Beten und Wohnen
Kirchenumbau in Köln
„Teuer wohnen statt beten“ – lautet ein Titel in der Kölner Stadtrevue vom Oktober 2013. Der Abriss und Umbau der Kölner Christuskirche im Belgischen Viertel wurde von Kritik und Polemik begleitet. Denn eine Kirchengemeinde wurde hier zum Immobilienunternehmer. 2014 entschied sie sich, das Langschiff ihrer neogotischen Kirche abreißen zu lassen und drumherum eine Wohn- und Geschäftsanlage zu fügen. Der Kirchturm selbst blieb mit einem kleinen Gemeinderaum erhalten. 199 Menschen anstelle von 522 finden hier noch ihren Platz. Dafür sind um den gekappten Sakralbau herum 21 Mietwohnungen und zusätzliche Büros sowie Geschäfte entstanden. Die neue Christuskirche wird am 25. September 2016 in einem Festgottesdienst feierlich eingeweiht.
Die Arbeitsgemeinschaft Hollenbeck Architektur und MAIER ARCHITEKTEN (beide Köln) hat den Entwurf für Umbau und Umnutzung geliefert. Ihnen ist dabei ein spannender Zusammenstoß von einem patina-verdunkelten Sandsteinaltbau mit einem weiß verputztem Neubau gelungen. Wie eine Klammer legt sich das viergeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude um den erhaltenen Kirchturm herum und bildet einen Innenhof. Mit leicht angewinkelten Außenwänden öffnet sich dieser Klammerhof zum Himmel, während er sich an den Flanken zum Altbau verengt.
Die Außenwände des Neubaus bilden zugleich die Innenwände des reduzierten Kirchenbaus und erwecken den Eindruck eines überdimensionierten Dachs. Auch hier, komplett weiß verputzt, kontrastieren die neuen Strukturen mit den alten Fragmenten des Chorbereichs. Den Gedanken eines Kontrasts nicht nur zwischen Bestand und Neubau, sondern auch zwischen Sakral- und Profanbau formulieren Hollenbeck und Maier über die auffällige neue Front der Kirche. Sie ist aus Cortenstahl, eine doch zu extreme und leider auch etwas abgenutzte Materialwahl bei dem sonst sehr schönen Konzept. (sj)
Fotos: Axel Hartmann
Eine Riesenchance für das wunderbare und vorher wohnliche Viertel wurde vertan, ein sozialer, kultureller und geistiger Treffpunkt mutwillig und profitgierig zerstört, statt ihn resourcensparend zu renovieren. Alles ist hässlich und auf dem flachen Geschmacksniveau einer ländlichen Kreissparkasse, sogar die Gartengestaltung à la „Bonsai Buchenwald“ an einer völlig unmotiviert aufragenden Rostwand. Dieser Innenhof spiegelt das atmosphärische und seelenleere Desaster der Bauherren in drastischer Weise. Eines ist noch bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Selbst Wildpinkler und kiffende Jugendliche meiden diesen Ort, da können sich die Architekten wenigstens einmal auf die Brust klopfen.
Der Blick wäre zumindest für ein Paar Wohnungen sehr befreiend gewesen... Sich im "Blockinneren" gegenseitig zu bespielen ist sicherlich unterhaltsamer, aber auf die Dauer nervtötend...
über architektur und städtebau der neuen wohnbauten kann man streiten. interessant ist das projekt aber meines erachtens eher als konzept für den nutzungsmix. vielleicht wäre es auch interessant gewesen, statt der geschosswohnungen betreutes altenwohnen umzusetzen, da gäbe es sicher gewisse synergien mit der kirchnutzung.
vielleicht kann man die pfeifen der gegner zu einer schönen orgel zusammenstellen! (ich glaube an keinen gott)