Großes Theater
Bühnenneubau von Perrault in Albi
Der Platz der Völkerfreundschaft am Rande der historischen Altstadt von Albi im südfranzösischen Département Tarn war zuvor unbebaut. Er bildete ein spitz zulaufendes, unregelmäßiges Viereck und diente als Parkplatz. Hier hat das Pariser Büro Dominique Perrault Architecture das Grand Théâtre d'Albi gebaut, das kürzlich fertiggestellt wurde. Der Entwurf ist aus einem internationalen Wettbewerb aus dem Jahr 2009 hervorgegangen.
Der Theaterneubau soll als „bemerkenswertes architektonisches Symbol“ (Perrault) das Quartier nicht nur städtebaulich neu ordnen, sondern auch auf die Nachbarschaft ausstrahlen. Der Architekt sieht sein Grand Théâtre als zentrales Herzstück einer „Allee der Kultur“, die als „urbaner Spazierweg“ von der berühmten Kathedrale über das Theater zum öffentlichen Parc Rochegude führt. Auf diesem Weg sollen sich verschiedene Institutionen aneinanderreihen.
Das Raumprogramm sah ein Theater mit einem Saal für 900 Zuschauer, eine Studiobühne mit 250 Plätzen sowie die üblichen Nebenfunktionen vor, ferner ein Multiplexkino mit acht Sälen für insgesamt 1.400 Besucher sowie eine Tiefgarage mit 320 Stellplätzen. Perrault entwarf das Theater als solitären Bau, der zwei mehr oder weniger dreieckige städtische Plätze ausbildet. Das Kino hingegen legte er weitgehend unter die Erde mit dem bestehenden Athanor-Gebäude als Zugangsbauwerk – „der sichtbare Teil des Eisbergs“, so Perrault. Die Tiefgarage ordnete er unter dem Theater an.
Das Theater selbst ist als große Box konzipiert. Die Fassade zur Altstadt hin ist komplett verglast. Der Stahlbetonbau ist innen wie außen mit Ziegeln verkleidet. Im Gegensatz zu dem schweren Stein trägt das Gebäude eine Hülle aus einem leichten, kupferfarbenen Metallgewebe – „wie ein Kleid“. Diese Metallverkleidung reicht an zwei Seiten bis nach unten und betont so die Horizontalität des Baus, während sie sich an den anderen beiden Seiten „hebt“ und den Bau damit zur Stadt und den Kinos öffnet.
Die aus statischen Gründen gewölbten Elemente der Metallverkleidung sollen für eine „freie, fröhliche und lyrische Architektur“ sorgen, erläutert der Architekt: Die Haut des Gebäudes als „großes Ornament“ stehe für die Metaphorik des Theatervorhangs. (-tze)
Fotos: Georges Fessy, Vincent Boutin