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2. Preis: PFP Planungs GmbH (Hamburg)

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3. Preis: David Chipperfield Architects (Berlin)

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4. Preis: 3XN AS (Kopenhagen)

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