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29.10.2014

Meteorit der Hochkultur

Konzerthaus in Blaibach von Peter Haimerl


Ein Dorf am Rande der Republik, auf halber Strecke zwischen München und Prag, weitab von jeder Großstadt: Viel Leben erwartet man hier nicht. Blaibach im Bayrischen Wald ist jedoch anders und das hat viel mit Architektur zu tun. Als nämlich der Dorfkern zu veröden drohte, initiierte der Münchener Architekt Peter Haimerl zusammen mit den Bürgern Blaibachs mehrere Projekte, die ein Gefühl des Aufbruchs vermitteln sollten.

Man begann mit dem Bürgerhaus, dessen alte Substanz nun von einem zeitgenössischen Kleid aus Sichtbeton ummantelt wird. Dann jedoch wagte man sich an die vielleicht radikalste Investition in Blaibachs Zukunft und errichtete, ebenfalls nach den Plänen Haimerls, ein Konzerthaus für 200 Besucher. Und angesichts des rohen Baukörpers, der da halb in der Erde steckt, scheint es fast, als sei die Hochkultur wie ein Meteorit auf dem Dorfplatz eingeschlagen.

Das stimmt allerdings nicht ganz, und vollkommen daneben läge man, wenn man in Blaibach die Sehnsucht nach dem Bilbao-Effekt vermuten würde. Zuerst war hier nämlich der Inhalt, und zwar in Form des Musikfestivals Kulturwald, das der Sänger Thomas Bauer und die Pianistin Uta Hielscher vor einigen Jahren initiiert haben. Das Konzerthaus ist jetzt der neue Mittelpunkt des Festivals und nimmt sich doch zurück.

Eine offene Treppe führt unter den Felsen ins Foyer, von wo aus man in den steilen Saal gelangt. Dessen gekippte Form samt seiner vielfach geschlitzten Wände folgt nicht dem Effekt, sondern ausschließlich den Vorgaben der Akustiker. Aufwendig war die Schalung des Sichtbetons allerdings trotzdem, ebenso wie das Ergebnis dank der Mischung aus Archaik und Präzision aufsehenerregend ist.

Als multifunktionale Architektur ist der Saal übrigens nicht gedacht, nur Musik wird man hier erleben können. Diese Fokussierung auf das Wesentliche ist der eigentliche Gewinn des Blaibacher Modells. Architektur wurde hier zunächst als Katalysator für Veränderungen gedacht, aber gerade weil sie aus der Gemeinschaft heraus entstanden ist, mussten hier endlich einmal keine Kompromisse in Kauf genommen werden. (sb)

Fotos: Edward Beierle


Zum Thema:

www.kulturwald.de


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