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20.03.2017

Gigantische Klangschale

National Music Center in Calgary von Allied Works


Als Andrew Mosker, Präsident und Geschäftsführer des kanadischen National Music Center (NMC), vor einigen Jahren über einen neuen, größeren Sitz für das in Calgary ansässige Zentrum nachdachte, schwebte ihm etwas sehr Ambitioniertes vor. Er träumte nicht nur von einem neuen Gebäude, sondern von einer völlig neuen Institution im Dienste der Musik, die mehr sein sollte als nur ein Konzertgebäude, ein Rundfunkstudio oder ein Museum: Sie sollte all diese Funktionen vereinen und in eine einmalige Architektur übersetzen. Diese Vision hat nun mit dem von Allied Works (New York/Portland, Oregon) entworfenen Studio Bell eine entsprechend monumentale Gestalt angenommen.

Geradezu unwirklich massiv und hermetisch erhebt sich das im letzten Herbst eröffnete Multifunktionsgebäude in Calgarys East Village – ein Viertel, das bis vor nicht allzu langer Zeit noch zu den eher öden und unspektakulären Gegenden der Stadt zählte. Das bereits an dieser Stelle gelegene, 1905 errichtete Ziegelsteingebäude des Hotels „King Eddy“, das wegen Baufälligkeit seit 2004 geschlossen war, wurde im Rahmen der Neubebauung komplett saniert und ist nun Teil des Ensembles. Unterhalb des westlichen Blocks liegend, fungiert das Bestandsgebäude wie ein Anker für das Ufo-artige Studio Bell, das auf den Abbildungen einer doch etwas düsteren Fata Morgana gleicht. Die im „King Eddy“ ansässige Blues Bar, eine der ältesten und berühmtesten des Landes, ist darüber hinaus das größte, live erlebbare „Ausstellungsstück“ der umfangreichen Sammlung zur kanadischen Musik, die unter anderem in den fünf Stockwerken des NMC präsentiert wird.

Der Neubau beherbergt diverse Ausstellungsflächen, Halls of Fame, interaktive Displays, Aufnahme- und Rundfunkstudios, Veranstaltungsräume sowie einen 300 Sitze umfassenden großen Konzertsaal. Bereits das Äußere der mit über 200.000 glasierten Terrakottafliesen verkleideten Stahlrahmenkonstruktion nimmt Bezug auf die Musik: Architekt Brad Cloepfil, Gründer von Allied Works, möchte seine Kreation als „architektonisches Musik-, Licht- und Rauminstrument“ verstanden wissen, dessen skulpturale Wölbungen und metallisch-irdene Farbgebung von der Form und Materialität klassischer Musikinstrumente – insbesondere wohl von Klangschalen – inspiriert sind. Die  konzeptuellen Entwurfsmodelle zeigen dies deutlich.

Das Gebäude besteht aus neun leicht gekurvten und miteinander verzahnten Türmen, die in zwei – über eine Skybridge verbundenen – Baukörpern rechts und links der Straße angeordnet sind. Auch das Innere dieses „Instruments“ wird von Wölbungen und Bögen strukturiert und ist komplett mit den in Bronzetönen schimmernden Fliesen ausgekleidet, die Licht- und Soundeffekte reflektieren und verstärken sollen. Der Eingang im östlichen Block führt die Besucher in eine zentrale Lobby, die sich zu den vier Obergeschossen öffnet. Sie wird von zwei Wendeltreppen flankiert, die den Raum zwischen den Türmen füllen. Der die Lobby überragende große Saal im zweiten Geschoss ist das programmatische und strukturelle Herzstück des Baus. Flexibel gestaltbare Sitzreihen und eine bewegliche akustische Wand ermöglichen sowohl eine Bespielung in intimer Atmosphäre als auch die komplette Öffnung, um das gesamte Gebäude mit Musik zu füllen. In den einzelnen Stockwerken sind verschiedene, meist interaktive Ausstellungsflächen – stages genannt – verteilt. Zwischen ihnen gibt es immer wieder räumliche „Pausen“ und Öffnungen in den Außenraum, die zu Ruhe und Kontemplation, der intensiven Begegnung mit dem Gebäude und zum weiten Blick in den umgebenden Stadtraum einladen. Im obersten Geschoss angekommen öffnet sich schließlich The Cloud – ein Loungebereich, der noch einmal einen spektakulären Blick hinunter in das Innere dieses real gewordenen Raumphantasmas bietet. (da) 

Fotos: Jeremy Bittermann


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