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16.11.2012

Lokaler als so manche Burgenland-Hütte

Terunobu Fujimoris Storchenhaus in Raiding eröffnet


Zehn Japaner im Burgenland – das ist nicht der Anfang von einem schlechten Witz, sondern die Grundidee von Roland Hagenbergs „Raiding Projects“. Er hat zehn japanische Architekten beauftragt, Gästehäuser in der österreichischen 1.000-Seelen-Gemeinde zu planen.
Raiding ist bisher nur bekannt als der Geburtsort von Franz Liszt, das dürfte sich nun ändern; Ende Oktober wurde das Storchenhaus von Terunobu Fujimori als erstes Gebäude des Projekts fertiggestellt. Weitere Gästehäuser von bekannten Architekten aus Fernost werden folgen: Jun Aoki, Sou Fujimoto, Hiroshi Hara, Toyo Ito, Klein Dytham Architects, Kengo Kuma, SANAA, Tezuka Architects und Yasuhiro Yamashita – eine erstaunliche Liste von japanischen Büros, die hier zusammenkommt.

Wer nun aber ein weißes Mini-Haus erwartet, wird überrascht sein: Fujimori experimentierte vor Ort mit lokalen Materialien und kombinierte diese mit traditionellen Handwerksmethoden seiner Heimat. Das Storchenhaus scheint deshalb lokaler als so manche Burgenland-Hütte. Es besteht aus Holz, Ziegeln und Stroh. Die schwarze Fassade setzt sich aus verkohlten Holzbrettern zusammen; Fujimori und Hagenberg haben die 286 Bretter nach einer alten japanischen Methode angebrannt. Küche, Tische, Stühle, Lampen und Schrank hat Fujimori ebenfalls selber entworfen und zusammen mit einer im Ort angesiedelten Tischlerei entwickelt.

Das Haus besteht aus zwei Wohnebenen mit einer Gesamtfläche von 37 Quadratmetern – klein, aber genug Platz für vier Personen. In der unteren befindet sich ein multifunktionaler Raum mit integrierter Küche, Dusche, Toilette und einem offenen Kamin. Der Schlafbereich mit japanischen Futons ist im oberen Halbstock integriert. Die beiden schrägen Gipsdecken vereinen sich in der nördlichen Gebäudekante sieben Meter hoch bei einem rohen Eichenstamm. Fujimori hat die weißen Decken und Wände mit einem Mosaik aus verkohlten Holzsplittern ausgelegt. Sie breiten sich wie schwarzer Regen aus.

Ein Eichenstamm durchdringt über dem Schlafbereich das Dach und trägt in dreizehn Metern Höhe das Storchennest. Die Zugvögel aus Afrika hatten sich dort im Sommer 2012 bereits niedergelassen. Das Dach besteht aus Schilf – gebaut nach burgenländischer und japanischer Tradition.

„Das Storchenhaus ist ein bewohnbares Kunstwerk, wo Architekturenthusiasten, Burgenlandtouristen, Musiker, Künstler und Literaten übernachten können“, erklärt Hagenberg, der übrigens als Autor und Fotograf in Tokio arbeitet. „Der Garten vor dem Haus steht für Veranstaltungen zur Verfügung, hinter dem Gebäude ist die Begrünung Bewohnern vorbehalten.“ Finanziert wurde das Storchenhaus zum Teil durch Sachspenden; die Erträge aus den Übernachtungen sichern Erhaltung, Betreibung und Bewerbung des Kunstwerks. Bereits im nächsten Jahr soll das zweite Haus im Rahmen des Projekts realisiert werden.

Fotos: Philipp Kreidl/DER STANDARD


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