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06.09.2017

Der heiße Frieden

Ludwigshafen und BASF auf der Foto-Biennale


„Der heiße Frieden“ hat Architekturfotograf Arne Schmitt seine Fotoserie genannt. Es ist der Titel eines Imagefilms, den der Chemierkonzern BASF in den Sechzigerjahren produzieren ließ, um seine Produktpalette auch im Ausland zu bewerben. Waren für die Welt – und ein Fotograf, der 50 Jahre später genau hinschaut, wie die Expansion eines Konzerns damals dokumentiert wurde. Im Auftrag der Biennale für aktuelle Fotografie, die am 8. September in der Rhein-Neckar-Region startet, hat Schmitt das Unternehmensarchiv in Ludwigshafen durchforstet und selbst Aufnahmen von der Stadt am Rhein gemacht. Worum geht es ihm in dieser Serie? Und warum zeigt er sie ausgerechnet im Rahmen einer Ausstellung zum Thema Migration? Ein Gespräch über die Selbstdarstellung eines deutschen Großkonzerns in der Welt, über das Stadtbild von Ludwigshafen und Fehler aus der Vergangenheit.

Von Annika Wind

Wie kamen Sie darauf, sich mit der BASF zu beschäftigen? Der Konzern hat schon sehr früh das praktiziert, was man heute als globalisierte Wirtschaft bezeichnen würde: Neue Firmen zu gründen, vorhandene Firmen aufzukaufen, Joint-Ventures zu schließen.

Sie zeigen Ihre Fotos in einer Ausstellung
über Migration. Dabei denkt man zunächst an Gastarbeiter, die nach Deutschland kamen und kommen.
Mich interessiert in diesem Fall der umgekehrte Weg. Ich will anhand von reproduzierten Fotografien aus Werksmagazinen zeigen, wie die BASF ins Ausland expandiert ist.

Was ist auf diesen Magazinfotos zu sehen?
In der BASFinformation von 1968 bis 1977 gibt es hochwertige Fotografien, die Werke im Aufbau zeigen, Handelsvertretungen oder sehr oft Bürogebäude mit BASF-Schriftzug im internationalen Stil. Man kann nur anhand der Vegetation erahnen, wo sie jeweils aufgenommen wurden. Mich hat sofort interessiert, wie das Selbstbild der Firma damals aussah.

Warum haben Sie zus
ätzlich Gebäude aus derselben Zeit in Ludwigshafen fotografiert?
In Ludwigshafen befindet sich der Stammsitz der Firma. Die städtebaulichen und architektonischen Hinterlassenschaften der Wirtschaftswunderzeit sind hier sehr präsent, wenn auch in unterschiedlichen Zuständen. In meinen Fotografien blicke ich von der Gegenwart ausgehend auf dieses Erbe, setze einen lokalen Gegenpol zur globalen Aktivität der Firma. Meine Arbeit ist eine Montage von auseinanderliegenden Zeiten und Orten.

Wie hat die BASF die Stadtentwicklung von Ludwigshafen beeinflusst?
In den Sechzigerjahren setzte sie sich dafür ein, dass der Hauptbahnhof verlegt und das Straßennetz verbessert wird, weil zu den Stoßzeiten katastrophale Verhältnisse geherrscht haben müssen. Das Ganze, so hieß es in einem Text von BASFinformation aus der Zeit, müsse gelöst werden, noch bevor ein Theaterneubau anzugehen sei.

Auf Ihren Fotos bilden Sie
äußerst sachlich Ludwigshafener Bauten der Sechziger- und Siebzigerjahre ab: Das Kulturzentrum DasHaus, das Arbeitsamt, Wohnhäuser entlang der Hochstraßen. Was genau wollen Sie mit diesen nüchternen Dokumentationen zeigen?
Ich versuche, auf meinen Fotos die Gebäude so herauszuarbeiten, dass die gestalterische Absicht, der Entstehungskontext und der Reiz von damals wieder spürbar wird. Zugleich soll aber auch ihr gegenwärtiger, oft maroder Zustand sichtbar werden.

Die BASF hatte 1957
das Friedrich-Engelhorn-Haus von HPP bauen lassen, das Wahrzeichen des Stammsitzes und einst das höchste Haus Deutschlands. 2014 wurde es abgerissen. Sind Ihre Fotos auch ein Plädoyer, solche Gebäude zu erhalten?
Zum einen sollte man die Nachkriegsarchitektur grundsätzlich ernst nehmen und aus den Sechzigern lernen, in denen ganze Gründerzeit-Wohnquartiere abgerissen wurden. Womöglich wird man die Nachkriegsarchitektur in 20 Jahren noch einmal ganz anders bewerten. Zum anderen sollte man sich die Kontexte vor Augen führen und klar machen, warum diese Bauten damals so entstanden sind.

Farewell Photography - Biennale für aktuelle Fotografie
Eröffnung:
Freitag, 8. September 2017, 19 Uhr
Ort: Port25, Hafenstraße 25-27, 68159 Mannheim

Arne Schmitts Serie „Der heiße Frieden“ ist bis 5. November 2017 in der Gruppenschau „Global Players“ zu sehen.
Darin hinterfragt Kuratorin Kerstin Meincke, wie sich Fotografie, Ökonomie und Migration zusammen denken lassen.
Ort: Kunstverein Ludwigshafen, Bismarckstr. 44-48, 67059 Ludwigshafen


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Die Ludwigshafener Fußgängerzone

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„In dieser Serie ging es mir um emblematische Bauten - wobei das natürlich relativ ist, keines der gezeigten ist meines Wissens überregional bekannt und von einem der großen Namen entworfen worden“. Arne Schmitt hat auch das zeittypische Kulturzentrum „DasHaus“ in Ludwigshafen fotografiert.

„In dieser Serie ging es mir um emblematische Bauten - wobei das natürlich relativ ist, keines der gezeigten ist meines Wissens überregional bekannt und von einem der großen Namen entworfen worden“. Arne Schmitt hat auch das zeittypische Kulturzentrum „DasHaus“ in Ludwigshafen fotografiert.

„Die Nichtanbindung an die Innenstadt ist ein bleibendes Grundproblem dieser Siedlungen“, sagt Arne Schmitt über die Trabantenstadt Pfingstweide, die Albert Speer baute.

„Die Nichtanbindung an die Innenstadt ist ein bleibendes Grundproblem dieser Siedlungen“, sagt Arne Schmitt über die Trabantenstadt Pfingstweide, die Albert Speer baute.

Die Hochstraßen von Ludwigshafen sind dringend sanierungsbedürftig – ein Teil von ihnen soll abgerissen werden: Wohnhäuser in der Dessauerstraße.

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