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02.11.2017

Geschlossener Klotz mit Aussicht

Jugendherberge in Südfrankreich von Antonio Virga


Im Departement Lot zeigt sich Südfrankreich wie aus dem Bilderbuch. Eine kleinteilige Hügellandschaft, schroffe Felsen und pittoreske Dörfer prägen die Landschaft. Sie zählt zu den ärmsten Regionen des Landes. Im Ancien Régime versteckten sich hier Revolutionäre, im 20. Jahrhundert wurde das Departemente zum Sehnsuchtsort von Aussteigern und Hippies. Wer die Gegend touristisch erkunden will, dem bietet sich in Cahors, knapp 100 Kilometer nördlich von Toulouse, eine neue, architektonisch bemerkenswerte Unterkunft. Nur einen Steinwurf entfernt von der berühmten Pont Valentré hat das Pariser Büro Antonio Virga Architecte das Centre d'Hébergement et d'Accueil International CHAI fertiggestellt.
 
Die viergeschossige Jugendherberge überrascht auf den ersten Blick, weil sie so geschlossen wirkt. Vor allem die drei in Weiß gehaltenen Obergeschosse, die von der Hauptstraße aus wie geschichtete Platten wirken, fallen in dieser Hinsicht auf. Kantig und massiv liegt das Haus zwischen Straßen und Bahnstrecke, in nächster Nähe eines großen Hotels und des örtlichen Kulturzentrums. Die unmittelbare Umgebung des Hauses ist also weniger kleinteilig als die Fotos suggerieren, die plastische Präsenz durchaus angebracht.
 
Der Grundriss erklärt, warum sich das Haus nach außen hermetisch gibt. Die 38 Zimmer mit insgesamt 94 Betten sind auf zwei Etagen zum Innenhof orientiert. Erschlossen werden sie durch je einen langen Flur, der sich um die gesamte Außenseite des Hauses zieht. Ob dieser in weiten Bereichen fensterlose Schlauch ein angenehmer Raum ist, darf bezweifelt werden.

Die strikte Orientierung der Zimmer zum Hof scheint – auf Grund der potentiellen Lärmentwicklung – nicht ganz unproblematisch, so charmant die Idee des Jardin secret in architektonischer Hinsicht auch wirkt. Sicherlich entschädigt hierfür die geradezu luxuriöse Aussicht vom Speisesaal im obersten Geschoss und von der direkt anschließenden, großzügigen Dachterrasse. Während also keines der Zimmer eine prominente Lage bietet, genießen alle Gäste den Ausblick auf Fluss und Brücke gleichermaßen von der Dachterrasse aus – eine geradezu egalitäre Geste der Gemeinschaftlichkeit. (gh)

Fotos: Luc Boegly


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