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12.06.2017

Spiegel für Sir John Soane

Temporärer Pavillon in London


Die Dulwich Picture Gallery kann sicherlich als eine der interessantesten und ungewöhnlichsten Institutionen in den Außenbezirken Londons gelten. Ziemlich unvermittelt taucht das architektonische Kleinod aus dem frühen 19. Jahrhundert plötzlich zwischen den adretten Häusern des gutbürgerlichen Vororts im Südosten der britischen Hauptstadt auf. 1811–14 von Sir John Soane erbaut, gilt das Haus als erstes öffentliches Kunstmuseum in Großbritannien, das gezielt für diesen Zweck errichtet wurde. Gleichzeitig wurde das Haus als Mausoleum für die Gründer der dort gezeigten Sammlung konzipiert. Die geschlossenen Wände mit ihren vielen Blendfenstern und die würdevolle Ernsthaftigkeit der Dulwich Picture Gallery spiegeln das deutlich wider. Mindestens genau so prägend ist aber auch die Art und Weise, in der Soane hier mit klassischen Ordnungen arbeitete. Alles wirkt elegant, wohl proportioniert, nie wuchtig oder schwer, eher leicht und fast schon spielerisch.
 
Vor dem Hintergrund dieser Ausnahmearchitektur errichteten IF_DO Architecture & Design im Zuge des London Festival of Architecture den temporären Dulwich Pavilion, der letzte Woche eröffnete und bis zum 8. Oktober zu sehen sein wird. Der Entwurf basiert auf einem Wettbewerbsgewinn. Und auch wenn man die 74 Konkurrenten nicht kennt, scheint es doch so als hätte die Jury nicht daneben gegriffen, als sie sich Anfang des Jahres für den Entwurf des jungen Londoner Büros entschied, das sich 2014 gründete.
 
Grund für den Bau des Pavillons ist der 200. Jahrestag der offiziellen Eröffnung der Dulwich Picture Gallery. Im Dulwich Pavilion sollen diverse Veranstaltungen stattfinden. Auch eine Bar ist integriert. Der Bezug zum ungleich prominenteren Serpentine Pavilion im Herzen Londons ist natürlich offensichtlich, soll hier aber nicht weiter stören. Interessanter ist, wie die Architekten auf das bestehende Ensemble von Soanes Gallery, einem noch älteren Bau des Dulwich College sowie einer eher zurückhaltenden, stark verglasten Erweiterung aus dem Jahr 2000, die die beiden historischen Bauten zu einem „halben Klosterhof“ zusammenbindet, reagierten.
 
Der Pavillon korrespondiert in seiner Strenge und Axialiät mit dem Bestand. Er ruht auf einem dunklen Holzpodest und besteht in erster Linie aus verspiegelten Wänden, die teilweise verändert werden können. Das Dach präsentiert sich als offenes Holzfachwerk. Drahtgitter deuten die Außenkante des ephemeren Hauses an. In seiner spielerischen Leichtigkeit lässt der Pavillon das Theaterhafte und Illusorische anklingen, das sich auch bei Soane wiederfindet. Gerade an den Spiegeln wird dies deutlich, die beispielsweise auch in Soanes Privathaus in Central London eine wichtige Rolle spielen. Sie reflektieren die Architektur und die Landschaft, zerlegen und kombinieren die Eindrücke der Umgebung immer wieder neu und lösen das Haus in visueller Hinsicht ein Stück weit auf – machen es also zu einer echt ephemeren Architektur. (gh)

Fotos: Joakim Boren


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