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15.02.2012

Möglichkeiten der Nachkriegsmoderne

Umbau in Paris von Druot und Lacaton Vassal


Vorher-Nachher-Show am Pariser Boulevard Périphérique: Im Norden zwischen Porte de Clichy und Porte de Saint-Queen hat der Architekt Frédéric Druot zusammen mit Lacaton & Vassal einen grauen Block in ein attraktives Wohngebäude verwandelt. Der Tour Bois le Prêtre, ein 17-geschossiges Wohnhochhaus, 1958-61 von Raymond Lopez gebaut, zählte einst zu den Vorzeigeprojekten seiner Zeit. Innerhalb des staatlichen Programms zum Teilabriss der Großwohnsiedlungen aus den 60er und 70er Jahren wurde der Wohnturm Ende der Neunziger jedoch schnell zum Favoriten unter den Abrisskandidaten. 



Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal sehen die Potentiale der Wohnbauten aus der Nachkriegszeit in drei Punkten: dem freien Blick, den umgebenden Grünanlagen und der Höhe. Bei der Restrukturierung der Grands Ensembles schlagen sie folgende Maßnahmen vor: eine radikale Öffnung der Fassade und die Erweiterung des Wohnraums durch umlaufende Balkone, die in den Wohnraum eingebunden werden. Es ist ein unkompliziertes und kostengünstiges Verfahren, das die Architekten zusammen mit Frédéric Druot 2004 im Rahmen der Studie „PLUS – Les grands ensembles de logements – Territoires d’exception“ erstellt haben. Die Grundlage für das Architekturrecycling bietet die Moderne selbst. Es sind ihre Ideen und Ideale, die das Trio weiterdenkt – eine Wiederaufbereitung der Nachkriegsmoderne.



Ähnlich einem Baugerüst werden dem Skelettbau vorgefertigte Module von außen an die Fassade angebaut. Eine 44 Quadratmeter große Wohnung bekommt durch zusätzliche 26 Quadratmeter Außenwohnraum völlig neue Qualitäten; der Blick über Paris ist aus Panoramafenstern dann doch ein ganz anderer. Raumhohe Glasschiebetüren trennen die eigentliche Wohnung von dem angedockten Modul, welches sich in einen zwei Meter breiten Wintergarten und einen ein Meter breiten Balkon unterteilt. Durch verschiebbare Sonnenschutzpaneele lässt sich der Außenbereich nach Belieben gliedern; gleichzeitig wird Energie gespart und gespeichert.

Doch sollte der Tour Bois-le-Prêtre nicht aufgewertet werden, um neue Eigentumswohnungen für die Pariser Bohème zu schaffen. Die Wohnungen sollten weiterhin einkommensschwachen Familien zur Verfügung stehen. Ausschlagend für die gelungene Sanierung an der Porte Pouchet war, dass die Bewohner direkt in den Umbauprozess miteinbezogen wurden. Die Mieter behielten ihre Wohnungen oder zogen innerhalb des Hauses um; während der Umbauarbeiten war das Hochhaus die ganze Zeit bewohnt. Vielleicht etwas umständlich, aber nur so konnten die Architekten sicherstellen, dass der soziale Wohnungsbau auch sozial bleibt. Heute ist der Tour Bois-le- Prêtre wieder Vorzeigeprojekt und Prototyp – und ein gebautes Fundament der Studie PLUS.

Übrigens: Im Berliner Hansaviertel findet sich, fast baugleich, ein zwei Jahre älteres Modell des Tour Bois-le-Prêtre. 1957 im Rahmen der Interbau realisiert, steht das 16-geschossige Wohnhaus Lopez/Beaudounin im Gegensatz zu seinem Pariser Zwilling jedoch unter Denkmalschutz. Anders als der Wohnturm mit seinem Blick auf die Pariser Stadtautobahn ist das Berliner Wohnhaus gut in seinen urbanen Kontext eingebunden, hier werden die kompakten Wohnungen der Nachkriegsmoderne heute im Originalzustand als Eigentumswohnungen verkauft.

Fotos: David Boureau


Zum Thema:

Mehr in der BAUNETZWOCHE#250 „Min to Max: Neues Wohnen für das Existenzminimum“

Fachinformationen zu Gebäuden aus den 60er Jahren  im Baunetz Wissen Altbau


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