Familiärer Zusammenhalt
Container-Wohnhaus in Japan
Vier Boxen, eine Familie: Das von Kentaro Yamazaki entworfene Haus im japanischen Kashiwa kann als Vorbild für Offenheit und Transparenz eines Wohndomizils dienen. Da im Inneren auf jegliche Absperrungen und Zwischenwände verzichtet wurde, entstehen gar Assoziationen zum Bild des „Ganzen Hauses“. Doch einen Unterschied zu diesem Wohnprinzip des Mittelalters gibt es dann doch: Die Entscheidung zur unbeschränkten Offenheit der Wohnräume wurde hier in „langen, fruchtbaren Diskussionen“ der Familie mit dem Architekten getroffen und beruht auf der Überzeugung, dass diese den familiären Zusammenhalt fördere und weiterentwickele.
Vier containerartige Boxen, durch dünne, zumeist mit Fenstern ausgestattete Wände in unregelmäßigen Abständen aneinander gebunden, bilden zusammen ein 70 Quadratmeter großes Ganzes. Im Inneren umschließen die einzelnen Kuben den zentralen, gemeinsamen Wohnraum, den so genannten „Hub“.
Alle Wände sind mit hellen Sperrholzplatten verkleidet und bilden einen fließenden Übergang zum ebenfalls hellgrauen Betonboden. Die einzelnen Boxen enthalten jeweils zwei Ebenen. Dabei wurden nur die unteren mit notwendigen Einrichtungen ausgestattet: Hier sind Küche, Badezimmer, Toilette und Arbeitsraum untergebracht. In den oberen Ebenen können die Familienmitglieder ihren kreativen Ideen Platz geben, etwa mit einem Spielraum für Kinder.
Viel Licht, Luft und Raum scheinen die Containerboxen in sich zu bergen. Man überhört auch leicht das Gefühl, dass die oberen offenen Räume eine potentielle Gefahrenzone, insbesondere für Kinder, darstellen – so viel Entspanntheit und Gelassenheit strahlt das Gesamtkonzept aus. Vielleicht erfährt man hier mehr über Raumwahrnehmung als in konventionellen „Drei Zimmer, Küche, Bad“-Wohnungen mit ganz vielen Türen in Material und in den Köpfen? Eine wahre Leichtigkeit des Seins. (pg)
Fotos: Naoomi Kurozumi Architectural Photographic Office
Ich hoffe sehr, dass sich solche Perversionen in der Architektur nicht durchsetzen. Die Menschen würden sich endgültig mit Abscheu von uns Architekten abwenden. Und ich muss sagen, nicht ganz zu Unrecht, wenn wir Architekten weiter sowas produzieren. Wir sollten uns dringend fragen, welches Menschenbild wir Architekten eigentlich haben. Hier müssen wir, glaube ich, dringend umdenken.