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18.07.2017

Ruine frisch getüncht

Umbau von Aires Mateus in Coimbra in Portugal


Es ist sicherlich nicht falsch, angesichts eines Umbaus von Aires Mateus sofort an frisch getünchte Wände zu denken. Das Büro aus Lissabon ist schließlich für seine perfekten, hochweißen Oberflächen bekannt, wie erst vor ein paar Wochen wieder bei ihrem Nachbarschaftshaus in Grândola zu begutachten war. Beim nun fertiggestellten Wiederaufbau des Dreifaltigkeitskollegs in der portugiesischen Provinzhauptstadt Coimbra war es mit etwas Tünche allerdings nicht getan. Das Gebäude glich schließlich schon seit Jahrzehnten einer Ruine, von der kaum mehr als noch die Mauern standen.

Der Umbau vermittelt den Eindruck, dass den beiden Brüdern Manuel und Francisco der schlechte Zustand des Gebäudes durchaus entgegen gekommen ist. Denn mit Blick auf die neue Nutzung als Teil der Juristischen Fakultät der örtlichen Universität war die Freiheit, die sich angesichts des ruinösen Bestands ergab, sicherlich nützlich. Besonders zurückhaltend musste man hier jedenfalls nicht agieren, solange zumindest das Äußere des Gebäudes erkennbar bleiben würde. Entsprechend radikal konnten sie deshalb auch eine ziemlich kleinteilige Raumstruktur in den Bestand eingefügen.

Die Transformation der Anlage mit ihren rund 4.000 Quadratmetern deutet sich  im Stadtraum weithin sichtbar an. Die Architekten setzten den alten Mauern ein Dach aus Kalkstein auf, das umlaufend eine breite Belichtungsfuge erkennen lässt. Das Licht, das ins Innere dringt, ist dabei ein bestimmendes Element der Architektur. Denn strukturell unterteil sich das Gebäude in eine leichte Stahlstruktur, die in die alten Mauern eingestellt wurde. Dieses Prinzip erlaubt es, ausgehend von den Oberlichtern die Grundrisse zu öffnen und in der Vertikalen durchlässig zu gestalten. Aires Mateus sehen in diesem Ansatz übrigens eine gewisse Kontinuität, habe man in Comibra doch auch früher schon zwischen steinerner Dauerhaftigkeit und ephemeren Holzeinbauten unterschieden.

Die Materialität der Innenräume entspricht in besten Sinne einem typischen Projekt des Büros: Die Raumvolumen sind scharf geschnitten, die Böden auf Glanz poliert und die Wände perfekt verspachtelt. Wenn die Architektur bei Aires Mateus sonst gerne mal etwas steril wirkt, hat das Projekt in Coimbra einen entscheidenden Vorteil: Alte Bauteile des Kollegs sind überall im Gebäude geradezu spolienartig integriert, was der Architektur einen angenehm nahbaren Charakter verleiht. (sb)

Fotos: Nelson Garrido


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