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14.03.2017

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Roger Bundschuh folgt auf Hans Poelzig

Suhrkamp baut am Rosa-Luxemburg-Platz


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Der Suhrkamp Verlag baut mit Roger Bundschuh am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin – und die größte Überraschung an dieser Nachricht betrifft zunächst einmal das Grundstück: Direkt an der Torstraße gelegen, schien es sich nach Meinung vieler Anwohner nicht um eine Brach-, sondern um eine offizielle Grünfläche zu handeln. Der kleine Park – dessen Gestaltung mit hohen Bäumen diesen Begriff durchaus nahelegt – gehört jedenfalls fest zum städtebaulich heterogenen Gefüge um die Volksbühne.



Dort – im legendären Theater, in dem sich unter Frank Castorf die Versprechen der Nachwendezeit zumindest fragmentarisch bis in die Gegenwart retten konnten – ändert sich mit dem nahenden Intendantenwechsel allerdings gerade einiges. Warum also nicht auch ein paar Meter weiter am Platz? Wer in diesem Sinne allerdings einen Bruch vermutetet, der wird von der Suhrkamp-Meldung gleich ein weiteres Mal überrascht, denn das Projekt ist auch Ausdruck einer erstaunlichen Kontinuität. Bauherr ist nämlich nicht allein der Suhrkamp-Verlag, sondern mit der IBAU AG, jene bis heute bestehende Gesellschaft, die insbesondere in den Zwanzigerjahren als Sanierungsträgerin die städtebauliche Neuordnung der Gegend nach den Plänen von Hans Poelzig übernommen hatte. Dabei handelte es sich um nichts weniger als um die Fortführung einer Art radikalen Flächensanierung, mit der sich der Magistrat während des U-Bahnbaus rund zehn Jahre zuvor der katastrophalen Wohnverhältnisse im Scheunenviertel entledigen wollte und in deren Folge auch die Volksbühne entstand. Die IBAU kümmert sich bis heute um das Erbe von Poelzig am Rosa-Luxemburg-Platz.

Auf Poelzig folgt nun also Roger Bundschuh, und diese Entscheidung war in ihrer Logik in gewisser Weise vorherzusehen. Der Architekt hat schließlich mit seinem schwarzen Wohn- und Geschäftshaus L40 die Eingangssituation an der Rosa-Luxemburg-Straße ohnehin schon entscheidend geprägt. Mit dem Neubau erhält sein Haus nun also ein passendes Pendant. Es ehrt alle Verantwortlichen, dass sie zu diesem Schritt den Mut aufbringen. Kaum wird es nämlich in Berlin noch einmal die Chance geben, das Ensemble eines wichtigen Baumeisters der Moderne um ein zweites, von einem spannenden Architekten der Gegenwart zu ergänzen. 

Bundschuh überzeugt dabei jedoch insbesondere durch seine Entscheidung, die Idee der Torsituation nicht allzu ernst zu nehmen. Er wird sein bestehendes Gebäude also nicht einfach spiegeln, sondern ihm einen korrespondierenden Bau von großer Eigenständigkeit gegenüberstellen. Scharf geschnitten ist dieser aber ebenfalls, und auch waghalsige Auskragungen und rauen Beton wird es geben. Als Gesamtkomposition fällt die Architektur nun jedoch weniger skulptural und deutlich konstruktiver aus. An einen sichtbaren Betonkern – der spontan an die Treppentürme des abgetragenen Palasts der Republik denken lässt – hängt er zweiseitig großzügig verglaste Bürogeschosse, die eine Fassade aus hellem Aluminium bekommen werden. Dem Riegel stellt er zweites Volumen bei, das an die Poelzig-Bauten anschließt und bei dem sich die Verhältnisse umkehren: Beton überwiegt hier, nur die Rahmen der Fenster sind aus Metall.

Wahrscheinlich wichtiger als die Architektur ist aber die städtebauliche Setzung, die Bundschuh, Suhrkamp und die IBAU vornehmen – und die bei aller nostalgischer Erinnerung, die viele in der Nachbarschaft an die Grünfläche haben dürften, unmittelbar überzeugt. Durch einen niedrigen, zweigeschossigen Bau verbunden, rahmen die beiden Volumen einen dreieckigen Platz, in dessen Ecke sich ein Durchgang befindet, der die Durchwegung der früheren Grünfläche aufgreift. Anstatt also die Vorkriegs-Blockrandbebauung wieder aufleben zu lassen, entsteht ein offenes Gefüge, das die unterschiedlichen Zustände der letzten Jahrzehnte erkennbar macht und fortschreibt – das aber auch nicht ignoriert, dass in der Innenstadt ein gewisser Verdichtungsdruck herrscht.

Anzumerken ist außerdem, dass hier kein reiner Verlagssitz entsteht, sondern im kleineren Bauteil auch Mietwohnungen geplant sind. Zu diesem Bemühen des Ensembles, sozusagen ein guter Bürger sein, passt dann auch, dass im Durchgang ein „Späti“ projektiert ist, mit dem der Kiosk, der bis vor kurzem noch am Rand der Grünfläche stand, einen Nachfolger bekommt. Diese aufgeschlossene Haltung der Bauherren spiegelt sich übrigens auch in der Architektur: Wo die Auskragungen beim L40 eher der Selbstdarstellung dienten, erlauben sie hier eine Erweiterung des Bürgersteigs entlang der Torstraße. Man darf sich also auf das Projekt freuen, und man muss auch nicht lange warten: Der Beginn der Bauarbeiten ist für April angesetzt, die Fertigstellung ist bereits für 2019 geplant. (sb)


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Kommentare

11

Mathias | 15.03.2017 17:41 Uhr

Wettbewerb

Das kann doch nicht ernst gemeint sein, dass hier die Sinnhaftigkeit eines Wettberbs angezweifelt wird. Es ist eben nicht nur ein Häuschen am Stadtrand. Natürlich ist bei so einer Bauaufgabe ein Wettbewerb durchzuführen. So etwas kann eben nicht bei Abendessen mit dem Lieblingsarchitekten besprochen werden. An so einer Stelle muss das ganze Programm an öffentlicher Teilhabe ausgeschöpft werden. Ja und auch der gemeine Bürger hat eben hier auch eine Stimme.
Dieses Zugeschiebe von Aufträgen erzeugt eben nicht die maximale Qualität und Zufriedenheit die für ein Gebäude an der Stelle nötig ist.

10

a_C | 15.03.2017 14:55 Uhr

2 x 7 Stockwerke ist mehr als nur ein "Häuschen"...

Da hätte durchaus ein Wettbewerb stattfinden können wenn nicht sogar müssen. Zum einen aufgrund des prominenten Ortes, zum anderen weil die beiden Gebäude genug GF und verschiedene Nutzungen unterbringen wollen, dass auch hier ein Wettbewerb die angemssene Qualität des zukünftigen Gebäudes sicherstellen sollte.

9

auch ein | 15.03.2017 12:16 Uhr

architekt

@LARS K :

für zwei häuser ?
auch wenns ein "historischer" ort ist, ein berühmter (quasi pleite gewesener) verlag, ein berühmter ort.
manchmal muss man bauherrn UND kollegen zutrauen dass sie es auch ohne WBW können.....

würdest Du für dein häuschen mehrere architekten beauftragen?

8

Lars K | 15.03.2017 11:50 Uhr

Wettbewerb

Warum lobt ein Bauherr wie Suhrkamp keinen Wettbewerb aus, wie es Springer und taz in Kreuzberg vorgemacht haben?

7

JSC Architekt | 15.03.2017 11:14 Uhr

Das wirkt eher pelzig...ein bunterSchuh...oder so...

Boah! Ist das hässlich! Passt super dahin zu dem schwarzen Guss. Top! Jeder darf wie er will, wenn er auch nicht kann. Ich finde es schön, daß es solche Ecken mittenmang gibt.

Nicht soviel aufregen, einfach freuen. Guckt sich weg.

6

Jonathan | 15.03.2017 10:31 Uhr

Falsches Konzept

Ein toller Entwurf für die Fans des grauen, trostlosen Nachkriegsmodernismus, aber leider der Tod für die lebendige, urbane Stadt. Der geschundene Stadtraum wird weiter geschunden. Ein Jammer.

5

Tius | 14.03.2017 23:50 Uhr

Konzept?

Ok, der Verlag ist über einem öffentlichen Foyer aufgeständert. Gibt es noch weitere Ideen, die dem Projekt zugrundeliegen, oder ist alles so beliebig banal, wie es auf den Visualisierungen aussieht?
Gibt es ein Prinzip, nach dem Baukörper und Fassaden aneinander geklebt wurden?
Warum sieht der fensterlose Betonschacht nicht so aus wie der Rest der billigen Büros, sondern wie der Bauteil mit den Wohnungen?
Innerhalb des Entwurfs passt nichts zusammen und auch nichts in den Kontext. Das macht es recht schwer einen Ansatz für sachliche Kritik zu finden.

Die Architekten ignorieren das gesamte Umfeld inklusive ihres eigenen (gelungenen!) Werks gegenüber. Das ist immerhin konsequent.

4

Nils | 14.03.2017 18:16 Uhr

Späti

Mir gefällt es. Ich mochte auch den unnahbaren schwarzen Block gegenüber von Anbeginn. Das mit dem Späti glaub ich allerdings erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe

3

Bert B | 14.03.2017 17:09 Uhr

Kritik

das schwarze Haus ist schon eine ästhetischer Missgriff,

nur laut schreien reicht eben nicht,

das neue Gebäude sieht aus, wie auf der grünen Wiese geplant, als wenn die Stadt rundherum nicht vorhanden wäre,

für mich auch eine glatte 6

2

a_C | 14.03.2017 16:40 Uhr

Zu niedrig!

Anhand der weitwinkligen Visualisierungen und der missglückten Axonometrie lässt sich das kaum beurteilen, aber wer den Platz kennt, weiß, dass hier durchaus mehr als nur sieben Geschosse drinwären - der Straßenraum ist einfach sehr weit bzw. der Querschnitt sehr groß. Wird wohl §34 BauGB sein und sich daher an der Umgebung orientieren müssen, aber aus städtebaulicher / stadträumlicher Sicht würde ich mir hier etwas mehr wünschen.

Ach ja, und die Fassade mit Fluchttreppenhaus zur Rosa-Luxemburg-Straße: Setzen, 6! Das ist wirklich unwürdig schlecht für so einen gestandenen Architekten wie Bundschuh.

1

Florian | 14.03.2017 16:26 Uhr

Oh nein!

Bitte nicht! Bitte, bitte nicht!
Sämtliche Neubauten an der Kreuzung Torstraße / Schönhauser Allee sind eh schon städtebauliche Katastrophen. Null baulicher Zusammenhang, chaotisch, selbstbezogen und völlig unproportioniert.
Warum noch so ein Konstrukt???
Es ist wirklich schade um diese beliebte und urbane Gegend.

 
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