Sichtbeton war gestern
Mauerhaus in Belgien
„Mauerhaus“ nennen die Architekten Ann-Véronike Roland und Georg Schmidthals ihr Projekt, das diesen Sommer fertig gestellt worden ist. Ihr Studio AND’ROL architecture (Namur) hat in der Nähe von Brüssel ein Einfamilienhaus zwischen einer Felswand und einer ehemaligen Festungsmauer realisiert – kein gewöhnlicher Kontext also. Entstanden ist ein Neubau mit einem auffallend dick verfugten Mauerwerk.
Geplant wurde das etwa 140 Quadratmeter große Haus für einen privaten Bauherrn. Die Besonderheiten des Grundstücks – einerseits die unmittelbare Nähe zu einer nahezu senkrecht abfallenden Felswand, andererseits seine geringe Tiefe und eine ungewöhnliche Längsausrichtung parallel zur Straße – waren für die belgischen Architekten eine Herausforderung.
Ausgangspunkt für das junge Team waren Spuren einer inzwischen verschwundenen nahen Befestigungsanlage. „Das Hauptelement des Entwurfs ist eine Umfassungsmauer, die teilweise zurückspringt, an Höhe gewinnt, und an die sich das kompakte und schlichte Hausvolumen schmiegt, wie an eine Burgmauer“, erläutert Georg Schmidthals. „Ein Großteil der Keller- und Abstellräume wurde aus dem Gebäude ausgegliedert und ebenfalls hinter der Mauer in einem zweiten, niedrigen Volumen untergebracht.“
Rohe Betonfertigteilstürze als Neuinterpretation der alten Festungsmauern aus Bruchstein werden durch das Relief hervorquellenden Fugenmörtels verstärkt. Im Innenraum wird die natürliche Geländeneigung durch eine Split-Level-Anordnung aufgenommen, die das offene Raumkonzept unterstützt und die gefühlte Wohnfläche vergrößert. Die Oberflächen sind bewusst schlicht und einfach gehalten, auch hier kommt roher Beton im Fußboden- und Deckenbereich zum Einsatz. Ein gelungenes Gegenbeispiel zu den glatten Sichtbetonbauten, die in den letzten Jahren so en vogue waren – den Namen AND'ROL sollte man sich merken.
Fotos: Georg Schmidthals/ AND'ROl architecture
die heraugequatschten mörtelfugen regnen nass (auch abhängig von der himmelsrichtung - der kleine nordpfeil auf bild 16 verrät uns, dass die se mauerwand ausgerechnet die westfassade ist. na gut. also das regnet immer wieder nass, trocknet, friert, und irgendwann fallen mal stückchen des hervorstehenden mörtels ab. OH SUPER, BAUSCHADEN!!! denkt der deutsche bauherr und wittert eine fette wiedergutmachung von der haftpflichtversicherung des architekten. OH NEIN, BAUSCHADEN!!! denkt der deutsche architekt und plant in zukunt nur noch wdvs, oder eine ordentliche verklinkerung, wie es sich gehört. vielleicht sind die in belgien da auch einfach etwas anders drauf. wenn ich mir den zustand der straßendecke vor besagtem anwesen anschaue, ist das zumindest nicht ausgeschlossen. und vielleicht stört es in belgien auch keinen großen geist, wenn ab und an mal ein stückchen mörtel abfällt, ein moos an der fassade wächst oder auch der eine oder andere baum, dessen samen sich auf den feuchten horizontalen gesimsen zum keimen niederlässt. das haus wird davon nicht gleich zusammenstürzen, sonst müssten viele andere alte gemäuer sich schon längst in luft aufgelöst haben. tip: einfach mal in 10 jahren hinfahren und nachschauen.