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03.02.2017

Muster lokaler Kreativität

Jorge Urias Studio in Mexiko


Nur einen Steinwurf hinter der berühmt-berüchtigten Grenze zwischen den USA und Mexiko liegt Anapra, eine informelle Siedlung am Rande von Juarez-Stadt. Die Siedlung mit geschätzten 25.000 Einwohnern entstand erst in den letzten eineinhalb Jahrzehnten. Hier leben vor allem Arbeiter, die in zollfreien Produktionszonen bei niedrigem Lohnniveau für US-amerikanische Betriebe arbeiten. Zusätzlich zu dieser ökonomischen Abhängigkeit leidet die Stadt unter massiver Gewalt aufgrund des sogenannten mexikanischen Drogenkriegs, der seit knapp zehn Jahren in weiten Teilen des Landes tobt.

In diesem mehr als prekären Kontext hat der Architekt Jorge Urias mit seinem Studio kürzlich ein robustes Gebäude mit fünf Ladeneinheiten realisiert. Urias stammt aus Juarez, hat in New York am Pratt Institute studiert und betreibt ein kleines Büro mit Sitz in beiden Städten. Der eingeschossige Neubau ist denkbar simpel strukturiert. Fünf Ladeneinheiten wurden aneinandergereiht, wobei jeder Laden nur aus einem einzigen Raum und einer kleinen Toilette besteht.

Der Clou des Entwurfs ist die schwere Betonfassade, die der einfachen Konstruktion eine ausdrucksstarke Sichtbarkeit verleiht. Die Vorderfronten der Läden liegen einen Meter hinter der Fassade und haben schwarz lackierte Fenster- und Türprofile. Das erzeugt einen interessanten Verschattungseffekt, der die Präsenz der schweren, kopflastigen Betonfassade zusätzlich betont. An der Fassade selbst arbeiteten die Architekten mit einfachen, aber effektvollen Mustern. Die einzelnen Platten wurden liegend vor Ort gegossen und dann montiert; die Oberfläche blieb unbehandelt.

In ihrer Veröffentlichung zum Projekt betonen die Architekten die Auseinandersetzung mit den Wohnbauten der Bewohner von Anapra, die – den knappen ökonomischen Ressourcen geschuldet – viel in Selbstbau und mit einfachen, unveredelten Materialien arbeiten. Den Entwurf in seiner rauen, ungekünstelten und fleckigen Oberfläche verstehen Jorge Urias Studio in diesem Sinne als Referenz an die Kreativität der lokalen Bevölkerung und ihrer Bauten. (gh)

Fotos: Rafael Gamo


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