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10.05.2017

Reboot Eiermann

Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche saniert


Sie ist eines der eindrucksvollsten Mahnmale des Zweiten Weltkrieges: Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Berliner Breitscheidplatz. Nach der Zerstörung durch Fliegerbomben 1942 wurde die Ruine der Kirche durch einen Neubau ergänzt. In den Jahren des Kalten Krieges markierte sie mit den vier Anbauten von Egon Eiermann – Kirche, Glockenturm, Foyer und Kapelle – den Endpunkt des „Schaufenster des Westens“ am Kurfürstendamm – ohne dabei jedoch ihre Geschichte zu negieren: Der international bedeutende Architekt der deutschen Nachkriegsmoderne gliederte, wenn auch zunächst widerwillig, die Überreste des neoromanischen Gotteshauses in sein streng geometrisches Ensemble ein.

Seit einiger Zeit war die Kapelle eingerüstet. Abgase und Umwelteinflüsse hatten dem Stahlskelett-Flachbau mit Betonausfachung und den emblematischen Wabenfenstern über 50 Jahre hinweg massiv zugesetzt, obwohl immer wieder Wartungsarbeiten stattfanden. Am morgigen Donnerstag wird die Kapelle nach 16 Monaten aufwendiger Sanierungsarbeiten wiedereröffnet. Architekten, Bauherrn, Historiker und der Pfarrer der Gemeinde berichten über das Projekt, abends findet dann der erste Gottesdienst statt – allerdings nur vor geladenen Gästen.

Financier und Bauherr der Restauration ist die Wüstenrot-Stiftung, die sich in ihrer denkmalpflegerischen Tätigkeit besonders um das kulturelle Erbe der Nachkriegsmoderne bemüht – Bauten also, deren Lobby weniger breit aufgestellt ist. So unterstützt sie Kampagnen wie #SOSBrutalism und umfassende Sanierungsarbeiten wie zum Beispiel am in Berlin gelegenen Umlauftank 2 von Ludwig Leo oder am Bonner Kanzlerbungalow von Sep Ruf.

2013 gab die Stiftung eine Machbarkeitsstudie für das Ensemble der Gedächtniskirche in Auftrag. Hauptaugenmerk war dabei der getreue Umgang mit dem Eiermann'schen Original und die nachhaltige Verlängerung seiner künftigen Instandhaltungszyklen – was sich angesichts der für die Nachkriegsmoderne noch recht ungewöhnlichen Materialwahl und der ästhetisch motivierten Konstruktionsdetails des Architekten anspruchsvoll gestaltete. So flossen insgesamt 1,4 Millionen Euro in die Forschung an und die Instandsetzung der Kapelle. Eine weitere sechsstellige Summe wird für das Forschungsprojekt zur Bauuntersuchung des ebenfalls stark sanierungsbedürftigen, hexagonalen Glockenturms, dessen Wabenverglasung einem anderen Konstruktionsprinzip folgt, aufgewendet.

Die beauftragten Architekten, adb Büro für Architektur, Denkmalpflege und Bauforschung | Ewerien und Obermann (Berlin) und ein Restauratorenteam kümmerten sich präzise um die einzelnen Komponenten der Kapelle: Aufgrund von Korrosion an der Bewehrung abgeplatzte Schichten von dünnem Dyckerhoff-Weißzement mit weißem Quarzbruch wurden originalgetreu nachgebildet. Die Stahlkonstruktion erhielt ihren ursprünglichen, dunklen, die Betonfertigteile im Innenraum ihre helle Farbgebung zurück. Auch die teilweise verrottete, ohne Verschraubungen gefertigte Holzgitterkonstruktion, die die Wabenfenster im Inneren ziert, wurde detailgenau rekonstruiert.

So wird die Gestaltungskraft Egon Eiermanns wieder erfahrbar und die öffentliche Wahrnehmung des Breitscheidplatzes mit einem weiteren Baustein der baulichen und kulturellen Entwicklung in der City West gestärkt. (kms)



Fotos: Thomas Wolf / Wüstenrot Stiftung, adb Büro für Architektur, Denkmalpflege und Bauforschung / Ewerien und Obermann




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