Das Schweigen der Glocken
W&V Architekten gewinnen in Leipzig
Auch wenn es in diesem Wettbewerb um ein Wohngebiet geht – 85 Mietwohnungen mit rund 8.500 Quadratmetern sollen hier realisiert werden – beginnt die Geschichte einige Jahre zuvor. Und zwar mit dem Bau der zweiten Leipziger Probsteikirche St. Trinitatis. 1982 nach Plänen der DDR-Bauakademie errichtet, ersetzte sie die im Krieg zerstörte Kirche im Stadtzentrum.
Doch nicht endende Sanierungen infolge ständiger Bauschäden und die aus Sicht der Kirchengemeinde ungünstige Lage abseits des Zentrums machten den Bau erst unbeliebt und dann unbrauchbar. Und so kehrte die katholische Gemeinde 2015 zurück an ihre alte Wirkungsstätte gegenüber dem Leipziger Rathaus, wo der vielbeachtete Entwurf aus rotem Porphyr von Schulz & Schulz realisiert wurde.
Und der alte Kirchenstandort, zwischen Rosental-Park, Zoo und Elstermühlgraben? Soll nun Wohngebiet werden. An die einstige Kirche erinnert heute nur noch der 18 Meter hohe, denkmalgeschützte Glockenturm in Sichtbeton – der auch Teil der neuen Bebauung werden soll. Als Auftakt einer Reihung von Plätzen, die durch polygonale Blöcke gebildet werden, wie es die Wettbewerbssieger W&V Architekten beschreiben. Motto ihres Entwurfs: Das Schweigen der Glocken.
Die Leipziger Architekten, die auch das Forum Thomanum umgestaltet und im Wettbewerb um die alte Spinnerei Kulmbach einen ersten Platz errungen haben, konnten sich damit in dem einphasigen, nichtoffenen Realisierungswettbewerb gegen zehn weitere Büros durchsetzen. Die Preisträger in der Übersicht:
- Preis: W&V Architekten , Leipzig
- Preis: Osterwold°Schmidt Exp!ander Architekten , Weimar mit Hutterreimann Landschaftsarchitekten, Berlin
- Preis: tafkaoo Architects, berlin
Ausgelobt hatte den Wettbewerb die Projektentwicklerin EFS Projekt GmbH, die das 5.000 Quadratmeter große Grundstück in Kooperation mit der Stadt Leipzig entwickeln will. Die Stadt brauche dringend neue Wohnungen, heißt es im Auslobungstext. Schließlich habe die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in den letzten Jahren stark zugenommen.
W&V Architekten schlagen dafür ein Ensemble aus vier Stadtvillen vor, deren Form sie aus der Vertikalität der benachbarten Gründerzeitviertel ableiten. Zum Einsatz sollen modulare, vorgefertigte Bauelemente kommen, dazu strukturierte Putzoberflächen, Sichtbeton und Holz. Mit Blick auf die einstige Trinitatiskirche an dieser Stelle und den Glockenturm, der das letzte Zeichen des seltenen Sakralbaus der DDR-Moderne ist, solle auch ihr Entwurf an die Leipziger Tradition der Moderne anknüpfen, so die Architekten. Der Baubeginn ist bereits für diese Jahr geplant. (kat)
Diese Wohnmaschinen sollten verboten werden.
Für den im Leipziger Volksmund als "Reichsflakbunkersporthalle" bekannten Bau von S&S-Architekten der das Neue Rathaus und den gesamten Wilhem-Leuschner-Platz verschandelt. Der laut Wettbewerb einladend und offen sein sollte und das genaue Gegenteil ist. Und nun dieser Billig-Würfelhusten als wären die Umbau-Ost Schrumpfungszeiten noch nicht vorbei. Leipzig wird immer nachgesagt wie sehr sie doch boomt - der Mietspiegel steigt und in der Qualität bleibt man aber im Vor-Boom Niveau hängen um größere Renditen rauszuholen? Auch ist nicht ganz klar warum diese Brutalistische Formensprache? Um auf den Vorgängerbau zu reagieren? Ich meine es wäre toll wenn das mit Sichtbeton und einer entsprechenden Kubatur projektiert werden würde (also nochmal min. 20m draufpacken)... aber so ist es der Versuch, in die übliche 08/15-Styropor-Kiste einen uneinlösbaren Anspruch reinzuzwängen. Zumal – trotz der zerschnittenen Lage – der Kontext des Quartiers einfach ignoriert wird.