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http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Entwicklungskonzept_fuer_aethiopien_4677094.html

26.01.2016

Maker Towns auf dem Land

Entwicklungskonzept für Äthiopien


Erst die Architektur, dann die Siedlung, so könnte man die Strategie der internationalen Expertengruppe um Dirk Donath beschreiben, die sich seit einigen Jahren mit den Urbanisierungsprozessen in Afrika und insbesondere in Äthiopien beschäftigt. Nach dem Bronze-Preis bei den Holcim Awards 2014 konnten sie im letzten Sommer zusammen mit Studenten erste Gebäudeprototypen realisieren. Jetzt hat das Team einen konzeptuellen Entwicklungsplan für Etablierung von verdichteten Siedlungen im ländlichen Raum vorgestellt. Am Projekt beteiligt waren die Büros Flintstone mit Tsedeke Yihunie Woldu (Addis Ababa), Plus 4930 (Berlin, Düsseldorf), Lukas Veltruský (Berlin, Duttweiler) sowie die Bauhaus Universität Weimar und das Architekturinstitut EiABC der Addis Ababa University.

Hinter dem Entwurf steckt eine einfache Idee: Als nachhaltiges Mittel gegen die Landflucht hilft nur, dort für ein Auskommen zu sorgen, wo die Menschen beheimatet sind – eben in den ruralen Gegenden Äthiopiens. Da jedoch die Agrarwirtschaft auch in Afrika immer weniger Arbeitskraft benötigt, könne dies nur mittels einer Industrialisierung des ländlichen Raums gelingen. Die Initiatoren, neben Donath auch Florian Geddert und Lukas Veltruský, denken dabei jedoch nicht an schmutzig primitive Hinterhoffabriken, sondern an zeitgenössische Produktionsformen zwischen innovativer Technologie und junger Kreativität, ganz so, wie sie auch in den Metropolen anzutreffen sind. „Tukuls to Datchas“ nennen sie ihr integriertes Konzept, das vom Wassermanagement über die Architektur bis hin zur Business-Planung reicht –Tukuls, das sind traditionelle äthiopische Rundhütten, die es an die Gegenwart anzupassen gilt.

Im Zentrum ihrer Überlegungen steht eine aufgelockerte Stadtform, in der sich die Nutzungen stark mischen und überlagern. Die alltäglichen Wege sollen dadurch kurz bleiben, während überschaubare Nachbarschaften zugleich den produktiven Austausch zwischen den Bewohnern fördern. Die runde Form sichert dabei die Kompaktheit der neuen Siedlungen – anstatt einfach weiterzuwachsen, soll lieber die nächste dieser sogenannten „Maker Towns“ entstehen. Eine vergebliche Hoffnung? Nicht unbedingt, wie die Macher mit Verweis auf ihr mitteleuropäisches Heimatland anmerken. Gerade der süddeutsche Raum könne nämlich als Vorbild gelten – mit den zahllosen mittelständischen Unternehmen, die dort in jeder Kleinstadt anzutreffen sind. (sb)


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