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10.12.2015

Bayerischer Pragmatismus

Der neue Konzertsaal in München wird im Osten der Stadt errichtet


Ein Kommentar von Nadin Heinich

Jetzt ist es entschieden. Mit dem Beschluss des bayerischen Kabinetts vom Dienstag wird der neue Konzertsaal in München im sogenannten Werksviertel im Osten der Stadt gebaut werden. Auf dem Areal, auf dem ehemals die Knödelproduktion von Pfanni beheimatet war und das seit den Neunzigerjahren als „Kunstpark Ost“ mit Clubs und Diskotheken zwischengenutzt wurde, entsteht aktuell ein neues Viertel zum Leben, Wohnen und Arbeiten. High and low, Restaurants, Hotels, Künstlerateliers, Büros, unter anderem für Start-ups, Nachtleben und der neue Konzertsaal. Der vorläufige Abschluss einer fast 15 Jahre währenden Debatte.

Zuletzt standen noch zwei Standorte zur Auswahl, das Werksviertel und die Paketposthalle im Westen der Stadt, eine riesige, denkmalgeschützte Halle aus den Sechzigerjahren, bei ihrer Errichtung das weitestgespannte Bauwerk weltweit. In einer vom bayerischen Wissenschaftsministerium im Sommer bei dem Frankfurter Büro Albert Speer und Partner in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie wurden zuvor noch fünf Standorte untersucht: der im historischen Stadtzentrum gelegene Finanzgarten, der Apothekerhof in der Residenz, der Olympiapark, das Werksviertel und die Paketposthalle. Im Oktober wurden die Ergebnisse dieser Studie veröffentlicht, eine Bewertung nach Punkten, bei der das ehemalige Pfanni-Areal am besten abschnitt, gefolgt von der Paketposthalle. Da es sich bei beiden um Projekte privater Investoren handelte, führte das Finanzministerium in den letzten Wochen Vorverhandlungen über die Konditionen zur Überlassung des Grundstücks und den Bau des Konzertsaals, begleitet von einer hitzigen öffentlichen Diskussion mit Veranstaltungen, organisiert von den lokalen CSU-Verbänden im Osten beziehungsweise Westen der Stadt.

Wirklich transparent verlaufen ist der Entscheidungsprozess, der unter starkem politischen Druck stand, zuletzt nicht. Das Gutachten von Speer und Partner ist bis heute nicht veröffentlicht, auch darf sich das Frankfurter Büro gegenüber der Presse dazu nicht äußern. Als Hauptargumente für das Werksviertel gelten die zeitliche Verfügbarkeit und die Kosten. Bis 2018 soll der Konzertsaal „unumkehrbar“ auf den Weg gebracht werden (dann sind wieder Wahlen), die Inbetriebnahme des Konzertsaals ist bis Ende 2021 geplant. Ist solch ein äußerst sportlicher Zeitplan entscheidend für gute Architektur oder guten Städtebau? Öffentlich wirksam für das Werksviertel ausgesprochen hatten sich zuletzt der Dirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons, und die einflussreichen Konzertsaalfreunde, die sich seit Jahren für einen neuen Konzertsaal einsetzen und ursprünglich den Standort im Finanzgarten favorisierten. Nur von außen betrachtet ist diese Meinungsänderung überraschend. Doch wo blieben die Wortmeldungen von Architektenverbänden etc., von denjenigen, die sich professionell mit Stadt beschäftigen? Eine mit Weitsicht und Abstand vom lokalen Klüngel geführte Debatte über die Weiterentwicklung der Stadt? Dass sich ein einzelner Architekt, der in absehbarer Zeit in München bauen möchte, nicht in den politischen Kleinkrieg begibt, ist nachvollziehbar. Doch wenn ein Berufsstand sich zu den relevanten Fragen fast gar nicht äußert, macht er sich selbst überflüssig. Deko auf der Torte.

Die Paketposthalle wäre die größere, mutigere Lösung gewesen, eine ganz eigene Musikstadt. Gewonnen hat der Pragmatismus. Aber vielleicht gibt es doch noch Überraschungen. „Jetzt, da im Osten der Konzertsaal gebaut wird, fehlt noch etwas im Westen“, so der Architekt Peter Haimerl, der unter anderem den Konzertsaal in Blaibach gebaut hat. In Aubing, tief im Münchner Westen, plant er gemeinsam mit dem Sänger Thomas E. Bauer die Transformation eines Kraftwerks zum Konzertsaal, als Interimslösung für den voraussichtlich ab 2020 zu sanierenden Gasteig und als unabhängigen Veranstaltungsort. In Aubing gibt es Grundstück, Baurecht, Bauträger, Betreiber, die Gebrüder Amberger, Inhaber der Mineralölfirma Allguth, als Investoren und einen fertigen Entwurf. Der Spatenstich ist für Anfang 2017 geplant.

Noch ist in München also nicht abschließend entschieden, wo in Zukunft die Musik spielen wird. Und auch der Bayerische Landtag, der der Kabinettsentscheidung für den Konzertsaalstandort hinter dem Ostbahnhof ebenfalls zustimmen muss, scheint nicht restlos überzeugt. Man will die Angelegenheit nach der Weihnachtspause diskutieren.


Zum Thema:

Mehr zum Werksviertel: www.werksviertel.de


Kommentare:
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Hier soll der neue Konzertsaal entstehen: das Werksviertel am Münchner Ostbahnhof

Hier soll der neue Konzertsaal entstehen: das Werksviertel am Münchner Ostbahnhof

Projektvorschlag für den Standort Paketposthalle von Jürke Architekten

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Projektvorschlag für den Standort Ludwigstraße/Von-der-Tann-Straße im Zentrum Münchens von Stephan Braunfels

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Philharmonisches Kraftwerk in München-Aubing von Peter Haimerl

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