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15.03.2017

Mit Kid Consultants in Gropius’ Nachbarschaft

Spielplatz von Matter Design und FR SCH in Massachusetts


Kinder sind bekanntlich die härtesten Kritiker und deshalb ist es sicherlich richtig, dass die beiden Büros Matter Design (Boston) und FR|SCH projects (Lexington) mit einigen „Kid Consultants“ zusammenarbeiteten, die sie beim Entwurfsprozess des Spielplatzes in Lexington im Bundesstaat Massachusetts unterstützten. Die Namen der jungen Fachberater lassen darauf schließen, dass hier nicht zuletzt innerhalb der Familien der Architekten viel diskutiert wurde. Die Identifikation der Verfasser mit dem Projekt geht also weit über das übliche Maß hinaus. Rückschlüsse auf den engagierten Arbeitsprozess geben aber auch die gelungenen Handzeichnungen, die verraten, welche Varianten durchgespielt wurden, bevor die endgültige Lösung feststand. Aber wie ist das Ergebnis nun zu beurteilen?

Die Five Fields Play Structure liegt auf einer großen Wiese im Zentrum der Five Fields Wohnsiedlung, die Anfang der Fünfzigerjahre von Walter Gropius’ amerikanischem Büro The Architects Collaborative TAC realisiert wurde. TAC baute gut 60 Einfamilienhäuser, die als Typen mit Variationen konzipiert waren. Seit damals sind die Bewohner gemeinsam für das gesamte Areal der Siedlung verantwortlich. Die Wiese in der Mitte fungiert dabei als zentraler Identifikations- und Treffpunkt. Durch die geteilte Verantwortung sollte ein gemeinschaftliches Lebensgefühl verwirklicht werden, was im Großen und Ganzen gelang und bis heute positiv nachwirkt. Der neue Spielplatz steht in der Tradition dieses alternativen und experimentellen Geistes, aus dem heraus die ursprüngliche Siedlung entstand. Öffentlich zugänglich sind Wiese und Spielplatz heute jedoch leider nicht mehr.

Die Architekten entschieden sich für eine längliche und vergleichsweise hohe Holzstruktur, die erkundet und beklettert werden will. Treppen, Seile, Stufen, Durchgänge und Plattformen schaffen ein räumliches Erlebnis, das ganz am kindlichen Maßstab orientiert ist und vielfältige Formen der Aneignung ermöglicht. In ihrer Erklärung zum Projekt betonen die Architekten, dass ihr Entwurf die Zwecklosigkeit, das Zufällige und das Uneindeutige des kindlichen Spielens aufgreift. Diese Haltung legitimiert auch die vergleichsweise formale, abstrakte Haltung des Projekts. Unweigerlich denkt man etwa beim Blick auf die Grundrisse an Mondrian oder an die Art und Weise, wie Mies van der Rohe seine Häuser in offene Gefüge langer Wandscheiben auflöste.

Dass durch das geschickte Design der Raumfolgen, Einbauten und Dimensionen darauf geachtet wurde, dass kleinere Kinder nicht in die höheren Bereiche der steil aufragenden Struktur gelangen können, versteht sich von selbst. Was ein deutscher Hersteller ambitionierter Spielplätze auf seine Geräte schreibt, gilt gerade auch für die Play Structure in Lexington: „Spielen ist Risiko.“ Das ist versicherungstechnisch seriöse Warnung und kokette Programmatik zugleich. Vor allem aber zeigt dieses Statement, dass sich etwas tut im aktuellen Spielplatzbau. Denn seit einigen Jahren entstehen immer mehr ungewöhnliche, originelle und aufwändige Anlagen, die dem standardisierten Albtraum aus trauriger Buddelkiste und einsamer Federwippe den Kampf ansagen. Nicht zuletzt stellt das auch eine Herausforderung an eine zunehmend überängstliche Elterngeneration dar, die selbst von den ausgedehnten Radtouren in der Jugend schwärmt – und den eigenen Kindern nicht zutraut, auf einen Baum zu klettern. (gh)

Fotos: Brandon Clifford


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