Krone aus Baubronze
Stadthalle in Reutlingen von Max Dudler eröffnet
Es leuchtet und strahlt im Tor zur Schwäbischen Alb: Anfang des Jahres wurde nach gut drei Jahren Bauzeit in Reutlingen die neue Stadthalle eingeweiht. Verantwortlich für Entwurf und Planung zeichnet Max Dudler, der sich für den Neubau zu Teilen von alten Tempelbauten, aber auch ganz offensichtlich von Mies van der Rohes Nationalgalerie inspirieren ließ.
Die Stadthalle soll als Kernstück des neu geschaffenen Bruderhausareals neben der alten Kernstadt ein zeitgenössisches, kulturelles Zentrum für Reutlingen schaffen. Eingebettet in den künftigen Bürgerpark, liegt die neue Halle gut erreichbar am Rand der Altstadt und soll von dort als „leuchtender Turmbau“ sichtbar sein. Als „Stadtbalkon“ hat Dudler den Glasbau auf Höhe der Baumwipfel angehoben: Ein Sockel trägt den großen Saal, der als Bühnenraum, Ausstellungshalle oder Ballsaal genutzt werden kann. Als Vorbild für diesen „Ort der Kommunikation“ hatte der Architekt den Sockel der Nationalgalerie von Mies van der Rohe in Berlin vor Augen. Die strenge vertikale Ordnung der Saal-Fassade erinnert mit ihren raumhohen Fenstern an den Säulengang eines antiken Tempels. Wie eine „Krone“ wird der große Saal gut sichtbar in die Stadt strahlen. Dieser ähnelt in Form und Größe übrigens dem Konzertsaal des Wiener Musikvereins. Er fasst bei ebenerdiger Bestuhlung 1.689 Besucher und soll über eine ausgezeichnete Akustik verfügen – insbesondere für klassische Konzerte. Durch variable Schallelemente lässt sich die Raumakustik aber auch auf Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt auf das gesprochene Wort einrichten.
Der Kleine Saal bietet Platz für bis zu 416 Personen. Er eignet sich für Konferenzen und Tagungen, aber auch für kleinere Konzerte und Festlichkeiten. Der Kleine Saal ist ebenfalls überaus variabel, er kann bis zu viermal geteilt werden. Zudem bietet er einen einzigartigen Blick über die Dächer der Stadt.
Die Fassade der neuen Stadthalle ist mit Baubronze beschlagen und soll dem Gebäude dadurch eine gewisse Schwere verleihen. Die äußere Glasebene der Fenster liegt flächenbündig in der Ebene der Metallfassade. Im Inneren setzt sich die Materialität fort, wobei die Böden der Foyers einen Natursteinbelag aus Travertin erhalten sollen.
Fotos: Stefan Müller
Dudler sollte auch aufhören, die klobigen Möbel selbst zu entwerfen, da gibt es wirklich Schönere im Laden. Zugegeben, Neid ist immer dabei.
empfinde ich auch eher wenig gelungen..die feine Strukturieung kommt dadurch kaum zur geltung und eher die wirkung eines unproportierten klotzes.. der Innenraum als Retro-Modern ist fast schon wieder richtig gut..aber es könnte gerade im Foyer ein wenig feierlich sein..(siehe Lampen unter der Decke)..... alles in allem handwerklich sauberer konsequenter Bau der nicht wirklich Spass macht..und jetzt schon im neuen Vintage-Look glänzt... @palladio > gemeint sind wohl eher die Politiker als die Architekten..>Verfahrenstechnisch haben die nichts falsch gemacht...
Ein glatte etwas hellere Holztäfelung wird also dem DDR-Barock zugeordnet, wäre sie dunkel und etwas "tektonischer" strukturiert oder gar kassettiert, würde auch diese gleich wieder dem Herrn Speer zufallen ;-) Wie platt sind solche Kommentare eigentlich... Meine Kritik zielt da eher auf die Gliederung der Baumasse an sich: Wie in einem Kommentar bereits erwähnt, kommt der obere Baukörper viel zu hoch aus dem grossen Kuchen heraus, man hat das Gefühl, er würde noch weiter hochwachsen oder wäre zumindest verschieblich. Schon in der gezeichneten Ansicht sieht das furchtbar aus. Ausserdem finde ich den Eingangsbereich im Verhältnis viel zu flach und schlitz-artig. Man meint, sich zum Eingang ducken zu müssen. Das Wort Proportion sollte man hier gar nicht in den Mund nehmen. Der Dudler ist und bleibt ein zweidimensionaler Ungers-Abklatsch, Schweiz hin oder her. Strenge , Symmetrie und Gleichmässigkeit sind vielleicht gute Eigenschaften, reichen aber nicht. Der Festsaal-Innenraum allerdings ist sehr schön gelungen, davor ziehe ich den Hut. Im Bereich des Treppen-Umgangs hörts dann schon wieder auf, das Verlegemuster des Natursteins passt hier überhaupt nicht zur Treppe und der räumlichen Wirkung.
Da erstaunt es dann auch nicht weiter, dass in einem anderen Kommentar, der diesen Neubau mit dem Führerbunker vergleicht und hier eine Vollsymmetrie sieht (was ist das überhaupt?) nicht einmal der Name des Architekten richtig geschrieben wird.