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29.10.2015

Halb versteckt

Feuerwehrhalle in Südtirol von Roland Baldi


Nach dem Bau einer Tal- und einer Bergstation für die Ifinger Seilbahn in Meran kennt sich Roland Baldi aus mit den Tücken und Herausforderungen alpiner Architektur. Bei seinem Entwurf des Neubaus für die Freiwillige Feuerwehr Pflersch in den Stubaier Alpen in Südtirol macht der Bozener Architekt aus der Not eine Tugend. Durch die Lage mitten in der Talsohle des Pflerschtals drohen der geplanten Feuerwehrhalle jederzeit Gefahren wie Hochwasser, Muren, Lawinen oder Hangbewegungen. Baldi konzipierte die neue Feuerwehrhalle deshalb als eine logische Fortsetzung des durch Murgänge entstandenen Geröllfeldes und setzte sie kurzerhand in den Schutzwall vor den gefährdeten Berghang. Etwas mehr als zur Hälfte schaut das eingeschossige Volumen mit seinen verglasten Falltoren aus dem begrünten Schutzwall hervor – der Rest versteckt sich unter dem grünen Hang.

Parallel zur Straße angeordnet gliedert sich die Feuerwache in zwei Funktionsbereiche. Fahrzeughalle und Aufenthaltsräume lassen sich durch die zwei zueinander verschobenen Volumen unterschiedlicher Höhe erkennbar ablesen. Die leichte Schräge der vorgezogenen Gebäudefront orientiert sich dabei an dem Berghang. Den bergseitigen Teil des Gebäudes mit Lagern und Nebenräumen hat Baldi mit der Errichtung eines Auffangbeckens zur Gänze in den Dammkörper integriert, während Fahrzeughalle und Aufenthaltsräume aus dem Wall hervorragen. Dachflächenfenster belichten und belüften die Umkleideräume.

Wenn die Innenräume mit Sichtbeton, Fenstern und Möblierung eine reduzierte, klare und aufgeräumte, ja fast surreale Thomas-Demand-Stimmung verbreiten, erinnert der von außen sichtbare Teil des Neubaus eher an eine Geheimzentrale, die in ihrer Erscheinung ebenso rau wie die Natur zu sein versucht. Für die markante Gabionenfassade haben Roland Baldi und sein Team Schotter aus Wettersteindolomit verwendet. Direkt aus dem Aushub des Hangschuttes vor Ort gewonnen, wurde das lose Gestein vor Ort zerkleinert, gesiebt und in die eigens angefertigten Gabionen gefüllt.

Auf diese Weise wollten die Architekten einerseits die Identität zwischen Ort und Gebäude stärken, andererseits aber auch die moderne Form mit der Landschaft verbinden. Das scheint gelungen. Die Feuerwehrhalle Pflersch wurde diesen Sommer nach einjähriger Bauzeit fertiggestellt, Bauherr ist die Marktgemeinde Brenner. Gut vorstellbar, dass man dort bald Drehanfragen erhält. Die Kulisse stimmt, die Architektur auch. (jk)

Fotos: Oskar Da Riz


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