Luxusabstellplatz für Fahrräder
Neubau am Erfurter Bahnhofsplatz
Nein, das ist kein neuer Versuch, die Berliner East Side Gallery umzugestalten. Diese kleine, aber auffällige Fahrradstation ist gerade auf dem Erfurter Hauptbahnhof entstanden. Verantwortlich für den Kubus ist das Büro Osterwold+Schmidt Architekten aus Weimar.
Die Einweihung erfolgte am Samstag zum ersten Fahrradfrühling in Zusammenhang mit dem neu erbauten ICE-Bahnhof. Das „Radhaus“, ein Pilotprojekt in Thüringen, verknüpft auf dem Willy-Brandt-Platz, dem Bahnhofsvorplatz, den Radverkehr mit dem Bahnverkehr und dem Öffentlichen Personennahverkehr.
Das Herzstück der Fahrradstation, die Fahrradabstellanlage, ist ein Doppelstockparkersystem, auf der insgesamt 260 Fahrräder in zwei Ebenen abgestellt werden können. Hinzu kommen zusätzlich 32 Abstellmöglichkeiten in verschließbaren Abstellboxen. Das „Radhaus“ ist überdacht und bietet Schutz vor Regen und Schnee. Die Nutzung ist kostenfrei, lediglich die Abstellboxen können gegen ein geringes Entgelt angemietet werden.
Im Erdgeschoss des „Radhauses“ wird eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder mit weiteren Dienstleistungen rund um das Fahrrad eingeordnet, die auch die Betreibung der Anlage sichert. Vorgesehen ist auch, fast schon zu ahnen in der Landeshauptstadt der Thüringer Bratwurst, der Einbau eines Holzkohlegrills. Im Obergeschoss wird der Erfurter ADFC einziehen.
Es bleibt ein Kleinod der Luxusklasse: schlappe 1,2 Millionen hat der Bau gekostet. Ansonsten wünschte man ihn sich an jede S-Bahnstation einer Großstadt.
als Bürger der Stadt Erfurt möchte ich Ihnen gerne antworten. Eine Radstation ist dringend notwendig, da sonst wie in den Jahren zuvor alle Räder wild auf dem Willy-Brand-Platz (Bahnhofsplatz) abgestellt werden bzw. bei der Konzeption dieses, kein Platz für Fahrräder vorgesehen war. Auch ist zwischen den Universitätsstätten Jena-Weimar-Erfurt ein reger Pendelverkehr, die Mitnahme von Fahrrädern allerdings leider bei der Deutschen Bahn AG nicht im Beförderungskonzept vorgesehen und nur sehr schwach ausgeprägt. Auch möchte ich darauf hinweisen, dass Erfurt ein wichtiger Punkt entlang von Radfernwanderwegen ist. Das schöne an dieser "Prachtbaute" ist allerdings, dass sie zwar jeden klapprigen Drahtesel dort abstellen dürfen, aber die Erreichung der Behausung nur zu Fuß möglich ist, weil die Zufahrtswege für Räder verboten sind. Autos haben richtigermaßen und schon immer, ebenfalls Durchfahrtsverbot durch den zuführenden Bahnhofstunnel. Nur Fußgänger und Straßenbahn ist erlaubt. Die Errichtung ist also in einer Stadt, die sich um die Auszeichnung "unfreundlichste Stadt für FahrradfahrerInnen" bewirbt, von existenzieller Bedeutung, da man ja einen besonderen Luxusanreiz zum Verzicht auf das Fortbewegungsmittel schaffen muss. Mit freundlichen Grüßen aus der Blumenstadt! Torsten Halbauer
der Bauherr ist die Stadt Erfurt, die für die Velostation 722.000 brutto (KG 300, 400, 600) ausgab - davon 294.00 brutto für die reine Fahrradüberdachungsfläche - die Differenz zu 1,2 Mio muss also unser Honorar gewesen sein ;-) ... oder vielleicht doch auch für den Velogarten mit Bäumen und Strassenbahnhalt, die umlaufende Strassenerschliessung, den "Kampf" mit alten Kellern, Bahndämmen, Kanälen etc. ausgegeben worden sein ...
schnöde bilder bei tag! ps: ich war mal da!
Bei ca. 200.000 für perifere Räumlichkeiten verbleiben 1,0 Mio, d. h. ca. 3.300 pro Fahrrad. Ein Fahrrad braucht ca. 1/6 bis 1/8 Stellfläche eines PKW (inkl. Fahrfläche), das ergäbe pro PKW ca. 23.000,- wenn das Parkhaus dafür gebaut wäre. Würde jemand von Luxus sprechen wenn man ein zentrumsnahes Parkhaus für Autos zu diesem Preis bauen würde?
nach dem wir solche abstellmöglichkeiten in zukunft an vielen orten brauchen werden, sollte man bemüht sein, bei gleicher qualität günstigere lösungen zu finden.