Gehry am Alex
Hochhauswettbewerb in Berlin entschieden
Zwanzig Jahre lang ist kein einziges Hochhaus aus Hans Kollhoffs Masterplan für den Berliner Alexanderplatz realisiert worden. Just zu dem Zeitpunkt, an dem dieser Plan generell in Frage gestellt wird, kommt nun der Vorstoß eines amerikanischen Investors: Er will auf dem so genannten Baufeld D4 neben dem Einzelhandelsgebäude „Die Mitte“ ein 150 Meter hohes Wohnhochhaus mit 300 Eigentumswohnungen errichten. Dazu wurde ein zweistufiger Wettbewerb unter neun Büros durchgeführt, von denen neben den Preisträgern auch Ingenhoven zur Überarbeitung gebeten wurde. Die Jury unter Vorsitz von Peter P. Schweger kürte aus den Finalisten diese Rangfolge:
- 1. Preis: Gehry Partners LLP, Santa Monica
- 2. Preis: Kleihues+Kleihues, Berlin
- 3. Preis: Barkow Leibinger, Berlin
Teilnehmer der ersten Runde waren außerdem David Adjaye, Architectonica, BE Berlin, David Chipperfield und Hans Kollhoff.
Der Investor stellte die Entwürfe heute vor und teilte mit, dass der Gewinnerentwurf der Architekten Gehry Partners die Jury mit seinem skulpturalen Erscheinungsbild, das durch die Rotation von Kuben auf viele Punkte der Stadt Bezug nimmt, insbesondere auf die angrenzende Karl-Marx-Allee, überzeugt habe. Durch seine außergewöhnliche Form entwickele das Gebäude an diesem Standort eine ganz neue Architektursprache. Darüber hinaus zeigte sich das Preisgericht „von dem harmonischen Fassadenbild und dem mineralischen Material des entworfenen Gebäudes begeistert“. Die Jury sei zu dem Schluss gekommen, dass die Entwicklung eines Hochhauses mit Wohnqualität an diesem zentralen Ort durch Gehry Partners in besonders überzeugender Weise gelöst worden sei.
Weiter zitiert der Investor die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: „Der Entwurf von Gehry hat einerseits eine ausdrucksstarke Form und eine für diesen Standort ungewöhnlich exzentrische, neuartige Formensprache. Und doch strahlt seine Fassade eine angenehme Ruhe aus. Zudem fügt sich der Entwurf gut in seine Umgebung ein und vermittelt am besten den Aspekt des großstädtischen Wohnens.“
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten: noch bis zum 12. Februar 2014
Ort: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin
Und genau das passiert... nuff said.
Noch leben wir in einem freien Land, in dem freie Bürger/Bauherren grundsätzlich frei darüber entscheiden können und können sollen, wie und mit wem sie bauen. Würden Sie denn wollen, dass die Bewohner einer Einfamilienhaussiedlung Ihnen in die Planung Ihres Eigenheimes reinreden....? Die sind doch imZweifel von Ihrem schlechten Geschmack genauso betroffen. Und warum nur bei der Architektur?..Warum nicht gleich über alles, was im öffentlichen Stadtraum zu sehen ist, abstimmen lassen...(Der neue Mercedes designed by Hinz and Kunz?)...Oder die neue Kollektion von H&M by Lagerfeld and the people of Berlin? Man mag ja manche Architektur "irgendwie blöd" finden, aber es bricht wohl keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er diese schlimmstenfalls "aushält", wenn sie ihm nicht gefällt. Anzunehmen, "Volkes Stimme" wüsste besser, was für alle gut und "richtig" ist, hat doch nichts mit Demokratie zu, sondern höchstens ochlokratisch. Mir z.B. "stinkt" die Berliner Feinstaubabluft mehr als ein missratener Architekturentwurf. Und gegen erstere könnte man politisch und gesellschaftlich wirklich etwas tun ohne gleich die über Jahrhunderte mühsam erkämpften individuellen Freiheitsrechte einzuschränken. Please get your priorities straight!
Erstaunlich mit anzusehen, wie der Kollhoff'sche Städtebau Libeskind'sch umgesetzt wird.
Und zu den Entwürfen fällt mir wirklich nicht viel ein. Offensichtlich ist nur noch eine Mischung aus Trademark und wirtschaftlichen Interessen von Investoren in der Architektur heute möglich. Dabei bleibt irgendwie der Städtebau völlig liegen. Zum jetzigen Alex passt dieser Würfelhusten vielleicht ganz gut, aber ich dachte der Platz sollte schöner werden?