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25.08.2017

Umsteigen im Pavillon

Grüner Bahnhof Nr. 2 steht in Wittenberg


500 Jahre Reformation, da muss alles stimmen. Die Deutsche Bahn und die Lutherstadt Wittenberg haben das Jubiläum zum Anlass für ein neues Empfangsgebäude am Bahnhof genommen. 3.650 Pendler kommen dort täglich an, im Jubiläumsjahr, so schätzte man, werden es Tausende mehr sein, die der Wirkungsstätte Martin Luthers einen Besuch abstatten wollen. Der Bahnhof wurde bereits im Dezember letzten Jahres in Betrieb genommen, heute erhält er die Auszeichnung Bahnhof des Jahres.

Für die Architekturwelt ist der Preis wenig relevant, prämiert wird eher die Kundenfreundlichkeit, selten sind Neubauprojekte dabei. Die Jahre zuvor ging der Preis nach Steinheim und Stralsund. Dennoch bietet die Verleihung Anlass für einen genaueren Blick. Denn mit dem Bahnhof von Lutherstadt Wittenberg werden auch die Bemühungen der Bahn für ihr Vorzeigeprojekt „Grüner Bahnhof“ prämiert. Es  steht für den Anspruch, Bahnhaltepunkte klimaneutral zu betreiben.

Weil die Bahn keine Verpflichtung hat, Planungsprojekte europaweit auszuschreiben, wird sie hin und wieder für ihre intransparente Vergabepolitik kritisiert. Nicht zuletzt entscheiden dort oft auch die Länder oder Kommunen mit, die sich meist an den Baukosten beteiligen. Was noch immer nicht alle wissen: Die Bahn unterhält seit 2008 eine hauseigene Planungsabteilung. Die derzeit unter dem Namen I.SBO Objektentwicklung und Planung firmierende Abteilung sitzt mit über 40 Mitarbeitern im Gebäude des Berliner Hauptbahnhofs. Der Bahnhof in Münster wurde dort geplant, das Empfangsgebäude in Berlin Gesundbrunnen, der Umbau der S-Bahnverteilerebene am Münchner Hauptbahnhof. Von hier stammt auch die Idee für den Bau klimaneutraler Empfangsgebäude.

Der erste grüne Bahnhof wurde 2014 in Horrem gebaut, Wittenberg ist der zweite. Er entstand nach einem Entwurf von Marc Ulrich, der 2015 verstarb, und unter Leitung von Stephan Böhning. Das Konzept berücksichtigt Kunden-, Umwelt- und Energieaspekte gleichermaßen. 15 Millionen Euro haben das Land Sachsen-Anhalt und die Bahn in den Neubau und die Modernisierung der Gleisanlagen gesteckt, das alte Bahnhofsgebäude war abgerissen worden. Der Neubau steht auf der der Stadt zugewandten Seite der Gleise. Er wirkt bescheiden, transparent und sauber detailliert – ein wenig erinnert er an die 50er Jahre, an das Restaurant eines Bundesgartenschaugeländes vielleicht. Auf jeden Fall vermittelt seine pavillonartige Erscheinung die Leichtigkeit des Reisens. Solarzellen und Grünflächen auf dem Dach, Wärme und Kühlung aus Geothermie sowie eine Regenwasseraufbereitungsanlage sollen ermöglichen, dass der Bahnhof seinen Ernergiebedarf selbst produziert.

Auch der Service will sich wieder so nennen dürfen. Mehr Stellplätze für Autos und Fahrräder gibt es, Infotafeln und Wartedächer. Im Empfangsgebäude entstand ein heller Wartebereich mit USB-Anschlüssen an den Bänken, auch einen Bäcker und Zeitungsladen sind zu finden und barrierefreie Toiletten. Wer mit der Bahn in Deutschlands Kleinstädten unterwegs ist, weiß, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Musste man doch in den vergangenen Jahren eher beobachten, wie Haltepunkte auf Automaten reduziert oder gar ganz geschlossen und in Immobilienkatalogen zum Verkauf angeboten wurden. Besteht also Hoffnung, dass die Bahn wieder auf den richtigen Weg gerät, oder hat uns das Reformationsjubiläum einen architektonisch anspruchsvollen Einzelfall beschert? (fm)


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