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20.04.2013

Stages of Decay

Bücher im BauNetz


Stuck bröckelt von der Decke, Stuhlreihen sind demoliert, Graffiti schmücken die Wände, die Lichter sind aus, der Strom abgeschaltet und der Bühnenvorhang halb heruntergerissen. „Stages of Decay“ zeigt einstige pompöse Bühnenräume samt der Details ihres Zer - falls, so wie Julia Solis sie vorgefunden hat. Es sind mysteriöse Ge - bäude, fast sakral ausgestattet und mit unglaublichen Ornamenten versehen, die verlassen und vergessen wurden – Erinnerungen an eine vergangene Blütezeit der Theaterkultur. Heute warten sie auf den Abriss – so undenkbar scheint jede rettende Sanierungsmaßnahme.

Zerbrochene Fenster und offene Türen waren eine Einladung für die Fotografin, die eine enorme Reihe von geschlossenen Theatern aufgespürt und besucht hat, darunter Bühnen in New York, New Orleans, Michigan und Marriotsville – nicht zu vergessen der Prachtbau des Michigan Theatre in der Geisterstadt Detroit. Heute dient der hiesige Grand Ballroom als Parkhaus. Aber nicht nur amerikanische, auch deutsche Theaterruinen werden in dem Bildband gezeigt. Noch ist die deutsche Theaterlandschaft einzigartig, aber auch hier droht ein gewaltiger Einbruch: Immer mehr Bühnen werden aus dem Kulturbudget weggespart und müssen schließen. Was bleibt sind verlassene Häuser; geliebt, gestritten und gestorben wird hier nicht mehr.

Als „beängstigend und gefährlich“ beschreibt Bryan Papciak diese Orte in seinem Text, der zu Beginn des Buches steht und das (sehr persönliche) Vorwort von Martina Gedeck ergänzt. Solis hat bei jedem Theaterbau einen Blick hinter die Fassade geworfen und mitunter absurde Innenräume entdeckt. Ein Theater wurde zum Beispiel in ein ehemaliges Schwimmbad eingebaut. Die leeren Stühle warten auf Besucher, die schon lange nicht mehr kommen, während die Deckenpaneele sich langsam lösen und herunterfallen.

Was fasziniert aber so an diesen menschenleeren Bildern? Die unbespielbar gewordenen Bühnen als vergessene Orte großer Momente strahlen immer noch Glamour aus und bilden gleichzeitig eine beängstigende Realität ab. Die Bilder all dieser Theater-Ruinen lösen ein Staunen aus. Sie wirken fast artifiziell und verfremdet, dabei sind sie eine Dokumentation und keine Fotokunst. Julia Solis' Fotografien offenbaren starke Momente einer Reise – auf manchen Aufnahmen scheint der einst schallende Applaus großer Bühnenerfolge noch nachzuhallen. (Jeanette Kunsmann)

Stages of Decay
Julia Solis
Prestel Verlag, Februar 2013
Mit einem Vorwort von Martina Gedeck
Gebunden, 160 Seiten, englisch
29,95 Euro



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