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11.03.2016

436 Türme für London

Wenn eine Skyline Spekulation wird


Von Daniel Felgendreher

Kaum eine andere europäische Skyline verändert sich so rasant und scheinbar unbeschränkt wie die von London. Denkt man. Wenn man aber wüsste, dass es eine Liste von 436 Türmen gibt, die in den nächsten Jahren dieser Skyline hinzugefügt werden sollen, von denen 233 bereits eine Baugenehmigung haben, im letzten Jahr allerdings nur 19 fertiggestellt wurden – man würde diese Einschätzung zumindest in Bezug auf die Baugeschwindigkeit relativieren.

Seit letztem Jahr um diese Zeit wurde die Liste der geplanten, bisher jedoch nicht realisierten Hochhäuser um 94 neue Projekte ergänzt. Die Zahlen liefert eine Studie, welche seit 2014 jährlich von Londons Diskussionsforum für Belange der Stadtentwicklung New London Architecture (NLA) in Zusammenarbeit mit dessen Sponsor, dem Immobilienberater GL Hearn, veröffentlicht wird. Sie beobachten darin die Planungs- und Bauaktivität von „hohen“ Gebäuden, also Hochhäusern mit 20 und mehr Geschossen.

Welches Interesse verfolgen die Herausgeber damit? Und wer ist der Adressat? New London Architecture ist Kommunikator zwischen dem Bürger, der Stadtplanung und den Investoren, organisiert Ausstellungen, Diskussionsabende, Preise und Wettbewerbe. Hochhäuser in London sind immer wieder Bestandteil einer öffentlichen Debatte, in der Hochhausskeptiker, Denkmalschützer und Spekulationsgegner ihre Stimmen äußern. Bündnisse wie „Skyline Campaign“ kämpfen energisch und teilweise erfolgreich gegen die Ausbreitung von Wolkenkratzern.

Was sagen diese Zahlen also dem Bürger? Zum einen: Der Eindruck, dass sich das Stadtbild Londons in einigen Teilen, wie beispielsweise dem Bankenviertel in der City oder Canary Wharf, rasant verändert, ist etwas verfälscht. Diese Entwicklungen sind lediglich die Spitze des Eisberges. Planungs- und Bauaktivität stehen in einem Missverhältnis. Es wird längst noch nicht so viel gebaut, wie gebaut werden könnte. Aber auch: Alles ist möglich. Das Stadtbild ist im doppelten Sinne spekulativ.

Zum anderen liest man an den Zahlen die Haltung der Kommunen und des Bürgermeisters zum Hochhaus ab, die mit der hohen Anzahl an Baugenehmigungen manifestiert wird. Nur drei der neuen Projekte aus dem letzten Jahr wurden bisher abgelehnt. NLA kommt die Rolle zu, eine städtebauliche Entwicklung, die auf zügellose Privatisierung und Partikularinteressen setzt, zu begleiten und der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Andere Interessen, anderer Adressat: GL Hearn und der Investor. Die aktuelle Studie wurde pünktlich zur diesjährigen MIPIM veröffentlicht – der Oscarverleihung der Immobilienevents und Europas größter Investoren Networking-Veranstaltung, die vom 15. bis 18. März in Cannes stattfindet. Was sollen Investoren aus den Zahlen ableiten? In London werden Hochhausprojekte schnell genehmigt. Kommt und baut hier! Es ist also kein Hexenwerk zu verstehen, was das Interesse des Immobilienberaters GL Hearn in der Konstellation der Herausgeber der Studie ist.

Es bleibt spannend, zu sehen wer die Londoner Innenstadt wann wie verändern wird, welche Kämpfe dazu ausgetragen werden und welche Rolle der Architekt spielen wird. Wie lässt sich die Quantität der Projekte realisieren, ohne dass die architektonische Qualität auf der Strecke bleibt?






Visualisierungen: Dan Lowe


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