Sprechzimmer der Geschichte
Eröffnung der Topographie des Terrors in Berlin
Ein Haus, eine Landschaft und Spuren der Vergangenheit. Am Mittwoch wird nach einer gut 23-jährigen Planungsgeschichte der Neubau der Topographie des Terrors in Berlin eröffnet (siehe BauNetz-Meldung zum Baubeginn vom 2. Juli 2007). Das NS-Dokumentationszentrum des Berliner Büros Heinle, Wischer und Partner ergänzt als Erinnerungsort die Reihe des Jüdischen Museums von Libeskind und des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas von Peter Eisenman. Geplant wurde das Gebäude auf dem Prinz-Albrecht-Gelände, dem Hauptquartier der Gestapo, von der Architektin Ursula Wilms und dem Landschaftsarchitekten Heinz Hallmann.
Das Gelände zählt als erstes Ausstellungsobjekt. Schon seit 1987 existiert eine provisorische Freiluft-Dauerausstellung neben dem Martin-Gropius-Bau. Die Stiftung Topographie des Terrors hat hier einen Neubau errichtet, den deren Direktor Andreas Nachama kürzlich im Interview der Bauwelt als „Sprechzimmer der Geschichte“ bezeichnet hatte (Interview als PDF-Download).
Die Architekten sehen die Topographie des Terrors als einen Ort, der „dem eigenen, persönlichen Nachdenken über die Geschichte durch einen spannungsreichen Wechsel zwischen dem Angebot gelenkter Information im Gebäude, im Ausstellungsgraben und im Geländerundgang mit seinen 14 Stationen und der freien Wahl des Gehens und des Aufenthalts Raum“ geben soll.
Der quadratische Neubau mit einer Grundfläche von 54 mal 54 Meter liegt flach, halb in den Erdboden gegraben inmitten der kargen Landschaft. Der zentrale Lichthof mit Wasserbecken ist von der Umgebung komplett abgeschirmt. Neben den knapp 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche und einem Veranstaltungssaal mit genau 199 Plätzen sowie einer Cafeteria im Eingangsbereich enthält der Bau im Untergeschoss außerdem eine Bibliothek, Seminarräume und die Büros der 17 Stiftungsmitarbeiter. Von allen Räumen im Hauptgeschoss aus, ist die durch die vorgehängte Lamellenfassade aus Metall das Gelände zu sehen – der Ort, an dem sich während des „Dritten Reichs” die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamts befanden, und der nun über diese wichtigsten Einrichtungen des nationalsozialistischen Verfolgungs- und Terrorapparats informiert.
Als eine der „bescheidensten Lösungen“ wird der 20 Millionen teure Bau von den Kritikern beschrieben, als „ein Lehrstück im schwierigen Umgang mit der deutschen Geschichte, das zugleich die Topographie vorführt“ oder auch als „Versuch der Befriedung und als Erstarrung“ (Nils Ballhausen in der Bauwelt). Es will laut Architekten weder „Mahnmal sein, nicht der Interpretation dienen, will nicht die Aufmerksamkeit auf sich lenken“ und „nimmt bewusst keine Kanten früherer Bebauung oder Straßenfluchten auf“.
Zur turbulenten Vorgeschichte: BauNetz-Meldung zu den letzten Wettbewerbsergebnissen vom 25. Januar 2006, BauNetz-Meldung zum Scheitern Zumthors vom 26. November 2004, BauNetz-Meldung zum geplanten Abriss der Bauruine vom 27. Oktober 2004 und BauNetz-Meldung zur Entwurfsvorstellung von Peter Zumthor vom 18. März 1999.
Selbstverständlich trägt ein sehr guter Bau auch zum Ruhm des Architekten bei. Der Umkehrschluss, ein teurer Bau würde automatisch den Ruhm des Architekten mehren, ist jedoch völlig falsch. Und gerade das Wort Eitelkeit läuft bei Zumthor ins Leere. Nun ist an einer historisch wichtigen Stelle ein denkbar banales Gebäude entstanden. "Unaufgeregt", wie hier zu lesen war, ist das nicht. "Einfach" ebenso wenig. Beides sind Attribute, die in der heutigen Zeit nur mit gewaltigem Aufwand zu erreichen sind. Um ein bekanntes Wort zu verwenden: Zumthors Entwurf liess die Luft vor Klarheit erzittern. Das entstandene Bauwerk lässt nicht einmal ein laues Lüftchen aufkommen.
" ... das jetzt Entstandene ist beliebig, nichtssagend, kühl ..." ... vielleicht ist das auch ganz gut so ... im grunde genommen kann ein gebäude nicht das verkörpern was an diesem ort geschehen ist und veranlasst wurde ... daher ist der spröde pavillion vielleicht doch das richtige ... wir haben damals auch an dem wettbewerb teilgenommen, allerdings mit einem wesentlich polarisierendem entwurf ... und waren sehr enttäuscht über den ersten preis ... im laufe der jahre ist aber der eindruck gereift das dieses konzept vielleicht doch angemessener ist und der ausstellung gegen das vergessen einfach nur raum gibt ohne die inhalte zu kommentieren...
das jetzt Entstandene ist beliebig, nichtssagend, kühl, mit anderen Worten: Für Architekten und Nichtarchitekten ziemlich enttäuschend!
das ist alles richtig; allerdings handelt es sich hier nicht um ein architektonisches, sondern um ein politisches Problem. Mit dieser Stelle hatte Berlin schon Probleme, seit eine Bürgerinitiative in den 1980ern die Gedenkstätte forderte. Hier kann man halt nicht "einfach" einen Kranz für die Opfer niederlegen, hier muss man sich mit den (Schreibtisch)Tätern und dem Terrorsystem auseinandersetzen und mit der Gesellschaft, aus der diese stammten. Das ist natürlich viel mühsamer. Heinle Wischer ist okay. Aber Zumthor wäre ein rätselhaftes Gebäude gewesen, dass zudem den großteil der BRache frei gelassen hätte und sogar einen Blick "von oben" zugelassen hätte. Jetzt ist es eine Sparkassenfiliale und das Thema "Auseinandersetzung mit den Tätern" kann endlich zu den Akten gelegt we5rden... Die Architekten trifft daran keine Schuld.
>ein banaler kasten bietet sich als lösung an< eine äußerst raffinierte spiegelung .. hut ab..