Offene Schlaufe am Humboldthafen
KSP gewinnen Wettbewerb in Berlin
Offene Schlaufe am Humboldthafen
KSP gewinnen Wettbewerb in Berlin
Vorgestern wurde der geladene Wettbewerb für das Bürogebäude „Humboldthafen” in Berlin-Mitte entschieden. Die Jury unter Vorsitz von Wolfgang Schneider (ASP Architekten Schneider Meyer Partner) entschied sich für folgende Preisträger:
- 1. Preis: KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt
- 2. Preis: Müller Reimann, Berlin
- 3. Preis: Barkow Leibinger Architekten, Berlin
„Es galt eine Architektursprache zu finden, die sowohl die stadträumliche Qualität und die Lage am Wasser in die Gebäude- und Grundrisskonzeption aufnehmen und eine Identität korrespondierend zu dieser Wasserlage schafft, aber auch dem Monument des Bahnhofes nicht Konkurrenz macht, sondern diesen rahmt und städtebaulich verankert. Diese Aufgabe hat KSP – Jürgen Engel Architekten sehr gut gelöst“, lobt die Berliner Sentasbaudirektorin Regula Lüscher den Siegerentwurf.
KSP schlagen einen offenes Bauwerk vor, dass sich mit drei großen Innenhöfen zur Uferkante und zur Straßen hin öffnet. Das sieben- bzw. achtgeschossige Bürogebäude greift die Vorgaben des Master- und Bebauungsplans auf, die an dieser Stelle Gebäude mit Hofstruktur vorsahen, öffnet jedoch die engen Höfe nach außen hin.
„Alle Einheiten des Büroneubaus mit rund 30.000 Quadratmetern Geschossfläche (BGF) haben dadurch einen Ausblick zum Humboldthafen oder zur Spree“, schreiben die Architekten. „Die städtebaulich wichtigen Kanten werden durch den Baukörper gestärkt.“ Die Bebauung des ersten Grundstücks am Lennéschen Humboldthafen soll zudem den Maßstab für die weiteren Bauvorhaben setzen.
Die Architekten erläutern weiter: „Der als Mäander gestaltete Körper gliedert die Ansichten im Westen und Osten als ruhige und klare Volumina. Die spielerisch angeordneten, geschlossenen Fassadenmodule aus Glasfaser armiertem Beton betonen die Horizontalität der Mäanderform.“ Der schlanke Gebäudekörper soll außerdem optimale Voraussetzungen für eine bestmögliche Tageslichtnutzung bieten, die durch weiße Steinfassadenelementen als Lichtverstärker zusätzlich gesteigert werden soll.
Mit den Bauarbeiten soll so schnell wie möglich begonnen werden – die Fertigstellung ist schon für 2014 geplant. Zu den zwei weiteren eingeladenen Teilnehmern zählen die Büros Florian Fischötter Architekten (Hamburg) sowie nps tschoban voss. Ende April sollen alle fünf Konzepte in einer Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bis dahin wurde vom Auslober, der OVG Humboldthafen GmbH & Co. KG, nur Bildmaterial des ersten Preisträgers zur Veröffentlichung freigegeben.
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was berlin wirklich fehlt (und auch unter stimmann efehlt hat) ist eine politik, die in der lage ist, sich auch mal im interesse von uns allen gegen investoreninteressen durchzusetzen. und das bedeutet sicher mehr als 15% wohnanteil im luxussegment oder eine "öffentlich zugängliche" shoppign mall.
abers ingesamt ist mir lüschers laissez fair immer noch lieber als stimmanns einseitiger dogmatismus.
ich sehe hier keinen maßstab.
das problem ist ja gar nicht die einfallslosigkeit
der endlos abgemeterten fassadenstruktur
(denn rückblickend werden diese jahre sowie so als eine merkwürdige art von strukturalismus bewertet werden, von dem wir gedacht hatten, er wäre mit den siebziger jahre bauten beerdigt worden...)
das problem ist sehr wohl ein städtebauliches und ein politisches. es geht um die parzellengrößen, in denen die stadt gebaut wird, in denen die stadt sich verkauft und verplant.
hier fehlen wohl jegliche begrenzungen nach oben.
ich erinnere mich an die schrift "die dritte stadt"
von axthelm - ein gigantisches plädoyer für die parzelle als grundbaustein und maßstabsbilder der stadt. stammt von 1993 und ist leider wieder in vergessenheit geraten.
bitte lesen!
bitte in der senatsbauleitung in jedem zimmer kostenlos verteilen!
bitte nicht so weitermachen, das ist der falsche maßstab!
nachdem jetzt ca. 15 jahre diese strukturfassaden die architekturwettbewerbe gewinnen, bei denen ausnahmslos immer die städtebauliche idee prämiert wird, außer natürlich die staädtebaulichen wettbewerbe, hier zählt selbstverständlich nur die architektur, hatte ich gehofft, dass diese bedeutungslosigkeit nicht auch noch in berlin 2011 in diesem maße gebaut werden muss. schade um die tollen grundstücke!
Das ist meine ehrlich gemeinte Frage! Dass Herr Stimman schlecht war, das hat uns die Baunetz-Redaktion oft und ausführlich erklärt. Jedoch was an Frau Lüscher jetzt besser sein soll, wurde bisher nicht erläutert.
"kontextueller Städtebau", "qualitätsvoller Lückenschluss" - mit diesen Ankündigungen übernahme Frau Lüscher das Amt.
Ein kleiner Auszug von Projekten während ihrer Amtszeit, die doch ein paar Fragen aufwerfen;
- TLG-Komplex Karl-Liebknecht-Straße
von Frau Lüscher in den höchsten Tönen gelobt, bitte mal die gebaute Realität ansehen
- Leipziger-Platz-12 (ehem. Wertheim)
Die Seite zum Leipziger Platz musste vom Investor Huth, welcher einen stärker an das ehem. Kaufhaus erinnernden Entwurf vorlegte, auf Wunsch von Frau Lüscher geändert werden. Die nun gebaute Langeweile (siehe Internetseite des Projets) macht den LP nun endgültig zu einer architektonischen Belanglosigkeit.
- IVG-Hotel-Projekt an der Otto-Braun-Straße
Ausgelobt wurden von Frau Lüscher ein Haus aus Aluminium (Ludloff). Über Geschmack lässt sich streiten, jedoch selbst der Investor erkannte, dass dieser Entwurf einem Hotel nicht würdig ist und baut nun den Zweitplatzierten.
- OVG-Projekt am Humboldthafen
OVG wollte einen Entwurf von Hilmer und Sattler bauen, Frau Lüscher wollte das aber nicht, und nun kommt dieses "außergewöhnliche Haus" von KSP zum Einsatz.
Die Frage ist nur, warum wird einem Investor der Bau von Hilmer und Sattler verweigert, und das Hotelgebäude (ehem. Meermann) im Norden des HbH braucht keinen Wettbewerb ausloben. Und nicht zu vergessen "verspielte Fensteranordnungen" - was für ein Stilmittel.
Sorry, wenns ein bischen plump rüberkommt, aber ich kann bei Frau Lüscher keine Richtung, kein Konzept, nicht einmal den Willen zu guter Architektur erkennen. Unvergessen ihr Ausspruch zum geplanten Intercity-Hotel am Hauptbahnhof, "ein außergewöhnlicher Ort, braucht außergewöhnliche Architektur".
Meine Wut bitte so verstehen, dass ich sehr viel auf diese Frau hielt. Die Ernüchterung ist nun leider in Resignation umgeschlagen. Wäre trotzdem nett, wenn sich die Baunetz-Redation hierzu mal äußern würde, denn Frau Lüscher ist seit 2007 in Berlin, das sind nun vier Jahre, die Schonfrist ist um.
Das Dilemma modernistischer Ideologie. Verzicht auf jeglichen Ortsbezug = Austauschbarkeit.