Rettet den Turm!
Petition für Hejduk-Bau in Berlin
Beinahe stündlich erreichen die Redaktion Hilferufe per e-Mail mit der Bitte, eine drohende bauliche Verunstaltung des sogenannten Kreuzberg-Tower in Berlin verhindern zu helfen. Der Wohnturm unweit des Jüdischen Museums ist ein Spätwerk des amerikanischen Architekten John Hejduk (1923-2000). Er ist in einem Stadtbereich gelegen, der durch die städtebauliche Umstrukturierung des Blumengroßmarkts zu einem Museumsquartier eine prominente Lage zu werden verspricht.
Hejduk, zusammen mit Peter Eisenman und Richard Meier einer der „New York Five“, baute auf Einladung der Internationalen Bauausstellung in Berlin 1987 den in der südlichen Friedrichstadt gelegenen 14-geschossigen Atelierturm, der zwischen zwei fünfgeschossigen Wohnhausflügeln steht. Die Anlage ist eines der wenigen realisierten Projekte des ansonsten durch seine theoretischen Schriften bekannten Architekten.
Der neue Eigentümer des Komplexes, die BerlinHaus Verwaltung GmbH, hatte eine Sanierung angekündigt und auch bereits begonnen, die eine Entfernung der charakteristischen Sonnenschutzdächer, den Einbau größerer Balkone sowie einen Anstrich der Fassade in Weiß und Pink vorsah.
Allerdings hat BerlinHaus auf den kollektiven Aufschrei der Empörung bereits reagiert, die Renderings von der Website genommen, den Willen zu einem „Gestaltungskonsens“ signalisiert und „erste Gespräche, wie eine erfolgversprechende Einbeziehung unterschiedlicher Interessengruppen realisiert werden kann“, angekündigt.
Wer dem Braten nicht traut, kann die für den Erhalt der Anlage eintretende Petition, bei der bisher bereits über 1.000 Unterzeichner – darunter Bernard Tschumi, Peter Eisenman oder Regine Leibinger – mitgemacht haben, unterzeichnen.
Häuser haben Seelen. Menschen haben Seelen. Die Verschränkung der Seelen zwischen Häusern und Menschen ist manchmal bedenklich, manchmal nicht. Das Gesicht des Herrn John Hejduk erinnert mich an jemanden. Nur an wen ? An jemanden Berühmt Berüchtigten ? An jemanden Schuldigen? Können Gesichter, wie auch Gebäude lügen? Kann ein Gebäude lügen?
wäre das gebäude ist nach adolf loss ein monument, also frei von funktionalen anforderungen, dann wäre seine erscheinung plausibel, die künstlichkeit im ausdruck gerechtfertigt und die kleinen fenster und balkone verziehen. nun ist es aber kein monument, sondern ein wohnhaus, indem die wenigsten der unterzeichner gerne selbst wohnen möchten. der wahre grund des aufschreis ist eher der, dass das gebäude ein monument für den architekten geworden ist, frei von qulitäten, die das wohnen heutzutage attraktiv machen. mein vorschlag: wenn den unterzeichnern wirklich so viel an dem gebäude lieg, dann sollten sie eine stiftung gründen, die das gebäude erwirbt und unterhält.vielleicht kann man noch dem architekten zu gute halten, dass das thema nachhaltigkeit im sinne der schöpfung einer bleibenden qualität damals noch keinen stellwert hatte und vielleicht ist es das, was die kollegen so sehr an dem gebäude lieben, nämlich das, dass es unsinn sein durfte und damit eine qualität bzw. atmosphäre besitzt, die mittlerer weile seltenheitswert hat.