Space-Age am Hansaviertel
Bürohaus in Berlin wird abgerissen
Michael Zajonz bezeichnete das Werk des Berliner Architekten Georg Heinrichs (geboren 1926) als „Space-Age-Architektur“. Gemünzt war das zwar auf die bekannte Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße (1967-81), aber es könnte ebenso für das zeitgleich geplante Bürogebäude des evangelischen Konsistoriums Berlin-Brandenburg an der Bachstraße unmittelbar neben dem Berliner Hansaviertel gelten. Heinrichs entwarf das aluminiumverkleidete Bürohaus zusammen mit dem damaligen Westberliner Senatsbaudirektor Hans-Christian Müller (1921-2010). Es wurde 1968-71 erbaut, steht seit dem Jahr 2000 leer und soll noch im Herbst 2011 abgerissen werden. Zur Zeit läuft eine vorbereitende Schadstoffsanierung im Inneren.
Das Konsistoriumsgebäude ist tatsächlich in einer für die Zeit typischen Ästhetik des Karosserie- bzw. des Raumschiffbaus gestaltet. Die Fassaden sind mit Aluminiumplatten verkleidet; jedes Fenster ist an den Ecken abgerundet. Der Architekturführer Rave Knöfel (Berlin 1981) beschreibt das Gebäude so: „Der Y-förmige Grundriss aus der Punkthaustradition der ersten Nachkriegsjahrzehnte ist hier neu interpretiert und durch geschicktes Überlagern zu größerer Haustiefe und Plastizität geführt. Dabei bleibt die Außenhaut mit ihren Alu-Paneelen und -Fenstern in schwarzen Neoprene-Profilen eines umlaufenden gleichen Rasters absolut flächenbündig.“
Der jetzige Eigentümer, die „Hilfswerk-Siedlung GmbH – Evangelisches Wohnungsunternehmen in Berlin“ teilte mit, der bauliche Zustand des Gebäudes lasse nur einen Abriss zu. Hier solle „eine gemischte Nutzung mit Wohnungen und Gewerbe“ entstehen, wohl in Blockrandbauweise. Der Baustadtrat des Berliner Bezirks Mitte, Ephraim Gothe, hatte einen Abriss jedenfalls als „wünschenswert“ bezeichnet. – Mehrere Nachkriegsbauten von Heinrichs und Müller stehen unter Denkmalschutz, dieses bisher jedoch nicht. (-tze)
Ich finde, in dieser Gegend gibt es viel zu wenig zum entspannen, feiern oder bestaunen. Die Bachstraße 1-2 in der Form, in der sie noch vorhanden ist, wäre ein tolles Objekt um die Jugendkultur im Stile von "Tacheles" hier aufleben zu lassen. Etwas mehr Kunst und Unterhaltung innerhalb einer kreativen Fassade belebt und ist auch für den Tourismus attraktiv. Verstehe nicht, wie man sowas abreisen kann. Herzlos
morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1691759/Wachsender-Widerstand-gegen-den-Hansahof-in-Tiergarten.html und den tagespiegel vom 9.4.11 tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/berlin-tiergarten-konsistorium-macht-platz-fuer-hansahof/4037550.html Wer etwas tun will, sollte sich unbedingt mit dem Bürgerverein in Verbindung setzen. Einzelaktionen bringen wahrscheinlich eher wenig. Dennoch könnte man die Kammer anschreiben und mit guten Argumenten um eine verstärkte Stellungnahme und Initiative gegen den Abriss werben. Natürlich auch die entsprechenden Senatsstellen und den Eigentümer. Denkbar wäre auch einen offenen Brief zu verfassen (Warum nicht auch im Baunetz? Eine gewisse Öffentlichkeit ist hier ja schon hergestellt, warum diese nicht sinnvoll nutzen? Ich erinnere mich an die Schlossdebatte: Als hier im Baunetz der Kommentarrekord gebrochen wurde - damals weit über 100 - wurde das auch in den anderen Medien zur Kenntnis genommen.) Hilfreich könnte auch sein, die Printmedien per Email auf die Diskussion im Baunetz hinzuweisen. Je mehr Aufmerksamkeit, desto besser. Meist ist es den Akteuren doch lieber, wenn sie solche Aktionen still und leise abwickeln können und am Schluss alle vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Publicity wird doch eher als störend empfunden.
Gibt es denn heute niemanden mehr, der sich auflehnt statt mit schlauen Worten einfach nur zu akzeptieren. Ich bin für Demo, sit in und Gebäuderettung - auch wenn es meine Kraft kostet. Wer ist dabei? Ich finde die Idee der facebook party genial? wer kann das anstoßen? ich bin sofort dabei!