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20.03.2014

Verzogene Geometrie

Kleine Halle oder großes Zelt: Restaurant-Anbau in der Schweiz


Manchmal gibt es für „schräge“ Entwurfsideen in der Architektur handfeste Gründe:Die verzogene Geometrie des Pavillons vermeidet parallele Wand- und Deckenflächen. Sie unterdrückt damit vor allem die für sensible Hörgeräte kritischen Flatterechos.“ Das erläutern die Architekten Büning-Pfaue Kartmann zu ihrem Restaurant „Alpenblick“ in Uetendorf im Schweizer Kanton Bern. Vor 90 Jahren als Taubstummenheim gegründet, beherbergt das Anwesen noch heute eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Hörbehinderte. Diese Institution betreibt neuerdings ein Restaurant in einem Anbau an ein Fünfziger-Jahre-Bestandsgebäude. Dazu hatte es 2010 einen Wettbewerb gegeben, den die Baseler Architekten gewannen.

Das Anwesen war im Laufe der Zeit ausgebaut worden und bestand zuletzt aus jüngeren Wohnhäusern, Wirtschaftstrakten und Werkstätten. Das lose Ensemble um einen grünen Innenhof orientierte sich kaum mehr zur umgebenden Landschaft. Die Architekten haben den neuen Pavillon an das obere Ende der langen Zufahrtsrampe auf die Hangkante gesetzt. Hier, an der Schwelle zum Innenhof, hat man die beste Sicht auf Eiger, Mönch, Jungfrau und die benachbarten Berge.

Der Betrieb musste beim Bau des neuen Pavillons unverändert weiterlaufen. Die Architekten konnten auch seine nächste Umgebung nicht neu ordnen oder umgestalten. Wichtig war ihnen darum, mit dem Gastraum eine geschützte Atmosphäre zu schaffen, aus der heraus die Landschaft „als gefasstes Bild“ wahrgenommen werden kann.

Neben der akustischen Eigenschaft gliedert die Figur der vor- und zurückspringenden Außenhülle den Gastraum in eine Abfolge separater Bereiche, die sich rings um den inneren Kern der Küche legt. Die tief eingeschnittene Südterrasse unterteilt den Hauptraum so, dass kleinere geschlossene Gesellschaften und regulärer Restaurantbetrieb parallel stattfinden können.

Büning-Pfaue Kartmann suchten eine Sprache, die zum einen der ländlich geprägten Nachbarschaft gerecht wird, sich aber andererseits als öffentliches Haus erkennbar von den umgebenden Nutzbauten absetzt. Neben hölzernen Wintergärten und verglasten Veranden der klassischen Grand-Hotellerie bezogen sie sich auf „Bilder von Orangerien, Gartensälen, Festzelten und ähnlich mondän gestimmten Kleinarchitekturen“.

Sie erläutern weiter: „Die silbrig lasierten Holzlatten der Fassade, die spitzen Gebäudeecken und der fehlende Dachüberstand bemühen einen textilen Ausdruck. Auch die geschosshohen Ausschnitte der Gebäudehülle, deren Schaufensterflächen und die einknickende Glasfassade der großen Loggia sollen die Wahrnehmung als ‚Haus‘ zurücknehmen – und statt dessen eine kleine Halle oder ein großes Zelt andeuten.“ (-tze)

Fotos: Ruedi Walti, Basel


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Speisekarte Restaurant Alpenblick

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