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05.04.2017

Kreativbusiness und verblichene Boheme

Masterplan von OMA in Shanghai


Manchmal tauchen sie noch in Filmen von Wong Kar Wai oder in künstlich vergilbten Fotoreproduktionen auf: Reminiszenzen an das bohemische Shanghai vor dem Zweiten Weltkrieg. Historisch ist diese Epoche – in der China quasi eine Kolonie der Westens war – ein schwieriger Bezugspunkt, kulturell aber wird sie als gut verkäufliche Blütezeit gehandelt. Vor allem im zubetonierten Shanghai von heute scheint eine Nostalgie für die Zwanziger wieder beliebt. OMA (Rotterdam) werden jetzt gemeinsam mit ECADI (Shanghai) und den Landschaftsarchitekten von West 8 (Rotterdam) genau diesen Nostalgie-Button drücken. Ein brachliegendes 5-Hektar-Gebiet im Zentrum der Stadt soll zu einem Quartier werden, in dem – im übertragenen Sinne – die Stimmung der Vorkriegszeit noch einmal auflebt. Columbia Circle wird das neue Kulturquartier heißen, finanziert vom chinesischen Projektentwickler Vanke.

Es ist verwunderlich, dass sich dieses von Betontürmen umwucherte Gelände im Zentrum der Metropole überhaupt erhalten konnte. In den Dreißigern verkehrte hier die High Society des kolonialen Chinas: Der US-Architekt Elliott Hazzard hatte dort ein aufwändiges Clubhaus für die amerikanische Elite errichtet und der Ungar Hugyecz László Ede eine Jugendstilvilla für den Sohn des Republikgründers Sun Yat-Sen gebaut. Beide bislang verlassenen Gebäude werden nun restauriert und als historische Monumente im Zentrum des Quartiers reinszeniert. Dabei werden West 8 die Parkanlage um die Villa neu gestalten und Vanke wird in dem alten Club von Hazzard ein Hotel mit Restaurants und Pool ansiedeln.

Insgesamt wandeln OMA und ECADI das zerfurchte Gelände in ein einheitliches Quartier um und binden auch die Zeugnisse späterer Epochen in ihren Masterplan für den Columbia Circle ein: Die umliegenden Industriebauten, die sich in den Fünfzigerjahren dort angesiedelt haben, werden die Architekten ebenfalls erhalten und stärken – Firmen, Gastronomie und Event-Spaces sollen dort einziehen. Das gesamte Gelände wird als öffentlicher Raum entwickelt, dessen einstige Straßen und Verkehrsflächen nicht mehr fürs Automobil, sondern für Fußgänger parkartig gestaltet werden. Zwei Zugänge – einmal im Norden und einmal im Süden – markieren das Gelände als zusammenhängende Einheit.

Um dem Gebiet seine nötige Dichte zu geben, werden ECADI und OMA außerdem drei Neubauten errichten. Im Kontrast zum historischen Bestand aus den Dreißigern und Fünfzigern sollen diese aus kubischen, hoch herausragenden Bauten bestehen, die mit freigelegten Treppenanlagen und sichtbarem Tragwerk den späteren Industriecharakter des Geländes unterstreichen. Auch dort sollen Firmen und Geschäfte einziehen, die insgesamt unter dem Begriff „Kreativwirtschaft” gehandelt werden. Das klingt irgendwie wild und frei, ob aber die Mischung aus Software-Start-Ups, Fitnessstudios, Restaurants und einer Eventhalle, die Projektentwickler Vanke dort ansiedeln will, wirklich dem zwielichtig, düsteren Charme der Dreißiger entsprechen, ist zumindest fraglich. (sj)


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