Digitaler Steinbruch
Medienkubus von Cloud 9 in Barcelona
Das war schon seltsam: Zur Pressekonferenz Ende Januar 2010, anlässlich der lang erwarteten Fertigstellung des neuen Media-Tic-Building in der katalanischen Metropole Barcelona, wurde als einziges Architekturmagazin eines aus Italien eingeladen. Doch nun ist es offiziell überall bekannt: Der „Digital Pedrera“ (übersetzt so viel wie „digitaler Steinbruch"), wie er in Barcelona überall genannt wird, steht: Die Bauarbeiten sind genau ein Jahr später als angekündigt endlich abgeschlossen.
Der neungeschossige Neubau eines Informations-, Kommunikations- und Technologie-Zentrums im ehemaligen Industrie-Viertel Poble Nou wurde von den Architekten Enric Ruiz Geli/ Cloud 9 (Barcelona) entworfen und geplant. In Poble Nou wird seit einigen Jahren eine ebenso intensive und ambitionierte Stadtentwicklung vorangetrieben, wie Anfang/Mitte der neunziger Jahre in der Altstadt und im Hafengebiet Barcelonas. Das 21 Millionen Euro teure Gebäude soll nicht nur Kommunikations-Drehscheibe und Treffpunkt für internationale Unternehmen und Institutionen werden, die im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien bzw. der Print- und audiovisuellen Medien tätig sind, es ist auch in architektonischer Hinsicht ein wegweisendes Projekt für ganz Spanien. Doch was steckt hinter diesem nachhaltigen Kubus mit der hellen, neon- grünen Stahlkonstruktion und seiner digital gesteuerten Plastik-Fassade?
In zwei der vier Fassaden des Media-Tic wurden performative Elemente aus dem Material Ethylen-Tetrafluorethylen (ETFE) verbaut. Diese ETFE-Oberflächen an der Süd-Ost-Fassade, die einem unregelmäßigen Mosaik aus konkaven und konvexen Dreiecken ähneln, bilden kleine Bläschen und können bis zu sechs Stunden Sonnenlicht am Tag absorbieren. Die extrem dünne Haut filtert das UV-Licht und ist dank einer Antihaft-Oberfläche selbst reinigend. Ein pneumatischer Mechanismus aus bis zu 300 Lichtsensoren reguliert des Weiteren die Stickstoffmenge innerhalb der Zellen.
Im Inneren des 32 x 32 x 32 Meter großen Kubus' befinden sich große Räume und Hallen, die jedoch durch die niedrige Deckenhöhe von ca. drei Metern etwas bedrückend wirken. Doch tröstet über dieses Manko angeblich der Ausblick aus der „performativen Architektur“ hinweg: Durch die abgerundeten Fenster im Sixties-Style kann man sich an Barcelonas Skyline erfreuen. In unmittelbarer Nachbarschaft steht u. a. Jean Nouvels Torre Agbar (siehe BauNetz-Meldung zur Eröffnung im Jahr 2005).
Alle Fotos: Iwan Baan
Unsere BAUNETZWOCHE#85 zu Stadt- und Platzplanung beim "Modell Barcelona"
dass in der Kommentarabteilung nur kognitive Schnellschüsse in Bezug zu den gezeigten Bildern zu finden sind. Selbst ein offensichtlich kritischer Mensch wie @solong schafft es nicht darüber hinaus zu wachsen.
Zum dem Gebäude:
Die "MediaTIC" von Cloud 9 ist primär ein energetisch optimiertes Gebäude. Vor diesem Hintergrund wurden Entwurfentscheidungen getroffen. Die grüne Farbe entspricht nicht einem modischen Trend, sondern geht auf die Eigenfarbe eines Minerals zurück welche die Eigenschaft haben (Licht)energie durch glühen wieder abzugeben. Die Farbgebung ist demnach eher als Beitrag zur "Nachtarchitektur" zu verstehen indem die Beleuchtung reduziert wird, stichwortBioluminiszenz.
siehe: vimeo(dot)com/20794755
Falls es den geneigten Leser interessiert empfehle ich das Buch über dieses Gebäude, verlegt von Actar Birhäuser.
mit dem gebäude kann ich mich jedoch leider auch nicht anfreunden. ob die farbe im innenraum für aufenthaltsqualitäten sorgt ist fraglich...
und urban ... und perfekt plaziert .. ?? ... nur mal so zur begriffsverbegreiflichung : .... in der architektur und dem städtebau bezeichnet urbanität die den eindruck von stadt hervorrufende anmutung eines raumes ....
anmutung hat natürlich etwas mit der sozialisation des betrachters zu tun ... als architekt und stadtplaner ... sowie als mensch der in dieser stadt lebt ... wird man diese situation wohl weder als anmutend noch als perfekt bezeichnen können ... vielleicht liegt ihre wahrnehmung eher auf der stufe der auf oberflächliche gimmicks ausgelegten medien ... als architekt ist so eine beurteilungsgrundlage natürlich unverantwortlich ... in den medien ist alles schon einen tag später vorbei ... gebäude stehen länger ... nachdenken ... jenseits von auffallen wollen ... liegt die aufgabe der architekten !!