Büroexpressionismus
Caruso St John gewinnen in Hamburg
Einst galt der Große Burstah in Hamburg als Top-Adresse, nach dem Krieg stand die Straße allerdings im Schatten von besseren Lagen wie dem Jungfernstieg. Doch seit einigen Jahren wird das Quartier als luxuriöser Wohn- und Geschäftsstandort nahe der Altstadt entwickelt. Caruso St John haben dort nun einen Wettbewerb für ein neues Bürohaus gewonnen.
Bezugspunkt ihres Entwurfs ist dabei ganz offensichtlich das Chilehaus von Fritz Höger, das die Aufbruchsstimmung der Stadt nach dem Ersten Weltkrieg verkörpert. Dessen gestaffelt-spitze Ecke greifen Caruso St John gekonnt auf und übersetzen den Backsteinexpressionismus des Originals in eine zeitgenössische Terrakotta-Fassade. „So etwas gibt es in Hamburg noch nicht, wenngleich Hamburger Architekturthemen aufgegriffen werden“, merkt Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter an.
Ein Wermutstropfen der Entwicklung am Großen Burstah ist allerdings, dass hierfür das prominente Allianz-Hochhaus von Bernhard Hermkes weichen muss. Dieses elegante Spätwerk von Hermkes, das zwischen 1969–1971 errichtet wurde, hatte, anders als seine Großmarkthalle, trotz Denkmalwürdigkeit kaum Fürsprecher. Zumindest wenn es etwas zu verdienen gibt, ist für die Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg also nur mit wenig Verständnis zu rechnen. Dann überwiegt Hamburgs gegenwärtige Sehnsucht nach steinerner Gediegenheit. (sb)
Fotos vom Hermkes-Bau: Hagen Stier
und was macht jetzt bitte der Neubau besser!? Es fehlt leider zu vielen Akteuren die Fantasie, solche Zeitzeugen, Bausteine wie auch immer Sie heißen sollen, weiterzudenken. Abriss - Neuer Versuch - Abriss - ...
Aber jetzt zur Architektur: Also ich bin ja gern für Neubau. Was hier allerdings zu erwarten ist wertet die Gegend nicht wirklich auf. Es würde ganz sicher lohnen das Allianz-Haus vernünftig zu sanieren. Oder eben einfach mit nem besseren Entwurf bauen. Das hier, wird die Einöde an dem Ort nur noch zementieren. Im wahrsten Sinne des Wortes.