Neo-Brutalismus in Hannover
Museumserweiterung von Meili, Peter Architekten
Die Haupteröffnung des Sprengel Museums findet erst im Mai 2016 statt, vergangenen Freitag wurde mit einer ersten Ausstellung aber schon mal der Erweiterungsbau eingeweiht. Entworfen von dem Schweizer Büro Meili, Peter Architekten (Zürich, München) ist am Kurt-Schwitters-Platz ein eher unhannoversches Gebäude entstanden. Kein Wunder also, dass der robuste Bau, der sich in die Kategorie Neo-Brutalismus einordnet, schon vor Baubeginn für Diskussionen sorgte. Denn während das Museum selbst von einem „eleganten Baukörper aus anthrazitfarbenem Beton“ spricht, betitelten Medien und Lokalpresse den Anbau als „Bunker“, „Sarg“ oder „Brikett“.
Die Vorab-Eröffnung zeigt, dass alle anfänglichen Bedenken offenbar verflogen sind. Über 35.000 neugierige Besucher lockte das Eröffnungswochenende in den neuen Sprengel-Anbau, um einen Blick hinter die dunkle Betonfassade zu werfen – die meisten waren begeistert. Grund dafür war neben der Ausstellung „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“ (das Sprengel Museum beherbergt eine der bundesweit wichtigsten Sammlungen von Kunst der Klassischen Moderne) die Belichtung der Ausstellungsräume sowie die Eingangshalle mit ihrem Treppenaufgang.
Für Meili, Peter Architekten, die 2010 mit ihrem Entwurf den Wettbewerb für das 36-Millionen-Euro-Projekt gewonnen hatten, war die Ausgangslage nicht ganz einfach. „Das bestehende Museum am Maschsee gab topografisch und räumlich eine außerordentlich komplexe Lage vor“, so die Zürcher Architekten. „Diese war weder für den Museumsbetrieb noch für dessen Erweiterung einfach zu interpretieren.“ Aus diesem Grund haben Meili, Peter Architekten einen einfachen Körper als Ergänzung entwickelt, der mit 5.300 Quadratmetern Fläche in ähnlicher Größe wie der Bestand ein eigenständiges Verhältnis zum See und zur Promenade formulieren soll. „Hervorgeschoben zu den Bäumen, leicht schwebend, mit einem einzigen Hauptgeschoss. Der nervöse Bestand und seine Bastion finden darin Abschluss und Rahmen“, meinen Marcel Meili und Markus Peter.
Der neue Ausstellungstrakt bildet zunächst eine einfache, klassische Enfilade mit einer übersichtlichen Besucherführung. „Dieser Weg erhält seinen Rhythmus nicht nur durch unterschiedliche Raumformate, sondern auch dadurch, dass die Räume im Raster leise ‚tanzen‘: Sie sind leicht abgedreht und verleihen damit jedem Saal eine gewisse Eigenständigkeit, die außerdem durch unterschiedliche Raumhöhen unterstrichen wird“. Und damit sich der Anbau auch mit seiner Umgebung verbindet, sind an den Schnittstellen zwischen dem strengen Kubus und dem bewegten Plan schmale, verglaste Loggien eingerichtet. Dass diese kleinen Foyers sich je nach Bedarf auch gut bespielen lassen, zeigt die aktuelle Ausstellung.
Das Raumkonzept im Inneren erklärt die äußere Gestalt: Mit der „ruhigen und schweren Betonfassade“ wollen die Architekten ihre „tanzenden Raumfiguren“ zusammenhalten. Die Reliefbänder an der Fassade verweisen auf das Innere, darüber hinaus sollte der Beton durch seine dunkle Färbung „eine noble, weiche, fast samtartige Anmutung“ bekommen. Und wenn selbst die Bild-Zeitung begeistert ist, haben Meili, Peter Architekten es ganz offensichtlich am Ende doch geschafft, nicht nur ein neues Ausstellungshaus für Hannover zu bauen, sondern auch ein Verständnis für zeitgenössische Architektur zu vermitteln. (jk)
Fotos: Sprengel Museum Hannover / Georg Aerni
Die Ausstellung „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“ ist noch bis zum 10. Januar 2016 im Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, zu sehen.
www.sprengel-museum.de
Der Brutalismus lebt. Aber anders, als wir ihn kennen. Mehr in der Baunetzwoche#396 „Very New Brutalism“
Das Glas-UG und der Beton-Mittelbau: Le Corbusier, Unitee d´Habitation, allover Europe Interieur/ Haupttreppe: F.L. Whright,Guggenheim, NY in Zusammenarbeit mit Gio Ponti, Bella Italia in den 50th Le Sternenhimmel: NDW, Hubert Kah Farbe: Back in Black, ACDC oder Amy Winehouse
viel größere bauchschmerzen habe ich in der tat bei dem geschwungenen treppenraum, der nicht so recht zum haus passen will und an den stellen, wo die fassade ins erdreich verschwindet bzw. unmotiviert darüber fliegt.
Fragwürdig erscheint eher die eklektizistisch zusammengewürfelte Komposition: Außen ein massives Volumen, dass auf einer Glasfassade aufgesattelt ist, die als Luftgeschoss nicht wirklich funktioniert, da sich die Profile deutlich abzeichnen. und fast wie Stützen wirken. Hinzu kommen die blechverkleideten Technik-Geschosse auf dem Dach, die irgendwie gar nicht zum monolithischen Betonquader passen wollen. Innen ist man dann konfrontiert mit einem Hauch beschwingter 80-er Jahre Ästhetik inkl. Sternenhimmel bei den Deckenleuchten und GK-Inferno. Man hat den Eindruck, als wäre jedes Bauteil von einem anderen Team entworfen worden, was dazu führt, das das Gebäude als Summe seiner Einzelteile erscheint und nicht als ganzes.