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http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Neubau_fuer_EU-Ratssitz_von_Philippe_Samyn_4289231.html

30.03.2015

Brüsseler Spitzen

Neubau für EU-Ratssitz von Philippe Samyn


Alles begann mit einem nüchternen Bündnis. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, bekannt als „Montanunion“, bestand 1951 aus sechs Staaten und hatte klare rationale Ziele. Mehr als ein halbes Jahrhundert später verliert sich die Stringenz der zu 28 Mitgliedern angewachsenen Union im Krisen-Nebel. Zeit für mehr Symbole in Brüssel. Der Europäische Rat darf ab dem kommenden Jahr in ein neues Gebäude ziehen, das sich für die aktuell richtungsweisende Sprache der Nachhaltigkeit und Bescheidenheit entscheidet. Das Brüsseler Büro Philippe Samyn & Partners übersetzt diese Sprache in eine schlichte kubische Form mit elliptischem Herz und einem komplexen Fassadenbild.

Die Entscheidung des Europäischen Rates, ein neues Gebäude entsprechend den wachsenden räumlichen Bedürfnissen zu errichten, fiel bereits im Jahr 2004. Zehn Jahre danach steht der Bau, der sich unmittelbar am bestehenden Justus-Lipsius-Gebäude befindet, kurz vor der Fertigstellung. Die Kosten liegen derzeit bei etwa 300 Millionen Euro. Hauptsächlich sollen hier die regelmäßigen Treffen des Europäischen Rates, Ministertreffen oder EU-Gipfel mit Drittländern stattfinden.

Die Nutzung liegt hinter einer frei stehenden Doppelfassade – im streng symmetrischen Volumen mit einer elliptischen Form. Auf jeder Ebene haben die Architekten die Raumgrößen den Anforderungen angepasst. Daraus ergab sich die zur Mitte anwachsende und nach oben und unten abnehmende Geschossfläche. Im elften Geschoss liegt beispielsweise ein Speiseraum für 50 Personen, während der Meetingraum im fünften Geschoss 250 Personen aufnehmen kann.

Bei der Fassade geht es um mehr als nur einen notwendig sicheren Schutz: Die kleinteiligen Holzformationen sind nicht mehr und nicht weniger als eine Ansammlung alter Fensterrahmen. Warum? Im großen Maßstab verwirklichte Philippe Samyn damit die Idee des europäischen Bewusstseins für Nachhaltigkeit. Aufgrund neuer Bestimmungen über die Energiesparmaßnahmen werden bei unzähligen Gebäuden überall in Europa die alten Fensterrahmen ausgetauscht. Einige von ihnen fanden ihren Weg auf die neue Fassade ihrer Zentralverwaltungsstelle. Die vorbildliche Philosophie der EU können die Bürger also direkt an der Fassade ablesen. Weiter als vor diese dürfen sie ohnehin nicht treten. (pg)


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